Mittelstürmer Malek El Mala, einst als Innenverteidiger definiert, trifft bei seinem Bundesliga-Debüt zum 1:1 bei Union und erfreut nicht nur seinen Bruder.
Malek El Mala trifft beim DebütDer Plan, der keiner war

Said El Mala und Malek El Mala freuen sich nach dem Schlusspfiff gemeinsam über Maleks Debüt samt Tor.
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Wenn plötzlich alles leuchtet und alle Dinge an ihrem Platz sind, sieht es gleich so aus, als sei ein Plan aufgegangen. Doch bei weitem nicht alles an Malek El Malas Karriere, die am Sonntag in Berlin-Köpenick ihr vorläufiges Ziel erreichte, ist bislang nach Plan verlaufen. Die Jugend bei Borussia Mönchengladbach, wo es bald nicht mehr weiterging. Zwischenzeitlich überließen die Brüder El Mala ihre fußballerische Ausbildung der Straße, ehe sie sich im Trikot des TSV Meerbusch die Chance auf ein Engagement in der Jugend von Viktoria Köln erarbeiteten.
Es dauerte mehrere Probetrainings, ehe die El Malas im Rechtsrheinischen angenommen wurden. Es dauerte sogar noch etwas länger, ehe Trainer Marian Wilhelm aufging, dass er zwar einen Innenverteidiger Malek El Mala verpflichtet hatte, der Spieler jedoch in Wahrheit Mittelstürmer war. Malek El Mala bringt körperliche Voraussetzungen mit, die ihn scheinbar zum geborenen Innenverteidiger machen. Doch sein Tempo mit Ball, seine Improvisationsgabe und sein Gefühl für torgefährliche Räume bewogen die Trainer in Höhenberg bald, ihn zum Angreifer umzuschulen. Ein Glücksfall für alle Beteiligten, etwa für den am Sonntag offensiv so mittellosen 1. FC Köln.
Zum FC kam Malek im Gefolge seines zwar jüngeren, aber doch auffälligeren Bruders. Malek war weniger robust als Said, hatte regelmäßig mit Verletzungen zu tun. Ob es reichen würde für die Bundesliga, stand infrage – wenngleich nicht für seinen Bruder. „Er ist zu gut, um nicht Bundesliga spielen zu dürfen“, sagte Said El Mala am Sonntag während der gemeinsamen Runde durch die Interviewzone der Alten Försterei.
Der jüngere Bruder traf erst in seinem zweiten Bundesligaspiel, Malek durfte sich also freuen, seinem Bruder etwas voraus zu haben. In den Augenblicken nach seinem Treffer seien alle auf ihn zugerannt, um mit ihm zu jubeln. Said hatte allerdings die Flanke ins Zentrum geschlagen und einen weiteren Weg gehabt. So erreichten die Brüder einander erst, als der Rest der Mannschaft schon wieder abgezogen war.
Der hat irgendwie auf seine Brust geklopft wie ein Verrückter
Die El Malas sprangen Brust an Brust aneinander. Wie weite Teile ihrer Karriere war auch das nur scheinbar geplant. „Das war spontan“, sagte Said El Mala, sein Bruder habe den Jubelsprung per Geste ausgelöst: „Der hat irgendwie auf seine Brust geklopft wie ein Verrückter“, rief Said lachend, was Malek zurückgab: „Ja, selber! Sieh dir mal das Video an!“ Said jedenfalls erlebte gleich, wie viel Körper sein großer Bruder ins Luftduell bringt. „Ich habe ein bisschen Brustschmerzen“, sagte der 20-Jährige.
Mit der Trophäe des „Man of the Match“ in der Hand und einem Tor beim Bundesliga-Debüt fiel der Rückblick auf die vergangenen Monate versöhnlich aus. „Verzweiflung war da nie“, sagte Malek El Mala, wenngleich die Widerstände nicht vergessen waren. „Die Rückschläge, immer wieder neu anfangen zu müssen“, das habe ihn geprägt. Dass es bei der dritten Kadernominierung für einen Einsatz und gleich für ein Tor gereicht hatte, überraschte Malek El Mala selbst ein wenig. „Ich hatte auf ein paar Minuten gehofft, nicht direkt auf 20“, sagte er, und Bruder Said fragte gleich nach: „Waren das 20? Krass!“

