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Heute ist er 50 Millionen Euro wertDer 1. FC Köln hätte Bisseck für 1,2 Millionen zurückholen können

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Younes Ebnoutalib Deutschland Germany mit Yann Aurel Bisseck - Herzo Base 22.09.2026: Deutsche Nationalmannschaft Nations League Vorbereitung, Home Ground, HerzoBase, World of Adidas, Herzogenaurach *** Younes Ebnoutalib, Germany, with Yann Aurel Bisseck, Herzo Base, September 22, 2026, German National Team, Nations League Preparation, Home Ground, HerzoBase, World of Adidas, Herzogenaurach

Der Kölner Yann Aurel Bisseck (M.) am Dienstag gut gelaunt im Kreise der Nationalmannschaft in Herzogenaurach (l. Younes Ebnoutalib)

Yann Aurel Bisseck, Eigengewächs des 1. FC Köln, hat über viele Umwege große Karriere gemacht und steht im DFB-Aufgebot von Jürgen Klopp.

Als Yann Aurel Bisseck am vergangenen Wochenende im Topspiel der Serie A bei der AS Roma in der 79. Minute den Ausgleich von Inter Mailand durch Lautaro Martínez vorbereitete, ersparte der gebürtige Kölner dem Titelverteidiger die erste Niederlage. Inter und die Roma trennten sich 2:2, beide Teams haben nach fünf Spieltagen 13 Punkte. Für viele Experten führt der Weg zur Meisterschaft erneut nur über die Mailänder.

Bisseck ist längst ein wichtiger Bestandteil der Nerazzurri. In der vergangenen Saison absolvierte der Innenverteidiger 36 Pflichtspiele, darunter sieben in der Champions League, und hatte wesentlichen Anteil am Double aus Meisterschaft und nationalem Pokal. Drei Tore und drei Vorlagen steuerte der 1,96 Meter große Abwehrspieler bei. Seit seinem Wechsel zu Inter im Sommer 2023 kommt er auf 108 Pflichtspiele für den italienischen Spitzenklub. In Mailand wurde er zum Leistungsträger und verlängerte seinen Vertrag bis 2031. Sein Marktwert wird mittlerweile auf rund 50 Millionen Euro taxiert.

Nun winkt Bisseck die nächste Krönung. Bundestrainer Jürgen Klopp hat den 25-Jährigen für die anstehenden Nations-League-Spiele in den Niederlanden und gegen Griechenland nominiert. Bisseck, der bislang ein A-Länderspiel bestritten hat, kann sich endlich wieder für die Nationalmannschaft empfehlen. Sein erstes und bisher einziges Spiel für das DFB-Team absolvierte er am 25. März 2025 beim 3:3 gegen Italien. Dabei hätte er einst auch für Kamerun, das Land seiner Eltern, auflaufen können. Doch Bisseck entschied sich schnell für die DFB-Elf und sein Geburtsland. Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte Bisseck bei der vergangenen Weltmeisterschaft überraschend nicht nominiert. Das sorgte allgemein für Verwunderung und enttäuschte den Verteidiger. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hält den Kölner ohnehin für eine Bereicherung. „Er ist mehr als nur ein Ersatz. Bisseck spielt in Italien überragend“, schrieb der einstige Inter-Star Matthäus gerade in seiner Sky-Kolumne. In Mailand werde nur positiv über den Verteidiger gesprochen, deshalb sei auch die Berufung Bissecks nur folgerichtig. Es sollen und werden weitere Einsätze für den Verteidiger folgen.

Angesichts seines turbulenten Weges bin ich unglaublich stolz auf ihn. Nicht nur auf das, was er erreicht hat, sondern vor allem darauf, wie er sich als Mensch entwickelt hat.
Georgette Bisseck, Schwester von Yann Aurel

Zur großen Freude seiner Kölner Familie. „Angesichts seines turbulenten Weges bin ich unglaublich stolz auf ihn“, sagt seine Schwester Georgette dieser Zeitung. „Nicht nur auf das, was er sportlich erreicht hat, sondern vor allem darauf, wie er sich als Mensch entwickelt hat. Zu sehen, was er trotz all der Rückschläge und schwierigen Phasen geschafft hat, macht mich noch stolzer.“

