Luka Lochoshvili und Jahmai Simpson-Pusey müssen als Innenverteidiger-Duo noch zueinanderfinden
Innenverteidigung des 1. FC KölnRené Wagner gibt seiner Defensive Zeit

Niclas Füllkrug kommt an den Ball, Luka Lochoshvili und Jahmai Simpson-Pusey kommen nicht an den Ball. Solche Szenen sollen nun seltener vorkommen.
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Zwei neue Fotos schmücken seit Mittwoch die Schuhschleuse am Geißbockheim und damit den Flur, der im Profifußball die Kabine vor dem Dreck schützt, den Spieler zwischen den Stollen transportieren. Jeder Haushalt sollte eine Schuhschleuse haben – aus Gründen der Reinlichkeit. Aber eben auch, um Wände zu haben, die man mit großen Momenten des Familienlebens verzieren kann.
Die neuen Motive beim 1. FC Köln stammen vom jüngsten Derbysieg; eines zeigt die Mannschaft jubelnd nach dem Schlusspfiff, das andere Isak Johannesson bei seinem Kunstschuss zum 1:0. „Wir wollten uns ein bisschen selbst Erinnerungen schaffen. Damit wir jeden Tag sehen, wie wir ein gemeinsames Erfolgserlebnis feiern“, erklärte Trainer René Wagner am Mittwoch.
Eine stille Erinnerung an das Geleistete, vor und nach jedem Training – die Schuhschleuse ist ein guter Ort für solche Bilder – zeigen sie doch, wofür man arbeitet. Allerdings will Wagner im täglichen Tun grundsätzlich nicht davon abhängig sein, wie das letzte Spiel ausgegangen ist. „Im täglichen Prozess darf sich für uns nicht viel verändern. Ich habe die letzten Wochen darüber gesprochen, dass ich mich gerne in der Mitte bewegen und mich von großen Wellen weder nach oben noch nach unten ziehen lassen möchte. Genauso versuchen wir, jeden Tag hart zu arbeiten. Das machen die Jungs auch“, sagt der Trainer.
Die Mannschaft sei mit viel Selbstbewusstsein aus dem Derby gekommen. Köln blieb ohne Standard-Gegentor, erzielte selbst ein Tor nach einem Standard. Nach Schwierigkeiten zu Beginn stand die Abwehr ordentlich. Der erste Eindruck blieb dennoch: Vor allem in der ersten Halbzeit lieferten die Innenverteidiger Luka Lochoshvili und Jahmai Simpson-Pusey einige problematische Szenen. Für Wagner zählte das Resultat. „Wir haben Phasen gemeinsam überstanden, gemeinsam hart verteidigt, das muss uns Mut geben für die nächsten Spiele. Das wird in Frankfurt gefragt sein.“
Ich glaube, dass sich das Pärchen natürlich noch im Laufe der Saison finden muss – das ist oft so bei Innenverteidiger-Pärchen, die neu zusammenspielen
Bei zehn Gegentoren stehen die Kölner nach den ersten fünf Bundesligaspielen, zuletzt spielten sie im Januar beim 1:0 gegen den VfL Wolfsburg zu null – und unter René Wagners Verantwortung noch nie. Im vergangenen Oktober gelang der letzte Auswärtssieg, ein 1:0 in Hoffenheim, mehr als ein Jahr ist das her. Im Sommer schien die Abwehr das Prunkstück im Kölner Kader zu werden. Doch die Auftritte der Innenverteidiger geraten bislang bei weitem nicht so überzeugend wie erhofft.
Geduld ist gefragt. „Ich glaube, dass sich das Pärchen natürlich noch im Laufe der Saison finden muss – das ist oft so bei Innenverteidiger-Pärchen, die neu zusammenspielen“, sagt Wagner. Im Sommer hatte zeitweise Joel Schmied die Nase vorn gehabt. Der Schweizer hatte vor allem körperlich einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Dann aber verlor er seinen Platz in der Startelf an Jahmai Simpson-Pusey.

Schwierigkeiten, die Null zu halten: Torwart Marvin Schwäbe, Jahmai Simpson-Pusey und Luka Lochoshvili nach dem 1:4 in Stuttgart.
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Im Derby kam Schmied von der Bank und zeigte zwar wieder seine Neigung, Bälle eher unbedrängt ins Aus zu schieben und dem Gegner damit einfache Ballgewinne zu bescheren. Grundsätzlich aber beindruckte er – Schmied wirkte souverän, kraftvoll, absolut Herr der Lage.
Bislang wirkte Wagner entschlossen, Lochoshvili und Simpson-Pusey weitere Chancen zu geben, zu der Innenverteidigung zu werden, die man sich verspricht. Nach einer Leihe kam Simpson-Pusey im Sommer fest von Manchester City. Lochoshvili holten die Kölner aus der zweiten Liga. Insgesamt rund zwölf Millionen Euro steckten die Kölner in ihren Verteidigungshaushalt. „Ich glaube, dass die beiden sich noch finden. Wir sind zuletzt in Situationen gekommen, auch gegen Gladbach, in denen wir viel wegverteidigt haben. Die eine Situation gegen Gladbach hat leider direkt zum Tor geführt. Aber ansonsten finde ich, dass beide sehr bemüht sind, an ihren Themen zu arbeiten – das machen wir jede Woche“, beschreibt Wagner, ohne die Dinge zu schönen.
„Als Gruppe immer stabiler“
Überhaupt sei die Abwehrarbeit eine gemeinschaftliche Aufgabe, und nach dem „Sieg im Standardspiel“, wie Wagner es nennt, wenn man aus ruhenden Bällen mehr Tore erzielt als der Gegner, sieht der Trainer sein Team auf dem richtigen Weg. „Ich denke, wir werden da als Gruppe immer stabiler. Nach dem Derby habe ich gesagt: Solange wir eins mehr schießen als der Gegner, gewinnen wir trotzdem. Dennoch ist unser Anspruch natürlich, uns in jeder Phase zu verbessern – und dazu gehört auch die Defensivarbeit.“
Ein Spiel ohne Gegentor, vielleicht sogar schon in Frankfurt, wäre dann ein guter Anlass, ein neues Foto in die Schuhschleuse zu hängen. Wen das Bild dann zeigt, wird sich am Freitagabend ergeben.
