Nach zwei Heimsiegen in Folge will der 1. FC Köln den Schwung vor eigenem Publikum mitnehmen. Neuzugang Felipe Chávez wird bei diesem Vorhaben noch nicht in der Startelf stehen.
„Was gibt es Schöneres?“1. FC Köln will auch gegen Leipzig punkten

Baut auf die Wucht des Kölner Publikums: Trainer Lukas Kwasniok.
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Die Pressekonferenz war bereits seit zehn Minuten im Gange, als Lukas Kwasniok erstmals mit einer Frage zum kommenden Gegner konfrontiert wurde. Der Trainer des 1. FC Köln nahm diesen Umstand mit Galgenhumor. „Jetzt haben wir nach 14 Fragen die Personalsituation abgearbeitet, jetzt geht's an Leipzig“, sagte Kwasniok vor dem Heimspiel gegen den Tabellenfünften der Fußball-Bundesliga am Sonntag (15.30 Uhr, DAZN). Zuvor war er damit beschäftigt, einen Überblick über die komplizierte personelle Lage zu geben. Mit Angreifer Linton Maina (Rippenbruch) und Schienenspieler Alessio Castro-Montes (Muskelverletzung) ist die Ausfallliste des Aufsteigers in dieser Woche nämlich um zwei weitere Spieler länger geworden.
Doch Kwasniok will weiter nicht in Wehklage verfallen. „Ich versuche, vom ersten Tag an vorzuleben, dass so etwas zu unserem Job dazu gehört. Es tut mir leid für die Jungs, weil sie zuletzt gut drauf waren. Aber ich vertraue dem Kader, jetzt haben andere die Chance, sich in den Fokus zu spielen. Darauf freue ich mich“, erklärte der 44-Jährige und fügte fast schon trotzig an: „Wir haben bislang immer elf Mann zusammenbekommen, das werden wir auch in Zukunft schaffen.“ Dennoch ist die Zahl der Spieler mit muskulären Verletzungen in dieser Saison auffällig. Vor Castro-Montes hatte es zuletzt schon die Innenverteidiger Jahmai Simpson-Pusey, Dominique Heintz und Joel Schmied erwischt.
Wir wollen den Menschen zeigen, dass wir einen Schritt vorangekommen sind und auch gegen Mannschaften wie Leipzig etwas holen können.
Eine falsche Trainingssteuerung schließt Kwasniok als Grund aus. Verletzungen dieser Art seien „nicht dauerhaft der Fall“, entgegnete er. Stattdessen verwies Kwasniok auf das hohe Pensum von Castro-Montes und Winterzugang Simpson-Pusey, die nach einer längeren Phase mit wenig Spielzeit im Januar regelmäßig im Einsatz waren. „Dann lassen sich Verletzungen nicht so leicht verhindern – vor allem, wenn die Spieler performen. Du willst sie dann auf dem Platz haben und gehst ein gewisses Risiko ein“, schilderte Kwasniok den Balanceakt aus Trainersicht.
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Doch es gibt auch erfreuliche personelle Nachrichten aus dem Geißbockheim. Während der zu Wochenmitte noch angeschlagene Stürmer Marius Bülter am Freitag wieder auf dem Trainingsplatz mitwirken konnte, steht Joel Schmied nach zweimonatiger Abstinenz vor einer Rückkehr in den Kader. „Joel ist auf jeden Fall eine Kaderoption. Er macht einen sehr stabilen Eindruck“, freute sich Lukas Kwasniok. Der Startelf wird der Schweizer aber noch nicht wieder angehören. Diesen Platz sicherte Kwasniok dem Niederländer Rav van den Berg zu.
Mit Felipe Chávez bietet sich den Kölnern zudem eine gänzlich neue Option. Das von Bayern München verliehene Mittelfeldtalent weilt seit dieser Woche beim FC. „Man sieht, dass er einen guten linken Fuß hat. Er besitzt Spielschläue gepaart mit einer dauerhaften Aktivität. So kann er gegen robustere Spieler auch auf Bundesliga-Niveau Akzente setzen“, nannte Kwasniok die Vorzüge des gerade mal 1,77 Meter großen Deutsch-Peruaners. Auch bei Chávez ist zunächst ein Bankplatz angedacht. „Gegen Leipzig wird der Weg zum Tor sehr weit werden. Ich gehe nicht davon aus, dass wir ein balldominantes Spiel von uns sehen. Ich würde dem Spieler damit keinen Gefallen tun. Er kann das Spiel von hinten raus ankurbeln“, sieht Kwasniok keinen Grund, seine Zentrale zu verändern.
1. FC Köln: Kwasniok, El Mala und Ache fahren im Rosenmontagszug mit
Kölns Trainer warnte vor einem „extrem schnellen“ Gegner. Leipzig spiele „immer gleich: vorwärts“, analysierte Kwasniok. „Sie haben ein unglaubliches Tempo, das sie dauerhaft gehen können.“ Er hofft aber auf eine Außenseiterchance. „Im Hinspiel waren wir nicht chancenlos“, erinnerte Kwasniok an die 1:3-Niederlage. Im zweiten Duell wollen die Kölner nicht nur mithalten. „Wir wollen den Menschen zeigen, dass wir einen Schritt vorangekommen sind und auch gegen Mannschaften wie Leipzig etwas holen können“, formulierte Kwasniok ein forsches Ziel.
Auf dem Weg dorthin setzt er auch auf die Wucht der Kölner Fans, die den Aufsteiger im Januar gegen die Abstiegskonkurrenten Mainz und Wolfsburg zu zwei Heimsiegen in Folge getragen haben. „Es gibt dir Energie, es gibt dir Vertrauen. Wenn du zwei Spiele gemeinsam gewonnen hast, wenn du die Momente mit den Fans erlebst, die Erleichterung und Glückseligkeit nach dem Spiel, dann macht das was mit dir“, schwärmte Lukas Kwasniok, der vor kurzem von den Ultras noch scharf kritisiert worden war. Nun will er den Aufwind mitnehmen: „Was gibt es Schöneres, als einen Heimsieg gemeinsam zu feiern? Dann kriegt man positive Presse, kann besser schlafen – und die ganze Woche ist entspannter. Deshalb hoffe ich, dass aller guten Dinge drei sind.“
Zumal Köln vor einer außergewöhnlichen Woche steht. Inwiefern der Ausgang des Spiels gegen Leipzig Auswirkungen auf die seit Jahren viel diskutierten Aktivitäten der FC-Profis im Straßenkarneval hat, ließ Kwasniok zunächst offen: „Gedanklich sind wir voll bei Leipzig. Die Dinge werden im Hintergrund von viel wichtigeren Menschen als meiner Wenigkeit geklärt“, berichtete er vielsagend. Fest steht schon jetzt: Der Trainer wird an Rosenmontag auf dem FC-Wagen mitfahren. Aus dem Spielerkader werden Said El Mala und Ragnar Ache vertreten sein.
Voraussichtliche Aufstellungen:
1. FC Köln: Schwäbe; Sebulonsen, van den Berg, Özkacar, Lund; Martel, Krauß; Kaminski, Johannesson, El Mala; Ache. – RB Leipzig: Gulacsi; Raum, Orban, Bitshiabu, Baku; Seiwald, Schlager; Baumgartner, Gruda; Diomande, Romulo. – SR.: Willenborg (Osnabrück).
