Tom Krauß wird für den 1. FC Köln immer wichtiger. Vor dem Duell mit Bayer 04 Leverkusen spricht der Mittelfeldspieler über seine Entwicklung und die Lage beim FC.
Tom Krauß„Wir müssen mutig spielen und das Stadion von uns aus anzünden“

Überzeugte zuletzt auch durch Leidenschaft und Aggressivität: Kölns Tom Krauß. (Archivbild)
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Tom Krauß wird für den 1. FC Köln immer wichtiger: Zuletzt war der 25-Jährige nicht mehr aus der Mannschaft von Trainer René Wagner wegzudenken. „Ich will vorangehen und eine Säule der Mannschaft sein“, sagt der defensive Mittelfeldspieler vor dem Derby am Sonntag (15.30 Uhr) gegen Bayer 04 Leverkusen, in dem es vor allem auch auf so kampfstarke, aggressive Spieler wie Krauß ankommen wird.
Im Interview spricht der gebürtige Leipziger über seine Entwicklung, die angespannte Lage beim FC und darüber, wie die Mannschaft die Fans mitnehmen will. Und er erklärt auch, warum er ein hochdotiertes Angebot im Sommer ablehnte.
Herr Krauß, Sie standen in neun von zehn Pflichtspielen von Beginn an auf dem Platz. Was hat sich gegenüber der vergangenen Saison verändert?
Tom Krauß: Diese Rolle habe ich mir im Laufe der Vorbereitung hart erarbeitet. Im ersten Jahr habe ich alles dafür gegeben, dass wir in der Bundesliga blieben und ich nach der Saison weiter für den FC spielen konnte. Für die neue Saison habe ich mir neue Ziele gesetzt: Ich wollte mich mit und gegen den Ball verbessern. Ich glaube, dass der Trainer das sieht und mir mit Einsätzen Vertrauen schenkt. Außerdem bin ich vielleicht ein bisschen reifer geworden und besser damit umgegangen, nicht immer von Beginn an zu spielen.
Waren Sie damals ungeduldig?
Natürlich will man immer spielen. Wenn das nicht der Fall war, war ich unzufrieden. Trotzdem steht für mich der Teamerfolg im Vordergrund. Wenn ich eingewechselt werde, gebe ich alles. Das hat sich gegen Gladbach ausgezahlt. Jetzt gilt es, meine Leistung Woche für Woche zu bestätigen. Fußball ist ein Tagesgeschäft.
Trainer René Wagner hat Sie am Ende der vergangenen Saison nicht immer von Beginn an eingesetzt. Zugleich hatten Sie Probleme mit dem Knie. Wie haben Sie die Situation erlebt?
In der Zeit konnte ich unter der Woche nicht voll trainieren und konzentrierte mich auf das Wochenende – unabhängig davon, ob ich spielte, eingewechselt wurde oder draußen blieb. Ich hätte pausieren können. Mir war aber wichtig, für den Verein da zu sein und die Klasse zu halten. Inzwischen ist mein Knie wieder in Ordnung. Zu Beginn der Saison habe ich das Gespräch mit René Wagner gesucht, um zu erfahren, woran ich arbeiten kann. Für mich stand fest, gemeinsam Lösungen zu finden.
Sie mussten sich damals offenbar spritzen lassen. Hatten Sie Schmerzen, und würden Sie das wieder tun?
Ich hatte Schmerzen. Mit der Spritze waren sie weg, und ich konnte voll trainieren und spielen. Es war vielleicht ein Risiko, das ich für den Verein in der damals schwierigen Lage eingehen wollte. In der Sommerpause habe ich mich auskuriert und das letzte Spiel gegen München ausgelassen, um länger Pause zu haben. Optimal war das nicht, aber alles war von A bis Z mit den Physios und den Ärzten abgestimmt. Hätten sie darin ein Risiko für eine weitere Verletzung gesehen, hätte ich das sicher nicht gemacht. Mitten in der Saison wäre das wahrscheinlich anders gelaufen.
Führung entsteht für mich aber nicht durch Reden, sondern durch Leistung. Ich will vorangehen und eine Säule der Mannschaft sein.
Wie beschreiben Sie Ihre Rolle beim FC? Was bedeutet Führung für Sie?
