Nach dem Fehlgriff mit Lukas Kwasniok braucht Sportchef Thomas Kessler mit René Wagner mehr Glück.

René Wagner bleibtKesslers nächstes Wagnis

René Wagner und Thomas Kessler wollen den 1. FC Köln in der kommenden Saison weiter in der Bundesliga stabilisieren.
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Seit etwas mehr als einem Jahr liegen die sportlichen Geschicke des 1. FC Köln in Thomas Kesslers großen Händen, es war eine gewohnt ereignisreiche Zeit am Geißbockheim.
Zunächst installierte Kessler Friedhelm Funkel, um die taumelnden Kölner über die Ziellinie zum Aufstieg zu wuchten. Anschließend verzichtete der ehemalige FC-Torhüter darauf, die einfache Entscheidung zu treffen und Funkel auch für die Bundesliga zu engagieren. Funkel hätte damals gern weitergemacht, wenngleich später der Eindruck entstand, dass der Trainer-Altmeister glatt dankbar war, dass Kessler die andere Variante gewählt hatte. Eine gesamte Saison inklusive Vorbereitung wäre dem mittlerweile 72-jährigen Trainer womöglich zu viel geworden.
Indem er Lukas Kwasniok installierte, ging Kessler ein Wagnis ein. Zwar analysierte er den Mann, der in Paderborn über längere Zeit trotz aller Auffälligkeiten funktioniert und eine Mannschaft sportlich entwickelt hatte, und erkannte die Risiken. Konnte aber trotz dieses Wissens nicht verhindern, dass sich die Risiken realisierten und eine Trennung unausweichlich machten.
Kessler hatte geglaubt, einen Trainer führen zu können, der strukturell nicht führbar ist. Hatte Kwasniok den Standort Köln erklärt und beschrieben, was bei einem Traditionsverein von der Größe des FC adäquat ist und was nicht. Hatte Gespräche im direkten Umfeld des Trainers geführt und geglaubt, bei Kwasniok ein Verständnis wahrzunehmen. Doch zwischen Einsicht und Umsetzung klaffte eine Lücke, die Kessler nicht schließen konnte – und in die der ganze schöne Plan mit dem Aufbruchstrainer Kwasniok stürzte, als nach einem guten Start die Stimmung kippte.
Diese Fehleinschätzung und die Tatsache, dass Kwasniok sich in seiner Kölner Phase nicht als Mann erwies, der sich und seine Entscheidungen infrage stellen kann, führten zur Entlassung. Für Kessler war das eine Niederlage. Allerdings eine, auf die er mit einer weiteren klaren Maßnahme reagierte.

Nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach am 27. Spieltag vollzog Thomas Kessler die Trennung von Lukas Kwasniok.
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Dass René Wagner zu diesem Zeitpunkt bereits als Assistenztrainer im Verein war, ist ein Plan, den Kessler nun umgesetzt hat. Zwar hätte er Wagner wohl lieber zum Cheftrainer gemacht, nachdem Kwasniok die Kölner erst nach Europa und dann zum Pokalsieg geführt hätte, um den Trainer gegen eine fürstliche Ablöse ziehen zu lassen. So ist es nicht gekommen, doch immerhin war man handlungsfähig – und blieb es nach der Saison, die auf dem Rasen zwar unbefriedigend endete, jedoch im Zielbereich.
Wer wagt, gewinnt nicht immer – das hat Thomas Kessler in seiner noch jungen Karriere bereits lernen müssen. Er hat die Rückschläge überstanden. Dem 1. FC Köln wie seinem Sportchef ist zu wünschen, dass ihn diese Erfahrung bestärkt: in seiner Bereitschaft, weiter klare Entscheidungen zu treffen – und in der Fähigkeit, mit Fehlern souverän umzugehen. Mit Wagner geht er erneut ein Wagnis ein – mit einem Trainer, der den Verein zumindest bislang emotional nicht mitnimmt und dem es zuletzt nicht gelang, Ergebnisse zu produzieren. Doch wer die Rückschläge der vergangenen Monate verarbeitet hat, darf darauf hoffen, dass Mut sich diesmal auszahlt.
