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Dämpfer in der Nachspielzeit1. FC Köln verpasst beim 1:1 in Hoffenheim zweiten Sieg in Folge

Lesezeit 5 Minuten
Kölns Torschütze Max Finkgräfe (l) jubelt mit Mannschaftskollegen über das Tor zum 0:1.

Kölns Torschütze Max Finkgräfe (l) jubelt mit Mannschaftskollegen über das Tor zum 0:1.

Das Nachwuchstalent Max Finkgräfe schießt in Sinsheim gegen die TSG 1899 Hoffenheim sein erstes Bundesligator.

Der Gästeblock in der Sinsheimer Arena erstrahlte am Karnevalssonntag in bunten Farben. Ein Großteil der 6000 mitgereisten Anhänger des 1. FC Köln hatte die Fahrt in den Kraichgau kostümiert angetreten. Die jecke Reisegruppe aus dem Rheinland wedelte mit Luftballons, ließ farbigen Rauch emporsteigen und beschallte das mit rund 23.000 Besuchern ansonsten spärlich gefüllte Stadion mit kölschen Tön. Es fehlte nicht viel und die Anhänger der Geißböcke hätten zum ersten Mal in der laufenden Saison zwei Siege in Folge bejubeln können.

Die Mannschaft von Trainer Timo Schultz führte bei der TSG Hoffenheim durch das erste Bundesligator von Youngster Max Finkgräfe (79.) bis in die vierte Minute der Nachspielzeit mit 1:0, ehe der eingewechselte Andrej Karamaric doch noch zum 1:1 (0:0) ausglich.

Der Rückstand auf den siegreichen Tabellenfünfzehnten Union Berlin vergrößerte sich zwar auf fünf Punkte, doch dafür wuchs der Vorsprung auf den vom FSV Mainz 05 (1:3 beim VfB Stuttgart) belegten ersten direkten Abstiegsplatz auf vier Zähler an. „Es fühlt sich wie eine Niederlage an“, ärgerte sich Premieren-Torschütze Finkgräfe über das späte Gegentor. „Ich versuche, mich trotzdem zu freuen. Jeder Punkt hilft uns weiter.“

Schultz musste seine Startelf gegenüber dem überzeugenden 2:0-Erfolg gegen Eintracht Frankfurt an einer Stelle verändern. Die Hoffnung des FC-Trainers auf eine rechtzeitige Genesung von Timo Hübers war nicht in Erfüllung gegangen. Der Innenverteidiger, der bereits Teile der Trainingswoche wegen eines grippalen Infektes verpasst hatte, war gar nicht erst mitgereist. Anstelle von Hübers rückte Luca Kilian ins Abwehrzentrum, der damit zum ersten Mal seit acht Spielen wieder von Beginn an mitwirkte. Als Ersatz stand Elias Bakatukanda bereit. Das 19-jährige Eigengewächs hatte passenderweise am Karnevals-Wochenende 2023 letztmals im Profikader gestanden.

Die Partie begann mit einem Schreckmoment für die Kölner. Noch in der ersten Minute ging Jeff Chabot mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden. Der Innenverteidiger hatte bei einem Zweikampf mit Ihlas Bebou die Schulter des Hoffenheimer Angreifers voll gegen das Kinn bekommen. Zur Erleichterung der Gäste, die nach Hübers Ausfall andernfalls ihr komplettes Abwehrzentrum hätten ersetzen müssen, konnte Chabot nach einer Behandlungspause weiterspielen.

Ebenfalls noch in der Anfangsphase verzeichnete Jan Thielmann den ersten und zugleich einzigen Abschluss des FC im ersten Durchgang. Der Schuss des Youngsters, der gegen die körperlich starke Dreierkette der TSG einen schweren Stand hatte, strich jedoch recht weit am langen Eck vorbei (8.). Zwingende Vorstöße blieben aus Kölner Sicht dagegen Mangelware. Die Gäste wählten zu oft die falsche Entscheidung, um Durchschlagskraft entwickeln zu können.

Überraschende FC-Führung

Nach einer Viertelstunde übernahmen die Gastgeber, bei denen der zweitbeste Torschütze Andrej Kramaric zu Beginn überraschend nur auf der Bank Platz nahm, allmählich die Initiative. Topscorer Maximilian Beier und Wout Weghorst hebelten mit einem Doppelpass die rechte Kölner Abwehrseite um Benno Schmitz und Kilian aus, wodurch Ihlas Bebou nach einem Haken recht unbedrängt von der Strafraumgrenze zu einem Schlenzer ansetzen konnte. Der Ball segelte am linken oberen Eck vorbei (14.).

Auch die zweite Hoffenheimer Möglichkeit entstand über die tempoanfällige rechte Kölner Defensivseite. Nach zögerlichem Zweikampfverhalten von Schmitz zwang Weghorst FC-Torwart Marvin Schwäbe zur Fußabwehr (26.). Kurz vor der Pause kam der niederländische Sturmtank erneut gefährlich in Position. Sein Drehschuss aus elf Metern flog über das Quergestänge (43.).

Die zweite Halbzeit begann mit der inzwischen üblichen Protestaktion gegen den geplanten Investoreneinstieg bei der Deutschen Fußball Liga (DFL). Die Kölner Anhänger verliehen ihrem Unmut mit Sprechchören, Bannern und Wurfgeschossen Ausdruck. Im Gegensatz zu manch anderen Stadien an diesem Wochenende fiel die Unterbrechung jedoch überschaubar aus. Nach wenigen Minuten konnte es weitergehen – mit einer weiteren Chance für die TSG, bei der Robert Skov zu zentral abschloss, um Schwäbe vor ernsthafte Probleme zu stellen (56.). Deutlich brenzliger ging es im Kölner Strafraum in der 64. Minute zu, als Schmitz im letzten Moment gegen Skov blockte.

Die TSG machte das Spiel, der FC kam selten zur Entlastung. Umso überraschender gelang den Gästen die Führung durch das erste Bundesligator von Max Finkgräfe, der einen Freistoß aus 25 Metern gefühlvoll über die Mauer schlenzte und im rechten Eck versenkte (79.). Der zweite Sieg in Folge war zum Greifen nah, doch dann glich der eingewechselte Kramaric doch noch aus. „Wenn man in der 94. Minute den Ausgleich bekommt, tut es im ersten Moment sehr weh. Es ist sehr ärgerlich. Drei Punkte hätten uns sehr gutgetan. Über das gesamte Spiel betrachtet ist es aber ein gerechtes Unentschieden“, resümierte der Kölner Kapitän Florian Kainz.


Statistik zum Spiel:

TSG 1899 Hoffenheim: O. Baumann - Kabak, Grillitsch, Nsoki - Kaderabek (68. Akpoguma), Prömel, Tohumcu (68. Stach), Skov (82. Jurásek) - Bebou (82. Conté), Beier - Weghorst (68. Kramaric). - 1. FC Köln: Schwäbe - Schmitz, Kilian, Chabot, Finkgräfe (89. Heintz) - Huseinbasic, Martel - Alidou (74. Tigges), Kainz (58. Maina), Ljubicic - Thielmann (90. Adamjan). - SR.: Dingert (Lebecksmühle).  - Zuschauer: 23.020. - Tore: 0:1 Finkgräfe (79.), 1:1 Kramaric (90.+4). - Gelbe Karten: Bebou (3), Stach (4), Grillitsch (6); Schmitz (3), Maina (1), Chabot (5), Finkgräfe (1)

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