Abo

Sieben Punkte aus sechs SpielenBeim 1. FC Köln herrscht ein Gefühl von Krise

4 min
Thomas Kessler und René Wagner haben den 1. FC Köln in verantwortlicher Position in die Saison geführt. Nach sechs Spielen fällt die Zwischenbilanz gemischt aus.

Thomas Kessler und René Wagner haben den 1. FC Köln in verantwortlicher Position in die Saison geführt. Nach sechs Spielen fällt die Zwischenbilanz gemischt aus.

Sieben Punkte hat der 1. FC Köln aus den ersten sechs Spielen geholt – gegen Gegner, die sich nicht als Spitzenteams erwiesen haben. Nun droht eine harte Landung in der Realität

Nach dem 0:1 in Frankfurt wird es für den 1. FC Köln in den kommenden Wochen kaum leichter – im Gegenteil. Im Rückblick wirkt das Startprogramm des Bundesligisten in der zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg beinahe leicht. Womöglich gründet darin die Unzufriedenheit im Umfeld des Vereins, die drastischer ausfällt, als sieben Punkte aus den ersten sechs Saisonspielen vermuten lassen. Die Geduld der Fans ist nach sechs Spieltagen und Platz zwölf bereits aufgebraucht – das Gefühl der Krise ist allgegenwärtig.

Der FC traf bislang überwiegend auf Mannschaften, die auch nach sechs Spieltagen noch nicht zur Spitze der Liga zählen. Kein bisheriger Gegner der Kölner steht derzeit besser als Werder Bremen auf Rang acht. Die Bremer, beim Duell in Müngersdorf eigentlich heillos unterlegen, profitierten als erste Mannschaft der Saison von der Kölner Unfähigkeit, den Druck hochzuhalten und den Gegner zu bezwingen.

Nach starker erster Hälfte und der 1:0-Führung durch Linton Maina kollabierte das Kölner Spiel. Niclas Füllkrug traf gegen einen verteidigungsunwilligen FC zum Ausgleich – und jeder hatte es kommen sehen. Im weiteren Saisonverlauf fanden sich die Bremer. Schon vor dem Remis in Köln hatten sie RB Leipzig im eigenen Stadion 3:1 besiegt; das 1:4 beim SC Freiburg war am ersten Spieltag die bislang einzige Niederlage der Werderaner, denen zu Saisonbeginn kaum einer etwas zugetraut hatte.

Köln war in diesem Fall also nicht der klassische Aufbaugegner. Eher traf das auf die Rolle zu, die René Wagners Mannschaft in Hamburg spielte: Als der FC am vierten Spieltag im Volkspark antrat, hatte der HSV noch kein Saisontor erzielt und zuvor zweimal nacheinander 0:5 verloren. Das 2:1 gegen überlegene, aber schlecht verteidigende Kölner leitete eine Serie von drei Siegen ein.

Das 2:1 im Derby gegen Borussia Mönchengladbach brachte keinen Schwung. Die Partie geriet verblüffend langweilig. Mittelfeldspieler Tom Krauß berichtete später, er habe den zwischenzeitlichen Ausgleich zum 1:1 deutlich kommen sehen. Und nicht nur er: Köln suchte allenfalls Kontrolle, nicht den Sieg – und als in der Schlussphase der erneute Mönchengladbacher Ausgleich drohte, war klar: Ein auf diese Weise erspielter Derbysieg brachte zwar Erleichterung und beruhigte die Debatten um René Wagner für einige Tage – aber nur bis zur nächsten Niederlage.

Wir werden weiter arbeiten – es wird besser, besser, besser
FC-Geschäftsführer Thomas Kessler in Frankfurt

Entsprechend deutlich fiel die Enttäuschung nach dem 0:1 in Frankfurt aus – bei einer Mannschaft, die allenfalls den Namen nach als Spitzenteam ins Spiel ging. Eine Woche zuvor hatte das 0:6 in Leipzig die Eintracht in eine Stimmungskrise gestürzt. Im Falle einer Niederlage gegen Köln wären die Hessen auf den Relegationsplatz gestürzt; vor 60.000 Zuschauern im eigenen Stadion hätte der Kollaps gedroht.

Selbst der VfB Stuttgart, der beim 4:1 gegen die Kölner wie eine internationale Spitzenmannschaft wirkte, holte mit diesem Sieg die Hälfte seiner Punkte und steht im unteren Drittel der Liga. Die Stuttgarter waren mit einer Auftaktniederlage aus München im Gepäck gegen Köln angetreten und noch gar nicht in der Saison angekommen. Erst durch den leichten 4:1-Erfolg gegen den FC stabilisierten sie sich. Zum Auftakt hatte der FC massiv davon profitiert, dass Hoffenheim mit einer dezimierten Offensive in Köln antrat.

Eine ausgeglichene Liga?

Bei aller Qualität der Gegner bleibt die Feststellung: Die Bundesliga präsentiert sich ausgeglichener als in den Vorjahren – auf schrumpfendem Niveau. Weil die Premier League dem deutschen Fußball inzwischen Durchschnittsspieler entzieht, bleibt unterhalb der absoluten Spitze viel Mittelmaß.

Angesprochen auf die zweite Halbzeit sprach Wagner in Frankfurt dennoch davon, dass „auf der anderen Seite ein Gegner mit brutaler Qualität“ gestanden habe. Die Kölner Schwierigkeiten, ein Fußballspiel zu gewinnen oder wenigstens auf gleichbleibendem Niveau durchzuspielen – und zu reagieren, sollten sich die Kräfteverhältnisse verschieben –, sind dennoch weiter deutlich erkennbar.

René Wagner war in Frankfurt vom Ergebnis enttäuscht, nicht aber vom Auftreten seiner Mannschaft.

René Wagner war in Frankfurt vom Ergebnis enttäuscht, nicht aber vom Auftreten seiner Mannschaft.

Thomas Kessler betonte in Frankfurt den „Prozess“; der Sportchef will damit verdeutlichen, dass sich eine Mannschaft entwickelt. Allerdings weiß der Sportchef, dass sich die Kölner im gnadenlosen Betrieb der Bundesliga zu entwickeln versuchen – und da kommen nach den Gegnern, die man im Rückblick hätte schlagen müssen, noch vor Weihnachten ein paar Mannschaften auf die Kölner zu, die größere Bedrohungen bedeuten. Nach dem Heimduell mit dem FC Schalke 04 am Samstag spielt der FC vor Weihnachten unter anderem gegen Bayer 04 Leverkusen, anschließend in München und Mitte Dezember bei RB Leipzig.

Es wird also nicht unbedingt leichter – und negative Ergebnisse könnten die Entwicklung der Kölner Mannschaft nachhaltig hemmen. Das weiß auch Kessler. „Wir werden weiter arbeiten – es wird besser, besser, besser“, sagte der Geschäftsführer am Freitagabend in Frankfurt mit einer Überzeugung, wie sie kaum jemand besser vor sich hertragen kann als er. Dennoch schränkte auch er ein, dass ganz ohne Erfolge auch die schönste Entwicklung nichts hilft. Denn letztlich sei es ja so, sagte Kessler mit einem echten Schmunzeln: „Am schönsten sind die Prozesse immer dann, wenn man auf diesem Weg auch Punkte mitnimmt.“