Der 1. FC Köln steht nach sechs sieglosen Spielen in Folge unter Druck, die Kehrtwende zu schaffen. Lukas Kwasniok erwartet bei Konkurrent Heidenheim ein Duell mit einer „gewissen Brisanz“.
„Nicht von Phasen leiten lassen“Kwasniok mahnt vor wegweisender FC-Woche zur Sachlichkeit

Unter Druck: Trainer Lukas Kwasniok ist nach sechs sieglosen Spielen in Folge gefordert, den FC wieder auf Kurs zu bringen.
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Kurz vor der Abreise erlebte der 1. FC Köln seinen bisher schönsten Tag an der Costa Blanca. Die Sonne kam am Donnerstag reichlich zum Vorschein und bescherte milde Temperaturen jenseits der 15 Grad-Marke. Passend zum frühlingshaften Wetter trug Lukas Kwasniok einen lockeren Trainingsanzug, als er zwei Tage vor dem ersten Bundesligaspiel des Jahres beim 1. FC Heidenheim auf einer etwas improvisierten Pressekonferenz im Mannschaftsquartier zur aktuellen Lage berichtete.
Am Samstag (15.30 Uhr, Sky) auf der eisigen Ostalb muss Kwasniok wieder seine Winterkleidung hervorkramen. Anhaltender Schneefall und Minusgrade bescheren den erst am Freitag direkt aus Spanien nach Süddeutschland weiterreisenden Geißböcken ein klimatisches Kontrastprogramm. Bedenken, dass seine Mannschaft Probleme mit der Umstellung bekommen könnte, hat Kwasniok nicht. „Vor ein paar Tagen waren es hier auch noch gefühlt drei Grad und halbe Schneestürme. Dennoch war es nicht so, dass wir keinen Ball getroffen haben. Das wird auch am Samstag nicht der Fall sein“, sagte der 44-Jährige. „Es ist ein Auf und Ab, damit muss man als Profifußballer lernen, umzugehen.“
Heidenheim ist ein entscheidender Gegner im Klassenerhaltskampf. Daher ist dieses Spiel mit einer gewissen Brisanz hinterlegt.
Zumal der Start aus der Winterpause gleich eine enorm wichtige Aufgabe für den kriselnden Aufsteiger bereithält. Sechs sieglose Spiele hintereinander haben dazu geführt, dass die Kölner den Blick in der Tabelle wieder verstärkt nach unten richten müssen. Der einst komfortable Vorsprung auf die gefährdete Zone ist weitgehend aufgebraucht, Relegationsplatz 16 liegt nur noch vier Punkte entfernt. Fünf Zähler sind es noch auf Heidenheim, den wiedererstarkten Tabellenvorletzten. Kwasniok weiß um die Bedeutung des direkten Duells für den weiteren Saisonverlauf: „Es wird gleich heiß zur Sache gehen. Heidenheim ist ein entscheidender Gegner im Klassenerhaltskampf. Daher ist dieses Spiel mit einer gewissen Brisanz hinterlegt.“
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Nicht zuletzt ob des extremen Winterwetters in Deutschland erwartet Kölns Trainer eine Partie, die über den Kampf entschieden wird. „Es wird sicherlich auf viele Duelle ankommen, es wird kein Zuckerschlecken werden. Dann musst du deinen Mann stehen“, meint Lukas Kwasniok, der seine Mannschaft für diese nicht alltägliche Aufgabenstellung gewappnet sieht: „Ich glaube schon, dass wir auch die Jungs haben, die sich auf genau diese Art von Fußball freuen. Fußball ist nicht immer nur chippy-chappy. Fußball ist auch Herz, Mentalität, Zweikampf, sich mal einen Cut oder eine Gelbe Karte holen. Ich glaube, dass die Jungs genau wissen, dass das Teil des Spiels ist.“
Bei uns ist die Stimmungslage immer fokussiert – unabhängig von positiven oder negativen Ergebnissen.
Das Fehlen ebendieser Tugenden hatte Kwasniok nach den ersten Tagen im Trainingslager noch bemängelt. „Hingabe, Intensität und Gier“ waren zunächst nicht so vorhanden gewesen, wie Kwasniok es von Beginn an erwartet hätte. Immerhin gefiel ihm die Reaktion seines Teams nach einer extra anberaumten Sitzung. „Da war ordentlich Schmackes hinter. Insofern bin ich zufrieden. Den freien Mittwoch haben sich die Jungs verdient“, lobte Kwasniok. Mit etwas Abstand wollte er seine öffentliche Schelte nicht überbewertet wissen. „Es ist wie bei Kindern, die ihr Zimmer nicht aufräumen. Du musst dann drauf hinweisen, und dann verändert sich was“, zog der Familienvater einen Vergleich aus dem Alltag heran. Die Anlaufschwierigkeiten nach der zweiwöchigen Winterpause sind für ihn damit abgehakt. Diese seien „relativ normal, wenn du dich ein paar Tage nicht siehst“, ruderte Kwasniok mit seiner Kritik zurück.
Womöglich war dem 44-Jährigen nicht entgangen, dass zuletzt die ein oder andere kritische Stimme aus der Mannschaft zu vernehmen war. So merkte etwa Luca Waldschmidt im „Express“ an, seine Einsatzzeiten seien für ihn „manchmal schwer zu greifen“. Schon vor dem Derby Mitte Dezember in Leverkusen hatte Jan Thielmann öffentlich durchblicken lassen, dass Kwasnioks wöchentliche Startelf-Rotation nicht bei jedem Spieler auf Gegenliebe stoße. Der wiederum war am Donnerstag darum bemüht, vor der wegweisenden Englischen Woche mit Duellen gegen die direkten Konkurrenten Heidenheim und Mainz keine weiteren Nebengeräusche aufkommen zu lassen.
„Ich bin als Trainer jeden Tag mit der Mannschaft, dem Trainerteam und dem Staff zusammen. Bei uns ist die Stimmungslage immer fokussiert – unabhängig von positiven oder negativen Ergebnissen“, versicherte Kwasniok und fügte an: „Wir haben uns eine Situation erarbeitet, wo wir über dem Strich stehen. Wir werden ruhig und sachlich arbeiten und uns nicht von Phasen leiten lassen. Wir haben eine gute Ausgangslage für die restlichen 19 Spiele, das ist das A und O.“ Daher freue er sich auf das Spiel in Heidenheim. „Wir können zeigen, dass wir die 16 Punkte nicht geschenkt bekommen haben. Wir haben sie uns hart erarbeitet. Und mit harter Arbeit können wir weiter punkten.“
