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Kölner VakuumDer FC sucht seinen Anführer

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1. FC Köln vs. Werder Bremen, 3. Spieltag, 12.09.2026, 18.30 Uhr, von links: Marvin Schwäbe, Ellyes Skhiri (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Gesprächsbedarf: FC-Kapitän Marvin Schwäbe (l.) und Rückkehrer Ellyes Skhiri im Spiel gegen Bremen

Vor allem Rückkehrer Ellyes Skhiri soll René Wagners Mannschaft mehr Struktur und Halt geben.

Zunächst lief beim 1. FC Köln alles wie aus einem Guss. Die Fans trieben ihre Mannschaft an, Linton Maina hatte früh getroffen, und Mikey Moore wirbelte die Bremer mit seinen Dribblings durcheinander. Der FC war überlegen, machte Dampf. Doch was sich gegen Ende der ersten Halbzeit angedeutet hatte, setzte sich nach dem Wechsel fort: Die Abstände wurden größer, die Bremer Angriffe gefährlicher, die Gesten der Kölner hektischer. Aus dem Fußball der Hausherren wurde ein Suchen und Warten.

Auf dem Rasen fehlten Spieler, die das Heft in die Hand nehmen und der Mannschaft Halt geben können. Tom Krauß versuchte, seine Nebenleute wachzurütteln, Linton Maina sprach auf Mitspieler ein. Doch der FC fand lange keine Antwort, verlor die Ordnung und musste sich am Ende nach dem Tor von Niclas Füllkrug (69.), das sich abgezeichnet hatte, mit dem 1:1 zufriedengeben.

„Die Sachen, die nicht so gut waren, waren kommunikativ – dass keiner so richtig wusste, was zu tun ist“, sagte Maina anschließend. Jeder sei „so ein bisschen mit sich selbst beschäftigt“ gewesen. Ein Kommunikations- und Abstimmungsproblem.

Während mit Marvin Schwäbe der Kapitän im Tor steht und Luka Lochoshvili zunächst noch in der Bundesliga ankommen muss, hatten auch die im Zentrum vorgesehenen Führungsspieler alle Hände voll zu tun. Skhiri und Krauß sollten für Ordnung und Stabilität sorgen. Doch irgendwann wussten auch sie nicht mehr, welche Lücken sie zuerst schließen sollten. Für Trainer René Wagner sind solche Momente vor allem eine Folge des Umbruchs. Fünf Sommerneuzugänge standen gegen Bremen in der Startelf.

1. FC Köln: Sieben Spieler auf dem Platz waren alter als 27

Allerdings war die Kölner Anfangsformation keineswegs so jung, wie es mitunter dargestellt wird: Ihr Durchschnittsalter lag bei 27,3 Jahren. Sieben Spieler waren älter als 27, drei – darunter Skhiri – sogar älter als 30. Erfahrung war also vorhanden, auch wenn die Mannschaft in dieser Zusammensetzung erstmals gemeinsam begann. Wagner befand: „Wir hatten Spieler auf dem Feld, die hier im Stadion noch nie auf dem Platz standen. Wir sind am dritten Spieltag. Wir wollen diese Phasen vermeiden, aber sie gehören zur Entwicklung dazu.“

Die Abläufe müssten analysiert und mit dem Team besprochen werden. Zugleich fordert der Trainer mehr Eigenverantwortung: Ein Spiel lasse sich nicht in jeder Situation von der Seitenlinie aus steuern. Der FC sucht nach den ersten Spielen der Saison noch Struktur und Stabilität. Gegen Bremen stand Skhiri erstmals in der Startelf. Der 31-Jährige war zumindest zeitweise als Denker und Lenker zu erkennen: Er spielte 95 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler, spulte 13 Kilometer ab und dirigierte seine Nebenleute häufig mit Gesten. Zwei Diagonalbälle in gefährliche Zonen leiteten vielversprechende Angriffe ein.

Die Jungs sollen das Selbstvertrauen haben, dass sie führen können, dürfen und auch sollen. Da gehört Ellyes dazu, und das wird er tun.
FC-Trainer René Wagner über seine Erwartungen an Ellyes Skhiri

Genau das will Wagner von seinem Rückkehrer sehen. „Für uns ist es wichtig, dass wir Struktur bekommen und in Phasen, in denen das Spiel vielleicht mal nicht für uns läuft, genau diese Spieler auf dem Feld haben“, sagte der Trainer. Skhiri überzeugte vor allem, als der FC drückte. Als Bremen im Mittelfeld das Übergewicht bekam, konnte aber auch er die großen Lücken nicht schließen. „Ich versuche, mit Flaco die Lösung zu finden, aber das haben wir in dem Moment nicht geschafft“, sagte Nebenmann Krauß.

Die nötige Abstimmung muss sich erst entwickeln. Skhiri kommt aus einem schwierigen Jahr bei Eintracht Frankfurt, einer enttäuschenden WM und einer Vorbereitung, die wegen wochenlangen Individualtrainings nicht nach Plan verlief. „Es ist wichtig, dass wir den Kern der Mannschaft stärken. Die Jungs, die auf dem Platz stehen, sollen das Selbstvertrauen haben, dass sie führen können, dürfen und auch sollen. Da gehört Ellyes dazu, und das wird er auch in der Zukunft tun“, sagte Wagner.

Maina versuchte, seine Nebenleute aufzurichten. „Bei kleinen Pausen habe ich probiert, die Jungs zu pushen. Es ist schwer, in so einem lauten Stadion jeden ranzuholen“, sagte der Torschütze. Für ihn braucht der FC mehrere Spieler, die Verantwortung übernehmen. „Ich will nicht sagen, dass wir uns auch mal anschreien müssen, aber es darf nicht so dahinplätschern, dass wir gefühlt warten, bis ein Tor fällt.“ Auch Krauß wollte den Bremer Druck nicht so hinnehmen. „Ich bin ein emotionaler Spieler, ich will die Spiele gewinnen. In dem Moment habe ich gemerkt, dass wir die Kontrolle verlieren. Ich wollte die Mannschaft wachrütteln“, sagte er. Zugleich zeigte er sich selbstkritisch: „Vielleicht muss ich mir ankreiden, dass ich noch mehr mache.“

Der FC hat junge Spieler verpflichtet, die nun in diese Verantwortung hineinwachsen sollen. Krauß formulierte das Ziel deutlich: „Das ist absolut unser Ziel, um eine ekelhafte Mannschaft zu sein.“ Eine Mannschaft also, die sich nicht so leicht aus dem Spiel bringen lässt und auch Partien gewinnt, in denen nicht alles gelingt. Gegen Bremen war davon nach der Pause zu wenig zu sehen. Skhiri soll nun eine zentrale Rolle übernehmen. Wagner kann sich vorstellen, dass der Rückkehrer in schwierigen Phasen vorangeht und der Elf Halt gibt. Der Tunesier wird diese Aufgabe nicht allein lösen können. Der FC braucht mehrere Spieler, die kommunizieren, Verantwortung übernehmen, eigene Entscheidungen treffen. Doch mit Skhiri könnte sich eine Führungsfigur entwickeln, die dem Team bislang gefehlt hat.