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Kommentar

René Wagner und der Triumph über Union
Gleicher Ton, andere Lesart

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3 min
DFB Pokal 2. Runde, 1. FC Köln vs. Union Berlin, 27.10.2026, 20.45 Uhr, rene Wagner (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

DFB Pokal 2. Runde, 1. FC Köln vs. Union Berlin, 27.10.2026, 20.45 Uhr, rene Wagner (1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Der Trainer des 1. FC Köln blieb sich auch im Moment des großen Siegs treu. Das kann helfen – aber auch eine Falle sein.

René Wagner verzichtete darauf, nach dem 5:0-Sieg über Union Berlin in einem prächtig geschmückten Einspänner zur Pressekonferenz zu fahren, in goldener Rüstung, die Faust im Triumph gereckt. Der Trainer des 1. FC Köln blieb nach dem vorerst höchsten Sieg seiner Laufbahn exakt der Mann, als der er an den Tagen vor und nach dem Sieg am Geißbockheim auftrat: René Wagner, der Lern- und Prozessoptimierer. Ein Möglichmacher und Ruhepol.

Und so sprach er über das Fünf-Tore-Spiel unter den Lichtern Müngersdorfs in derselben Tonlage, mit der er schon die Nullnummer drei Tage zuvor gegen Schalke 04 beschrieben hatte. Er blieb beim Prozessvokabular, verzichtete auf jede Triumphgeste. Die Beschreibung des Resultats hielt er knapp, ausführlich wurde er, als es um das Konzept ging, die Rollenverteilungen und ja: Er sparte nicht mit Lob.

Das ehrt ihn. Wagner schrieb den Erfolg seinen Spielern zu, betonte gleich zweimal, dass es nicht um ihn gehe. Statt den überlegenen Plan zu rühmen, räumte er glatt den Faktor Glück ein. Benannte die Phasen, in denen der Gegner aussichtsreich im Spiel gewesen war, blieb realistisch: Nicht alles vorher sei schlecht gewesen. Und nun sei nicht alles gut.

Überhaupt habe seine Mannschaft nicht zum ersten Mal funktioniert. Diesmal sei nur vieles zusammengekommen: Ein taumelnder Gegner, ein günstiger Verlauf – dazu Said El Mala in der Form, die ihn zu einem der aufregendsten Spieler seiner Generation gemacht hat.

Es zeigte, welche Vorteile es für einen Trainer haben kann, René Wagner zu sein. Denn weder im Triumph noch im Scheitern wird der 38-Jährige persönlich. Der Umgang mit einem Sieg von dieser Größe, zumal nach dem Rückschlag gegen Schalke, als nicht wenige im Stadion das Ende seiner Amtszeit forderten, ist die Bestätigung dafür. Das Ergebnis deutete er als Bestätigung des Prozesses. Nicht als Wendepunkt.

Die FC-Profis um den überragenden Tom Krauß jubeln nach dem 5:0 über Union Berlin.

Die FC-Profis um den überragenden Tom Krauß jubeln nach dem 5:0 über Union Berlin.

Das passt zu ihm, und es war nach innen eine wichtige Kontinuitätsbotschaft. Wagner wollte sagen: Wir haben nichts Grundlegendes verändert. Der Weg ist der Richtige.

Ob diese Botschaft auch nach außen ihre Stärke entfaltet, bleibt von den Ergebnissen abhängig. Ein Pokal-Aus hat immer etwas Niederschmetterndes. Jahr für Jahr gilt es als Saisonziel, den Traum von Berlin so lange wie möglich am Leben zu halten. Das schließt ein, dass in einem Zweitrundenspiel stets auch dieses Ziel in Gefahr ist. Dem sind die Kölner am Dienstag entgangen. Doch Punkte in der Bundesliga bringt auch das allenfalls mittelbar. In den achten Spieltag gehen die Kölner mit nur zwei Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz.

Innere Stabilität

Dass ein Trainer im Triumph derselbe bleibt wie in der Krise, ist zunächst ein Beleg für innere Stabilität. Wagner hat seinen „Crashkurs“, wie er es selbst nannte, ohne Eitelkeit absolviert. Das spricht für seine Haltung. Es löst aber ein Problem nicht: Die Sätze, die nach einem 5:0 als Souveränität durchgehen, klingen nach einem 0:0 gern nach Entrücktheit. Denn wer im Erfolg vom Prozess spricht, wird ihn auch im Misserfolg erklären wollen. Wagner ändert seinen Tonfall nicht, das Publikum ändert die Lesart. Ob seine Gelassenheit am Ende als Stärke oder als Distanz gilt, entscheidet daher weniger seine Wortwahl als die Spiele, die auf diesen Abend folgen. Die erste Gelegenheit dazu bietet sich am Sonntag in Köpenick.