René Wagner erlebte am Sonntag bei seiner Rückkehr an die Alte Försterei einen fordernden Nachmittag. Immerhin erlöste ihn Malek El Mala.
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René Wagner wäre nicht René Wagner, würde er die Aufregung um die Kölner Wuchtbrüder nicht gleich einer tiefen Analyse unterziehen. Malek El Mala habe sich die Kaderberufungen mit harter Arbeit verdient. Die Einwechslung sei jedoch nicht als Showeffekt gedacht gewesen, auch nicht als Aufmerksamkeit für Fans, Freunde oder die Familie. Sie habe rein taktische Gründe gehabt. „Wir haben gegen einen tiefen Block gespielt, die Unioner haben mit zehn Spielern um die eigene Box verteidigt, darum brauchten wir eine Neun. Malek ist der verfügbare Neuner, den wir aktuell im Kader haben, deswegen bringen wir ihn in so einer Situation“, fasste der Kölner Trainer zusammen.
„Da steht dann auch nur eine wahre Neun“
Es war das Tor eines echten Mittelstürmers – Malek El Mala tilgte am Sonntag die letzte Erinnerung an den Innenverteidiger seiner Jugendtage. Die Positionierung, der Abschluss – „da steht dann auch nur eine wahre Neun“, stellte Wagner fest: „Er hat gezeigt, dass er den Riecher hat.“ Um die Freude des Tages nicht allein mit sachlichen Erwägungen zuzuschütten, wurde Wagner dann doch noch emotional. Und sagte: „Ich freue mich ungemein.“
Said gönnte Malek den Erfolg, und nicht nur das: Weil geteilte Freude doppelte Freude ist, genossen die Brüder die Momente in Köpenick im Duett. „Es fühlt sich an, als wäre es mein Tor. Wir fühlen gleich. Wenn ich treffe, fühlt er sich gut. Wenn er trifft, fühle ich mich gut. Wir sind sehr, sehr happy. Die Eltern sind happy, der Verein ist happy“, resümierte Said El Mala. Und deutete gleich an, wie sehr das Tor gegen Union nun beide antreiben wird: Die Brüder können den nächsten gemeinsamen Auftritt kaum erwarten. „Hoffentlich“ stünden beide als Nächstes dann gemeinsam in der Startelf, sagte Said El Mala noch, und mit Blick auf seinen Bruder: „Ich freue mich auf die nächsten Spiele mit ihm.“
Vor fast genau vierzig Jahren prägten schon einmal zwei Brüder den Angriff des 1. FC Köln. Damals stürmten Klaus Allofs und sein drei Jahre jüngerer Bruder Thomas gemeinsam für den FC. „Zusammen mit dem Bruder in einem Verein zu spielen, ist das Höchste der Gefühle, das Optimale“, sagt der ältere der beiden Stürmer dieser Redaktion am Montagmorgen. Wer Söhne habe, wisse um das sensible Gleichgewicht aus Rivalität und blindem Verständnis. „Wenn man mit seinem Bruder zusammenspielt, beflügelt das enorm“, erinnert sich der 69-Jährige: „Im Training waren wir untereinander weniger rücksichtsvoll und kompromissloser als mit anderen Mitspielern. Wenn es jedoch hart auf hart kam, haben wir zusammengehalten.“

Die Brüder Klaus (li.) und Thomas Allofs
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Der Blick nach Köln macht Klaus Allofs zuversichtlich. „Said ist ein außergewöhnlicher Fußballer, darauf können sich alle freuen“, sagt er. „Malek kenne ich nicht so gut, aber die Voraussetzungen sind da. Es ist manchmal nicht einfach, sich in einer neuen Gruppe zurechtzufinden. Wenn mit Said nun schon ein Anker bei den Profis ist, der ein Standing im Team hat, dann kann das für Malek nur hilfreich sein.“ Mit zusammen 802 Bundesligaspielen stehen die Allofs-Brüder in den Statistiken. Seit Sonntag machen sich die El-Mala-Brüder daran, diese Erfolge einzuholen.

