Der 1. FC Köln hat sich nach großem Kampf RB Leipzig mit 1:2 geschlagen geben müssen. Für Diskussionen sorgte eine Szene aus der 76. Minute, in der die Kölner einen Handelfmeter forderten.
Unglückliche Niederlage1. FC Köln hadert mit dem Videoassistenten

Wilde Proteste: Der FC um Sebastian Sebulonsen (M.) fordert von Schiedsrichter Frank Willenborg einen Strafstoß.
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Als die Mannschaft des 1. FC Köln nach dem Abpfiff vor die Südkurve trat, prasselte aufmunternder Applaus auf sie nieder. Es war die verdiente Anerkennung für einen kampfstarken Auftritt des Aufsteigers, der sich dem Favoriten RB Leipzig nach einem Duell auf Augenhöhe knapp mit 1:2 (0:1) geschlagen geben musste. „Ein Punkt wäre absolut gerechtfertigt gewesen, jetzt stehen wir mit null Punkten da“, seufzte Eric Martel, der bei beiden Gegentoren keine gute Figur abgegeben hatte.
Für Frust bei den Kölnern sorgte vor allem eine Szene aus der 76. Minute. Nach einem Handspiel von Doppeltorschütze Christoph Baumgartner forderte der FC Strafstoß, doch der Videoassistent filterte nach minutenlanger Überprüfung eine Abseitsstellung heraus. Sebastian Sebulonsen soll mit der Hacke haarscharf im Abseits gestanden haben. „Das kannst du mir nicht erzählen, dass das Abseits ist. Als ob die Linie da einfach hingezogen wäre“, verstand Martel die Welt nicht mehr.
Jan Thielmann pflichtete ihm bei. „Für mich ist das ein klarer Elfmeter, dann läuft das Spiel anders“, meinte der Torschütze des zwischenzeitlichen 1:1, dessen Flachschuss von Baumgartner mit der Hand aufgehalten worden war. Auch Thielmann hatte eine mutige Vorstellung der Kölner gesehen: „Wir haben ein gutes Spiel gemacht, jetzt müssen wir mit der Niederlage leben“, sagte er seufzend. Es war eine Niederlage, die den FC wieder tiefer in den Abstiegskampf gezogen hat. Durch das dritte punktlose Spiel nach der Winterpause verringerte sich der Kölner Vorsprung auf den Relegationsplatz auf vier Punkte. „Wir müssen gucken, dass wir ins Punkten kommen, die Tabelle wird enger“, mahnte Thielmann.
Ein Unentschieden wäre nicht unverdient gewesen. Mit der Leistung bin ich zufrieden.
Die Vorzeichen hatten nicht gut gestanden. Mit Linton Maina (Rippenbruch) und Alessio Castro-Montes (Muskelverletzung) vermeldete das Kölner Lazarett weiteren Zuwachs. Für Marius Bülter, der in der Trainingswoche kürzertreten musste, reichte es zunächst nur für einen Bankplatz. So ergaben sich drei Änderungen gegenüber dem 1:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg. Said El Mala kehrte nach zwei Joker-Einsätzen in Folge in die Startelf zurück, der auch Isak Johannesson und Jan Thielmann neu angehörten.
Der FC nahm das Leipziger Hochgeschwindigkeitsensemble mit einer Fünferkette tiefstehend in Empfang. Die erste Chance des Spiels gehörte aber den Kölnern. Ragnar Ache legte bei einem Umschaltmoment auf El Mala ab, dessen unplatzierter Abschluss eine leichte Beute für RB-Torwart Peter Gulacsi war (5.). Praktisch im direkten Gegenzug bewahrte der Pfosten den FC vor einem frühen Rückstand. Romulo traf aus spitzem Winkel nur das Aluminium (8.). Danach beruhigte sich das Spiel etwas, ehe die Gastgeber zu ihrer besten Chance der ersten Halbzeit kamen. Ache schirmte den Ball für Tom Krauß ab, der in den Strafraum auf El Mala durchsteckte. Kölns Jungstar zielte mit seinem schwächeren linken Fuß am langen Eck vorbei (22.).
Kurz darauf geriet der FC ins Hintertreffen, und einmal mehr wurde ihm seine Schwäche bei der Verteidigung ruhender Bälle zum Verhängnis. David Raum schlug einen Freistoß aus halbrechter Position vor das Kölner Tor. Marvin Schwäbe blieb auf halbem Weg stehen, weshalb der von Eric Martel halbherzig bewachte Christoph Baumgartner einköpfen konnte (29.). Kurz vor der Pause verpasste Leipzigs Shootingstar Yan Diomande mit einen Weltklasse-Solo durch die Kölner Hintermannschaft noch das 0:2 (45.).
1. FC Köln: Jan Thielmann gleicht kurz nach dem Seitenwechsel aus
Stattdessen stand es sechs Minuten nach Wiederbeginn 1:1. Nachdem El Mala im Strafraum zunächst hängengeblieben war, erkämpfte Isak Johannesson gegen Antonio Nusa den Ball so energisch zurück, dass die Leipziger Bank Foul reklamierte. Jan Thielmann zirkelte die Kugel traumhaft schön ins linke obere Eck. Doch die Kölner Freude währte gerade mal fünf Minuten, ehe Leipzig eine trockene Antwort folgen ließ. Kristoffer Lund unterlief im Aufbau ein Fehlpass, Xaver Schlager bediente Baumgartner, der aus der Drehung ins kurze Eck zum 1:2 abschloss. Erneut hatte Martel dem österreichischen Nationalspieler zu viel Platz gelassen.
Der FC stemmte sich gegen die Niederlage, und dann kam es zur viel diskutierten 76. Minute: Thielmann zog aus 18 Metern ab, der Ball rauschte leicht abgefälscht an Gulacsi vorbei. Kurz vor der Linie verhinderte Baumgartner erst mit dem Körper und dann mit dem Arm, dass der Ball ins Tor ging. Schiedsrichter Frank Willenborg pfiff zwar zunächst nicht Elfmeter, hätte dies nach Intervention des Videoschiedsrichters aber getan. Doch unmittelbar vor der Szene soll Sebulonsen mit der rechten Hacke im Abseits gestanden haben. Eine Entscheidung, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen war. Kölns Trainer Lukas Kwasniok sprach von einer „spielentscheidenden Szene“ und meinte: „Ich mache dem Schiedsrichter keinen Vorwurf, aber eigentlich schon.“
Weil auf der Gegenseite Nusa (84./Pfosten) und der Ex-Kölner Max Finkgräfe (90.+6) die Entscheidung vergaben, durfte der FC mit dem spät eingewechselten Neuzugang Felipe Chávez bis zum Ablauf der neunminütigen Nachspielzeit hoffen. Kwasniok ging trotz des aberkannten Elfmeters nicht im Groll nach Hause: „Ein Unentschieden wäre nicht unverdient gewesen. Mit der Leistung bin ich zufrieden.“
