FC-Neuzugang Thijs Dallinga wird beim 3:2-Sieg gegen Hoffenheim zum Matchwinner, Said El Mala antwortet auf Druck mit einem wichtigen Tor.
Matchwinner Dallinga und Jungstar El MalaDie neue Wucht des 1. FC Köln

Feierten gemeinsam den Kölner Sieg: Said El Mala (r.) und Neuzugang Thijs Dallinga.
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René Wagner wollte auch nach dem 3:2-Comeback-Sieg seines 1. FC Köln gegen die TSG Hoffenheim vor allem eines betonen: die Mannschaft. Nicht einzelne Protagonisten sollten im Vordergrund stehen, sondern der gemeinsame Erfolg. Und doch war es schwer, an diesem Abend nicht über zwei Spieler zu sprechen, die den Bundesliga-Auftakt maßgeblich prägten: Thijs Dallinga und Said El Mala.
Der neue Kölner Stürmer Dallinga avancierte gleich bei seinem Heimdebüt zum Matchwinner. In der 65. Minute eingewechselt, erzielte der Niederländer einen Doppelpack und drehte die Partie damit zugunsten des FC. Zwei Abschlüsse, zwei Treffer – Dallinga präsentierte sich im Strafraum eiskalt. Doch sein Auftritt ging weit über die Tore hinaus. Er arbeitete intensiv gegen den Ball, brachte Tempo ins Kölner Spiel und erwies sich als Zielspieler, der Bälle festmachen, verwerten und seine Mitspieler auch einsetzen kann.
Für mich ist das natürlich ein perfekter Start. Ich hatte Gänsehaut nach meinem ersten Tor.
„Für mich ist das natürlich ein perfekter Start. Ich hatte Gänsehaut nach meinem ersten Tor“, sagte Dallinga. Zwei Spiele hat der FC in den vergangenen zwei Wochen bestritten, beide gewonnen – und in beiden Partien zunächst einem Rückstand hinterherlaufen müssen. „Das zeigt, dass wir eine Mannschaft sind, die nicht aufgibt“, sagte der 25-Jährige sinngemäß mit Blick auf die Comeback-Qualitäten der Kölner. Nebenbei schrieb Dallinga Vereinsgeschichte. Er ist der erste Spieler, der bei seinem Bundesliga-Debüt für den 1. FC Köln doppelt getroffen hat. Für einen Angreifer, der nach schwierigen Jahren in Italien wieder zu seinem Rhythmus finden will, hätte der Einstand kaum besser laufen können. „Ich habe mir vorgenommen, in Köln wieder in meinen alten Rhythmus zurückzufinden, mehr Spiele zu bestreiten, wieder Tore zu schießen und dabei der Mannschaft zu helfen. Ich denke also, das ist ein guter Anfang“, sagte der Angreifer.
Dallinga war im Sommer leihweise aus Bologna nach Köln gewechselt. Kölns Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler hatte für den Stürmer zudem eine Kaufoption ausgehandelt, die allerdings bei rund elf Millionen Euro liegen soll. Nach dessen Traumstart war der Sportchef entsprechend zufrieden: „Wir waren sehr froh, dass wir ihn verpflichten konnten. Umso schöner ist es, dass er im eigenen Wohnzimmer den Leuten jetzt zeigen konnte, warum wir ihn geholt haben.“
Auch FC-Trainer Wagner sah in Dallinga schnell einen besonderen Faktor. „Wenn er in der Box ist, wird es brandgefährlich. Er ist ein Mehrwert für unsere Mannschaft“, sagte der Trainer. Der Coach verriet zudem, dass Dallinga ihm ein Versprechen gegeben habe: Tore zu schießen. Schon im ersten Bundesliga-Spiel löste der Stürmer dieses Versprechen ein.
Der zweite große Gewinner des Nachmittags war Said El Mala. Auf dem 20-Jährigen lag vor dem Anpfiff ein besonderer Fokus. Erstmals lief der Jungstar bei einem Saisonstart mit der 10 auf. Die legendäre Rückennummer hatte El Mala im Zuge seiner Vertragsverlängerung erhalten – und damit auch ein weiteres Symbol für seine wachsende Bedeutung beim FC.
Ich würde lügen, wenn ich sage: Nein.
