Offensiv-Routinier Luca Waldschmidt ist mit seiner Rolle erneut nicht zufrieden, der vermeintliche Königstransfer Rav van den Berg ist ganz außen vor.
Waldschmidt und van den BergDie besonderen Härtefälle des 1. FC Köln

Können mit ihrer Situation nicht zufrieden sein: Verteidiger Rav van den Berg (l.), Angreifer Luca Waldschmidt
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Beim 1. FC Köln fehlten gegen Werder Bremen (1:1) vier Spieler im Aufgebot. Während die Nichtberücksichtigungen von Imad Rondic, in Stuttgart eher ein Lückenfüller, und des jungen Neuzugangs Reigan Heskey erwartbar waren, sind die Fälle von Luca Waldschmidt und Rav van den Berg besonders bemerkenswert. Beide waren mit anderen Erwartungen in die Saison gegangen.
Am Samstag bekam Luca Waldschmidt die Nachricht auf ungewöhnlichem Weg. René Wagner bat den 30-Jährigen per WhatsApp in sein Trainerbüro und teilte ihm mit, dass er gegen Werder Bremen nicht zum Spieltagskader gehören würde. Waldschmidt, der seit Sommer 2023 beim FC spielt, kommt auch unter Wagner noch nicht wie gewünscht zum Zug. Das war zuvor bereits unter Lukas Kwasniok und Gerhard Struber der Fall. Damals hatte der Offensivspieler öffentlich kritisiert, dass ihm die Trainer zu wenig Vertrauen entgegenbrächten – eine Kritik, die bei den Verantwortlichen nicht gut ankam.
Nun bringt er lediglich seine allgemeine Unzufriedenheit zum Ausdruck. Aus seinem Herzen machte Waldschmidt dabei keine Mördergrube: „Das fühlt sich für mich scheiße an.“ „Das hat mir natürlich wehgetan, weil ich schon sehr gerne dabei gewesen wäre“, führte der Offensivspieler aus. „Ich glaube, dass ich meinen Impact immer reinbringen kann.“ Erstaunlich war, dass Waldschmidt diese Aussagen im vereinseigenen FC-Podcast tätigte.
Das fühlt sich für mich scheiße an. Das hat mir natürlich wehgetan, weil ich schon sehr gerne dabei gewesen wäre. Ich glaube, dass ich meinen Impact immer reinbringen kann.
Wagner hatte den Verzicht nach dem Spiel mit der jüngsten Verletzungspause begründet: „Luca kommt aus einer Verletzung, für ihn hat es noch nicht gereicht.“
Waldschmidt war in der Vorbereitung der beste Torschütze des FC und hatte sich damit für eine wichtige Rolle empfohlen. Nach der Generalprobe beim SC Paderborn bremsten ihn muskuläre Probleme aus, er musste mehrere Wochen pausieren. Erst seit etwas mehr als einer Woche trainiert er wieder mit der Mannschaft. „Ich bin ein bisschen länger als eine Woche wieder im Mannschaftstraining – ich fühle mich gut“, sagt der Offensivakteur. Konditionell habe er „nichts verloren“, nur fußballspezifisch habe er nicht trainieren können. „Ich bin fit und froh, wieder mit den Jungs auf dem Platz zu sein. Jetzt wird es Zeit: nicht nur Trainingsplatz, sondern auch Stadion.“ Die Zwangspause habe ihn „maximal“ genervt, zumal das Timing nach einer guten Vorbereitung besonders unglücklich gewesen sei. Wenn er sich noch nicht fit gefühlt hätte, betonte Waldschmidt, hätte er Wagner das auch so mitgeteilt.
Wagner hatte Waldschmidt in der Vorbereitung mehrfach auf der Zehnerposition eingesetzt. Gegen Bremen reichte es dennoch zunächst nur für die Tribüne. In der vergangenen Saison war der Linksfuß vor allem als Einwechselspieler wertvoll. In dieser Rolle erzielte er vier Tore und bereitete zwei weitere Treffer vor.