Für den 1. FC Köln ist Bissecks Entwicklung eine Geschichte mit zwei Seiten. Der Verein kann sich über einen Spieler aus der eigenen Akademie freuen, der es bis zu Inter und in die Nationalmannschaft geschafft hat. Zugleich erinnert seine Karriere an eine große verpasste Gelegenheit. Bisseck ist bis heute der jüngste Bundesliga-Debütant der FC-Geschichte. Am 26. November 2017 setzte ihn Peter Stöger bei der 0:2-Niederlage gegen Hertha BSC im Alter von 16 Jahren ein.

Bisseck war bereits mit sechs Jahren vom SV Adler Dellbrück zum FC gewechselt und durchlief sämtliche Nachwuchsmannschaften. Sein Debüt schien der Beginn einer großen Kölner Erfolgsgeschichte zu sein. Doch der Verein schenkte dem hochgewachsenen Verteidiger anschließend nie dauerhaft das Vertrauen. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass das Talent immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Bisseck wurde mehrfach verliehen – zu Holstein Kiel, zum niederländischen Zweitligisten Roda Kerkrade und zu Vitória Guimarães im Norden Portugals. Da war Bisseck 19 Jahre alt.

Die Stationen waren für den jungen Spieler nicht einfach. Bisseck musste sich immer wieder in einer neuen Umgebung behaupten und kam in Portugal zwischenzeitlich nur noch für die zweite Mannschaft in der dritten Liga zum Einsatz. Zeitweise soll der kluge Kopf, der mit 16 das Abitur am Hildegard-von-Bingen-Gymnasium in Köln abgelegt hatte, sogar darüber nachgedacht haben, seine Profikarriere zu beenden und Medizin zu studieren. Auch für seine Familie waren diese Jahre belastend.

26.11.2017, Fussball GER, 1. Bundesliga Saison 2017 2018, 13. Spieltag, 1. FC Koeln - Hertha BSC Berlin 0:2, Yann Aurel Bisseck (1.FC Koeln) *** 26 11 2017 Soccer GER 1 Bundesliga Season 2017 2018 13 Round 1 FC Koeln Hertha BSC Berlin 0 2 Yann Aurel Bisseck 1 FC Koeln Team2

16 Jahre, elf Monate und 28 Tage: So alt war Yann Aurel Bisseck bei seinem Profi-Debüt für den 1. FC Köln im November 2017 im Bundesligaspiel gegen Hertha BSC. Damit ist weiterhin der jüngste Debütant in der Vereinsgeschichte.

„Diese Phasen waren natürlich teilweise sehr emotional belastend. Wenn man bedenkt, dass er erst 17 oder 18 war und von heute auf morgen alleine in eine fremde Stadt ziehen musste, ist das als Familie natürlich schwer vorstellbar. Ganz besonders für die Mama“, erinnert sich Georgette. Die Familie habe trotz der schwierigen Entwicklung immer einen Hoffnungsschimmer bewahrt. „Wir hatten immer ein Fünkchen Hoffnung, weil vor allem seine Verletzungen der Hauptgrund für diesen turbulenten Weg waren.“ Und Bisseck blieb seinem Traum treu, kämpfte. Mit der Unterstützung seiner Familie. Die frühe Selbstständigkeit habe ihren Bruder geprägt, sagt die ältere Schwester. „Seine Resilienz, sein Wille und vor allem sein Glaube an sich selbst“ hätten ihm besonders geholfen, so Georgette.

Der entscheidende Wendepunkt kam in Aarhus. Nach einer einjährigen Leihe wechselte Bisseck im Sommer 2022 für rund 700.000 Euro endgültig zum dänischen Klub. Dort entwickelte er sich zum Stammspieler und Kapitän der deutschen U21-Nationalmannschaft. Nach dieser starken Saison bekundeten auch Vereine wie Eintracht Frankfurt Interesse.

