Das 2:2 zwischen dem 1. FC Köln und der TSG Hoffenheim wurde von einem medizinischen Notfall überschattet. Beide Fanlager verzichteten daraufhin auf die übliche Unterstützung.
Medizinischer Notfall1. FC Köln holt in der Stille von Müngersdorf einen wichtigen Punkt

Nach Bekanntwerden eines medizinischen Notfalls verzichtete die Südkurve auf die gewohnte akkustische Unterstützung des FC.
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Der 1. FC Köln hat sich in der Stille von Müngersdorf einen wertvollen Punkt im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga erarbeitet. Gegen den Champions League-Anwärter TSG Hoffenheim kam die Mannschaft von Trainer Lukas Kwasniok nach einem leidenschaftlichen Auftritt zu einem 2:2 (1:1). Überschattet wurde die Partie gleich zu Beginn von einem medizinischen Notfall auf der Osttribüne, woraufhin beide Fanlager ihre Unterstützung für das gesamte Spiel einstellten. Zum Zustand der Person lagen dem FC kurz nach Abpfiff keine genauen Informationen vor.
Ragnar Ache hatte die Gastgeber mit einem Fallrückzieher-Traumtor in Führung gebracht (15.). Nach der Wende durch Ozan Kabak (45.) und Andrej Kramaric (60.) sorgte Said El Mala (63.) für die Punkteteilung. „Für uns ist es natürlich schade, weil das Heimspiel nicht mehr so den Vorteil dargestellt hat. Über 90 Minuten ist das Ergebnis gerecht. Wir hätten in unserer besten Phase das 2:0 machen müssen. In Summe können wir mit dem Punkt leben. Wir müssen um jeden Punkt fighten, das haben wir auch heute wieder unter Beweis gestellt“, sagte Kwasniok.
Die Kölner mussten ihre Startelf kurzfristig umbauen. Jan Thielmann klagte beim Aufwärmen über muskuläre Probleme und konnte nicht mitwirken. Für ihn rückte der zuletzt formschwache Eric Martel nach, der eigentlich auf der Bank hätte Platz nehmen sollen. Kwasniok kehrte in der Defensive zu einer Dreierkette zurück, in der Innenverteidiger Rav van den Berg erstmals seit dem zweiten Rückrunden-Spieltag wieder von Beginn an auflief. Die zweite personelle Änderung gegenüber der 1:3-Niederlage beim VfB Stuttgart betraf die Offensiv-Abteilung. Dort erhielt mit Said El Mala der Siegtorschütze aus dem Hinrundenduell den Vorzug vor dem ehemaligen Hoffenheimer Marius Bülter. Ein Wiedersehen mit Tim Lemperle kam nicht zustande. Der ehemalige FC-Stürmer fehlte wegen einer Blessur am Sprunggelenk.
Der Punkt ist heute Nebensache. Wir haben gesehen, dass es wichtigere Dinge gibt im Leben als Fußball.
Kwasniok hatte angekündigt, dass seine Mannschaft „mit voller Überzeugung attackieren“ werde – und das taten die Kölner. Der FC war in der Anfangsphase das deutlich aktivere Team und belohnte sich nach einer Viertelstunde mit einem Treffer der Marke „Tor des Jahres“. Nach einem schnell ausgeführten Einwurf auf Höhe der Strafraumgrenze flankte El Mala an den Elfmeterpunkt, wo sich Ragnar Ache mit dem Rücken zum Tor stehend in die Luft schraubte und den Ball in sensationeller Manier per Fallrückzieher ins lange Eck wuchtete. „What a goal“, rief der sonst so sachliche Stadionsprecher Michel Trippel. Der FC blieb am Drücker und verbuchte mehrere Möglichkeiten, um ein zweites Tor nachzulegen. Erst köpfte Cenk Özkacar nach einem Eckball nicht platziert genug (17.), dann scheiterte Jakub Kaminski bei einem Konter an Nationaltorwart Oliver Baumann (21.), ehe Martel bei einer weiteren Ecke aus wenigen Metern am linken Pfosten vorbei köpfte (23.).
Nach einer halben Stunde kam der Tabellendritte besser ins Spiel. Topscorer Andrej Kramaric prüfte den bis dato beschäftigungslosen Marvin Schwäbe mit einem Schlenzer (29.). Kurz darauf fuhr der Kölner Torhüter gegen Grischa Prömels wuchtigen Schuss die Fäuste aus (35.). Mit Ablauf der regulären Spielzeit des ersten Durchgangs lag der Ball schließlich im Kölner Gehäuse. Vladimir Koufal verlagerte den Ball auf die linke Seite, wo Sebastian Sebulosen seinen Gegenspieler Albian Hajdari ungehindert flanken ließ. In der Mitte lief Ozan Kabak ein und vollstreckte zum 1:1. Es fehlte nicht viel, und der FC wäre sogar mit einem Rückstand in die Kabine gegangen. Nach einem herausragend vorgetragenen Hoffenheimer Konter klärte Martel mit einer famosen Grätsche vor dem einschussbereiten Wouter Burger (45.+2).
1. FC Köln verliert nach dem Seitenwechsel den Zugriff
Die Kölner erlebten einen problematischen Einstieg in den zweiten Durchgang. Hoffenheim erhöhte den Druck und schnürte den FC minutenlang in der eigenen Hälfte ein. Der starke Bazoumana Touré vergab die Führung für die TSG (57.). Drei Minuten später geriet der FC ins Hintertreffen. Fisnik Asllani setzte mit einem Hackentrick Touré in Szene, dessen Schuss aus kurzer Distanz an die Unterkante der Latte klatschte. Beim Abpraller war Kramaic per Kopf zur Stelle. Schwäbes Glanztat war umsonst. Wie die Torlinientechnik dokumentierte, hatte der Torhüter den Ball erst erwischt, als dieser die Linie bereits in vollem Umfang überquert hatte. Die Reklamationen des FC galten stattdessen einem wohl falsch ausgeführten Einwurf bei der Entstehung des Tores.
Doch die Gastgeber berappelten sich wieder und schafften per Konter das schnelle 2:2. Kaminski schickte gegen weit aufgerückte Hoffenheimer El Mala auf die Reise, der mit seinem Tempo zwei Gegenspielern enteilte und Baumann etwas glücklich tunnelte (63.). Danach ging es rauf und runter, weitere Tore fielen aber nicht mehr. „Es war ein komisches Spiel, weil die Stimmung zurecht nicht da war. Der Punkt ist heute Nebensache. Wir haben gesehen, dass es wichtigere Dinge gibt im Leben als Fußball“, meinte FC-Mittelfeldspieler Tom Krauß.
1. FC Köln: Schwäbe; Schmied, van den Berg, Özkacar; Sebulonsen (69. Simpson-Pusey), Martel, Krauß (90.+1 Johannesson), Lund; Kaminski (90.+1 Schenten), Ache (85. Waldschmidt), El Mala (85. Bülter). – TSG Hoffenheim: Baumann; Coufal, Hranac, Kabak, Hajdari; Avdullahu, Prömel, Burger (73. Prass); Kramaric (90. Moerstedt), Asllani (90.+2 Eduardo), Touré (90.+2 Gendrey). – SR.: Schröder (Hannover). – Tore: 1:0 Ache (15.), 1:1 Kabak (45.), 1:2 Kramaric (60.), 2:2 El Mala (63.). – Gelbe Karten: Özkacar; Hajdari, Coufal, Moerstedt. – Zuschauer: 49.600.