Seine Erfahrung spricht eigentlich für ihn. Waldschmidt hat sieben A-Länderspiele für den DFB bestritten und kommt auf 280 Pflichtspiele als Profi. In der Bundesliga stehen für den 30-Jährigen 181 Einsätze, 31 Tore und 17 Vorlagen zu Buche. Beim FC hat er nach drei Jahren bereits die meisten Spiele seiner Karriere absolviert, bislang 83. Sein Vertrag läuft nur noch bis zum Saisonende. Mit guten Leistungen kann Waldschmidt also zugleich Eigenwerbung für eine Verlängerung betreiben. Läuft es so weiter, ist hingegen das Gegenteil der Fall.
Waldschmidt bleibt trotz der Enttäuschung ruhig. In seiner Karriere hat er größere Rückschläge erlebt. Besonders schwierig war für ihn der Sommer nach dem Abstieg des FC. Die zweite Liga habe sich wie ein „krasser Abstieg“ angefühlt. Bei anderen Vereinen wäre ein Abschied damals naheliegender gewesen, doch Waldschmidt entschied sich für den Verbleib in Köln. „Mir liegt etwas an diesem Verein“, sagte er. Nun hofft der Offensivspieler, am Samstag bei seinem Ex-Klub Hamburger SV (15.30 Uhr) wieder zum Kader zu gehören. „Ich wünsche mir eine stabile, sorgenfreie Saison, in der wir uns entwickeln und wieder Freude am Fußball haben – aber natürlich auch den Willen zeigen, Spiele zu gewinnen“, sagte Waldschmidt. Für seine Rückkehr in den Spieltagskader kann er sich nun im Training empfehlen.
1. FC Köln: van den Berg kam letztmals Anfang April zum Einsatz
Noch grundsätzlicher ist die Situation bei Rav van den Berg. Der 22-Jährige war im Sommer 2025 für rund acht Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni vom englischen Zweitligisten Middlesbrough zum FC gewechselt. Damit ist er neben Sebastiaan Bornauw der teuerste Innenverteidiger der Kölner Vereinsgeschichte. Der niederländische U21-Kapitän galt als Königstransfer und als Investition in die sportliche wie wirtschaftliche Zukunft des Vereins. Sein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2030.
Die Entwicklung verlief jedoch unglücklich, enttäuschend. Van den Berg hatte vor seinem Wechsel fast die gesamte Vorbereitung verpasst und war bei Middlesbrough zeitweise nur im Kraftraum trainiert worden. Nach seinem Bundesliga-Debüt gegen Freiburg verletzte er sich bei seinem zweiten Einsatz in Wolfsburg am Schultereckgelenk und fiel monatelang aus. Seit Wagners Amtsantritt kam er nur noch einmal zum Einsatz – bei dessen Debüt in Frankfurt Anfang April.
Gegen Bremen strich Wagner van den Berg erstmals aus Leistungsgründen aus dem Kader und nahm mit Joel Schmied nur einen Ersatz-Innenverteidiger mit. „Wir haben Rav gestrichen, weil wir nicht zwei Innenverteidiger mitnehmen wollten“, erklärte der Trainer.
Die Entscheidung ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich die Defensive in den ersten drei Saisonspielen nicht gerade gefestigt präsentiert hat. Der FC kassierte bereits sieben Gegentreffer, dennoch ist van den Berg aktuell nur Innenverteidiger Nummer vier. Für einen Spieler, der rund acht Millionen Euro gekostet hat, ist das eine unbefriedigende Entwicklung. Aber auch für den Verein ist die Situation eine unbefriedigende. „Ein Spieler, der so viel kostet, sollte im besten Fall auch spielen“, sagte Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler jüngst beim DuMont-Talk. Abgeschrieben sei der Niederländer deshalb nicht: „Es wäre nicht der erste Spieler in der Geschichte des Fußballs, der erst im zweiten oder vielleicht im dritten Jahr den Sprung gemacht hat.“
Doch vorerst muss van den Berg den Rückstand aufholen und sich über das Training an den Spieltagskader heranarbeiten. Sollte sich bis zum Winter nichts ändern, könnte eine Leihe zum Thema werden. Regelmäßige Spielpraxis bei einem anderen Verein könnte seiner Entwicklung helfen. Bei Waldschmidt heißt es hingegen: Entweder wird er beim FC noch zum Faktor, oder spätestens im Sommer werden sich die Wege trennen.