Matching-Right-Klausel für den 1. FC Köln

Der FC hätte damals die Möglichkeit gehabt, Bisseck zurückzuholen. Nach Informationen dieser Zeitung besaß Köln im Vertrag mit Aarhus das sogenannte „Matching Right“, umgangssprachlich oft als „Konter-Klausel“ bezeichnet. Damit kann ein abgebender Verein bei einem zukünftigen Transfer das Angebot eines anderen Klubs zu denselben finanziellen Konditionen – Ablösesumme, Gehalt und Bonuszahlungen – kontern. Der aktuelle Verein ist dann verpflichtet, das Angebot des Ex-Klubs zu bevorzugen. Doch der FC um den neuen Sport-Geschäftsführer Christian Keller ließ die Frist verstreichen. Offenbar sah man am Geißbockheim in dem Eigengewächs nicht das Potenzial, das sich in den folgenden Jahren entfalten sollte.

Ein Jahr später wechselte Bisseck für rund sieben Millionen Euro von Aarhus zu Inter Mailand. Dank einer zehnprozentigen Weiterverkaufsbeteiligung kamen zu der damaligen Ablöse von rund 700.000 Euro mittlerweile noch etwa eine Million Euro für den FC hinzu. Das ist zwar eine relevante Summe, im Vergleich zum heutigen Marktwert und zur Stellung des Spielers aber fast nichts.

Dass Aurel alles mitbringt, um diese Entwicklung, die er genommen hat, nehmen zu können, war schon vor seinem Wechsel nach Mailand ersichtlich.
Der Kölner Berater Yusuf Kandemir

Der Kölner Berater Yusuf Kandemir, der die Familie Bisseck seit rund zehn Jahren kennt und seit dem Inter-Wechsel eng mit ihr zusammenarbeitet, sieht in der Entwicklung des Spielers keinen Zufall: „Dass Aurel alles mitbringt, um diese Entwicklung, die er genommen hat, nehmen zu können, war schon vor seinem Wechsel nach Mailand ersichtlich. Oft aber muss viel zusammenkommen, um dieses Top-Niveau erreichen zu können. Aurel hat eine fantastische Familie, spürt das absolute Vertrauen der Verantwortlichen bei Inter und lebt selbst hochprofessionell. Das ist eine gute Kombi. Die Berufung zur Nationalmannschaft ist nun ein weiterer Meilenstein für Aurel.“

Thomas Kessler, heute Sport-Geschäftsführer des FC, sagte im März 2025 anlässlich Bissecks erster Berufung in die A-Nationalmannschaft: „Er ist immer noch der jüngste Bundesligaprofi, den der FC je hatte. Für den Jungen ist das eine schöne Geschichte und aus dem kölschen Herzen heraus: Herzlichen Glückwunsch.“ Kessler freue sich, dass ein Spieler aus der FC-Akademie für das Nationalteam nominiert worden sei. Bisseck habe in Köln seine ersten Schritte gemacht, sei damals aber noch nicht so weit gewesen, seine Entwicklung zu festigen. Zudem sei der spätere Karriereverlauf seinerzeit nicht absehbar gewesen.

Auch Georgette blickt auf die Kölner Zeit mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits erhielt ihr Bruder beim FC nie die ernsthafte Möglichkeit, sich dauerhaft zu etablieren. Andererseits bleibt der Verein ein wichtiger Teil seiner Geschichte. „Allein aufgrund seiner langjährigen Jugendausbildung beim FC wird der FC immer einen wichtigen Platz in seinem sportlichen Werdegang einnehmen“, sagt sie. Bisseck sei in Köln groß geworden und habe dort die Grundlagen für seine spätere Karriere gelegt. Die fehlende Perspektive beim FC ändere nichts an dieser Verbundenheit.

Dennoch bleibt festzuhalten: Erst in der Fremde fand Bisseck das Vertrauen und die Spielzeit, die er für seinen Durchbruch benötigte. Nun könnte der Kölner bei Klopp den nächsten großen Schritt machen. Bei Inter ist Bisseck längst angekommen, auch andere Spitzenvereine verfolgen seine Entwicklung aufmerksam. Seine Familie hat ihn auf diesem langen Weg begleitet – von den ersten Schritten beim FC über die schwierigen Leihstationen bis jetzt, wo Bisseck ganz weit oben ist.