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Bayer 04 LeverkuenCarro wütet nach dem 1:1 gegen Mainz

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Hauptdarsteller: Patrik Schick (l,) und Jarell Quansah nach Leverkusens 1:1 gegen Mainz.

Hauptdarsteller: Patrik Schick (l,) und Jarell Quansah nach Leverkusens 1:1 gegen Mainz.

Es brodelte gewaltig in Fernando Carro. Und so stürmte der Boss von Bayer Leverkusen wutentbrannt in die Kabine, verpasste den Stars des Werksclubs eine aufrüttelnde Ansage und schimpfte in den Katakomben dann auch noch über Schiedsrichter Tobias Stieler. Weil die Werkself gegen den 1. FSV Mainz 05 einmal mehr alles hatte vermissen lassen, was ein Topteam im Kampf um die begehrten Champions League-Plätze in der Fußball-Bundesliga benötigt, schlug der temperamentvolle Klubchef mächtig Alarm.

Er habe die Spieler nach dem ernüchternden 1:1 (0:0) aufgefordert, dass sie endlich „aufwachen“ müssten, „Espabilad“ habe er in seiner spanischen Muttersprache gerufen, verriet Carro nach seiner Standpauke. Und er legte beim Verlassen des Spielertunnels der BayArena noch einmal nach: Er jedenfalls würde „ausflippen, wenn ich da gerade in der Kabine wäre“.

Jarell Quansah als einziger Lichtblick

Carros Wutrede war umso bemerkenswerter, da der Geschäftsführer eigentlich nur selten die Leistung der Werkself nach Spielen einordnet. Doch der ambitionierte Vizemeister verspielt dieser Tage leichtfertig seine gute Ausgangslage im Rennen um die begehrten und lukrativen Champions-League-Ränge, und so sah Carro sich offenbar zu einem Weckruf veranlasst.

Zu oft hatte sich Leverkusen zuletzt derart müde, mutlos und mittelmäßig präsentiert wie gegen Mainz. Bei Union Berlin (0:1) patzte Bayer bereits, es folgte die zähe Nullnummer gegen Olympiakos Piräus, die gar die Freude über den Achtelfinal-Einzug trübte. Die Kracher gegen den FC Arsenal könnten die letzten in der Königsklasse für längere Zeit bleiben.

Dass der stürmende Innenverteidiger Jarell Quansah (88.) als einziger Leverkusener Lichtblick an diesem tristen Samstagnachmittag mit der schweren Verletzung von Arthur in der ausverkauften BayArena eine weitere Niederlage und das dritte torlose Spiel hintereinander verhinderte, diente keineswegs als Trost.

Wenn das kein klarer Elfmeter ist, dann kenne ich die Regeln nicht.
Kasper Hjulmand, Trainer Bayer 04 Leverkusen

Zumal die Leverkusener — allen voran Carro — den Referee für eine Entscheidung unmittelbar vor der Mainzer Führung durch Sheraldo Becker (67.) attackierten. Im Vorfeld des Konters war Patrik Schick im FSV-Strafraum gehalten und zu Fall gebracht worden. „Wo ist STieler, der Blödmann? Ein Mainzer zieht ihn runter. Für mich ist das ein klarer Elfer“, echauffierte sich Carro. „Ich habe den Schiri gefragt: Warum hat der Videoassistent nicht eingegriffen? Die Antwort: Der Videoassistent meinte, es sei eine 50:50-Situation, beidseitiges Ringen. Ich habe es anders gesehen.“

Auch Trainer Kasper Hjulmand hatte eine klare Meinung zu der Szene. „Es ist, glaube ich, das erste Mal, dass ich etwas zum Schiedsrichter sage: Wenn das kein klarer Elfmeter ist, dann kenne ich die Regeln nicht. Dann muss mir das jemand erklären. Wir haben den VAR – es ist für mich unfassbar“, urteilte der sonst so zurückhaltende Däne.

Am Mittwoch Nachholspiel beim Hamburger SV

Dem Bayer Coach diente die umstrittene Szene allerdings nicht als Ausrede für die jüngsten Auftritte der Werkself ohne Tempo und Ideen. „Ich habe keine Entschuldigung“, sagte Hjulmand. Carro merkte an, dass Leverkusen es „am Ende“ ja immerhin „versucht“ habe, „aber du kannst nicht 50 oder 80 Minuten so spielen“.

Wenn Bayer auch im nächsten Jahr in der Champions League spielen will, braucht es in der anstehenden wegweisenden Woche jedenfalls eine deutliche Steigerung. Leverkusen muss erst am Mittwoch (20.30 Uhr/Sky) im Nachholspiel beim formstarken beim Hamburger SV bestehen, dann geht es am Samstag (15.30 Uhr/Sky DAZN) zum schweren Auswärtsspiel beim heimstarken SC Freiburg.

Wie die Stimmung in der Kabine gewesen sei, meinte Torhüter Janis Blaswich vielsagend, könne man sich ja vorstellen. Nicht zuletzt wegen Carros Wutrede.