Meine Rolle entwickelt sich. Ich spüre, dass mir die Mannschaft Verantwortung zutraut. Nach dem Pokalspiel gegen Union haben wir auch darüber gesprochen, dass wir noch mehr Spieler auf dem Platz brauchen, die das Spiel in die Hand nehmen. Ich habe mehr als 100 Bundesligaspiele und mehr als 200 Profispiele bestritten. Junge Spieler sollen auf mich zukommen können, wenn sie Hilfe brauchen. Führung entsteht für mich aber nicht durch Reden, sondern durch Leistung. Ich will vorangehen und eine Säule der Mannschaft sein. Außerdem will ich mich bei Explosivität und Ausdauer weiter verbessern.
Am Sonntag geht es im Derby gegen Leverkusen. Bayer ist offensivstark, hat aber zuletzt neun Gegentore in drei Spielen kassiert. Wie muss der FC auftreten?
Ich liebe solche Spiele gegen Gladbach und Leverkusen. Auch der Austausch mit den Fans bedeutet mir viel. Zu Hause haben wir noch nicht verloren, und das soll so bleiben. Leverkusen ist individuell besser, aber wir dürfen uns davon nicht beeindrucken lassen. Wir müssen mutig und offensiv spielen und das Stadion von uns aus anzünden. Wenn wir als Team, Stadt und Verein zusammenhalten und unsere Leistung bringen, können wir das Spiel gewinnen. Angst dürfen wir nicht haben.
Die Lage beim FC wirkt von außen weiter angespannt. Nach dem Schalke-Spiel war hörbarer Unmut zu vernehmen. Wie nehmen Sie das wahr?
Wir sprechen intern klar darüber, was nicht gut war. Das Spiel gegen Schalke war nicht schön, und wir behaupten nicht, alles richtig gemacht zu haben. Die Fans zahlen Eintritt und dürfen ihre Meinung äußern. In Köln lebt die Stadt für den Verein; jeder will den bestmöglichen Erfolg. Ich kann den Unmut verstehen. Wichtig ist, dass im Verein Klarheit herrscht.
Auswärts holt der FC bislang zu wenige Punkte. Wie erklären Sie sich die Unterschiede?
Mit dem Spiel bei Union haben wir jetzt den ersten Punkt geholt. Das ist in der Tat zu wenig. Wir müssen konstanter punkten und auswärts gefährlicher werden. Das wissen wir und daran arbeiten wir hart. Nach einem Heimsieg steigen in Köln schnell die Erwartungen: Im nächsten Auswärtsspiel soll dann Hurra-Fußball gespielt werden. Das geht nicht immer. Aber auch daran müssen wir uns messen lassen.
René Wagner ist noch ein junger Trainer und bestreitet seine erste Bundesliga-Saison von Beginn an als Cheftrainer. Wie geht er mit der Kritik um?
Das merkt man ihm eigentlich gar nicht an. Er nimmt das Umfeld wahr, gibt den Druck aber nicht an uns weiter. In den Analysen spricht er klar an, was nicht gut war; im Training arbeiten wir daran. Er ist fokussiert und hat einen guten Draht zu den Spielern. Erfahrene Leute wie Co-Trainer Armin Reutershahn helfen ihm dabei.
Er ist sehr demütig und hebt nicht ab. Er hat schon etwas erreicht, weiß aber, dass er noch nicht am Ziel ist und weiter an sich arbeiten muss. Und das macht er hart.
Said El Mala ist erneut für die Nationalmannschaft nominiert, diesmal für den 24er-Kader. Wie erleben Sie seine Entwicklung?
Er ist sehr demütig und hebt nicht ab. Er hat schon etwas erreicht, weiß aber, dass er noch nicht am Ziel ist und weiter an sich arbeiten muss. Daran arbeitet er hart. Wir helfen ihm, sich weiterzuentwickeln. Ich mag ihn und freue mich für ihn. Er bleibt ein normaler Spieler und macht aus seiner Nominierung kein Aufheben. Das ist mit 20 eine große Qualität.
Im Sommer gab es Anfragen, darunter ein millionenschweres Angebot aus Saudi-Arabien von NEOM SC (wie berichtet, d. Red.). Haben Sie einen Wechsel erwogen?
Natürlich denkt man bei einem solchen Angebot kurz darüber nach. Am Ende war es ein klares Nein. Ich wollte nicht nach nur einem Jahr wieder gehen, sondern in der Bundesliga bleiben und mich weiterentwickeln. Das habe ich meinem Berater schnell gesagt. Mein Anspruch ist, Leistung zu bringen. In Köln fühle ich mich wohl. Meine Freundin ist hier, und auch mit der Mannschaft verstehe ich mich gut. So kann und soll es weitergehen.