Der wochenlange Transferpoker mit Borussia Dortmund und die damit verbundenen Schlagzeilen hatten dem Jungstar zugesetzt. El Mala ist längst eines der Aushängeschilder des Vereins. Mit der neuen Rückennummer ist die Erwartungshaltung nicht kleiner geworden. „Ich würde lügen, wenn ich sage: Nein“, antwortete El Mala auf die Frage, ob er den Druck spüre. „Ich bin gerade 20 geworden. Ich versuche, das gut beiseitezuschieben, wenn ich spiele. Aber es geht natürlich nicht komplett weg.“ Unterstützung erhält er von seiner Familie, seinen Mitspielern und den Trainern. Wie schwer die vergangenen Wochen waren, beschrieb El Mala offen: „Es ist schon krass, wenn man sich jeden Tag neu im Internet sieht. Ich lasse es aber beiseite, wenn ich auf dem Platz bin – auch wenn es schwer ist.“
In der ersten Halbzeit sah es allerdings noch nicht nach einer El-Mala-Feier aus. Der Jungstar vergab zwei große Möglichkeiten. Nach der ersten Chance schimpfte der freistehende Isak Johannesson lautstark – El Mala hatte den besser postierten Mitspieler übersehen und die Situation zu eigensinnig abgeschlossen. Bei der zweiten Gelegenheit kam ihm ein Fehlpass direkt vor die Füße. Doch El Mala scheiterte an Hoffenheims Torhüter Oliver Baumann. Der Kölner haderte mit sich, blieb frustriert stehen und verpasste dabei sogar den Moment, in die Rückwärtsbewegung zu gehen. El Mala ließ sich davon jedoch nicht aus der Bahn werfen.
Das war ein bisschen unglücklich. Aber davon lasse ich mich nicht abhalten. Ich habe einfach weitergemacht und die Jungs haben mir auch Mut zugesprochen“, sagte er nach dem Spiel. Mit Erfolg beim Ausgleich. Es war ein Treffer, wie man ihn von ihm kennt: El Mala zog den Sprint an, drehte seinen Gegenspieler ein und schloss ins lange Eck ab. Ein typischer El-Mala-Moment – und für die Hoffenheimer offenbar kaum zu verteidigen, selbst wenn sie wussten, was auf sie zukam. „Ich glaube, dieses Tor war dann irgendwo auch ein kleiner Löser. Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, weil ich schon im letzten Spiel ein bisschen Pech hatte“, sagte El Mala.
1. FC Köln: Auch die Neuzugänge Lochoshvili und Mensah überzeugen
Der Treffer gab ihm sichtbar Selbstvertrauen – auch wenn der Arbeitstag nach 65 Minuten vorzeitig endete. El Mala musste wegen Krämpfen ausgewechselt werden. Die Ursache war ihm selbst zunächst unklar. „Keine Ahnung, warum. Da muss ich auf jeden Fall mal nachhaken. Ich habe alles auf dem Platz gelassen, was ging, und habe der Mannschaft so gut es ging geholfen“, sagte der Offensivspieler. Für den FC wäre es wichtig, dass das Krampfproblem schnell geklärt ist. Köln braucht El Mala möglichst lange auf dem Platz. Damit setzte der Offensivspieler trotz aller Rückschläge ein Zeichen. Er trug die 10 nicht nur auf dem Rücken, sondern übernahm auch Verantwortung auf dem Platz. Der Druck war spürbar – doch El Mala hielt ihm stand.
Wagner dürfte sich dennoch darüber freuen, dass der Auftaktsieg nicht allein von der Offensive getragen wurde. Innenverteidiger Luka Lochoshvili schwang sich zum aggressiven Leader auf und stand im Zentrum bombensicher. Linksverteidiger Gideon Mensah, dessen Verpflichtung zunächst mit einer gewissen Skepsis begleitet worden war, zeigte in der zweiten Halbzeit eine blitzsaubere Leistung.
Doch am Ende waren es Dallinga und El Mala, die alle überstrahlten. Der eine kam, traf doppelt und gab dem 1. FC Köln mit seiner Wucht neue Möglichkeiten. Der andere stellte sich dem Druck, den die Nummer 10 und die Schlagzeilen der vergangenen Wochen mit sich bringen, und antwortete auf dem Rasen. Kölns neue Offensiv-Trümpfe haben beim Bundesliga-Auftakt sofort gestochen. Für Dallinga war es der perfekte Start. Für El Mala war es ein wichtiger Schritt in eine Rolle, die beim FC immer größer wird.
