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Bayer 04 LeverkusenDer Traum vom Pokalsieg lebt

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Bayer-Torjäger Patrik Schick /(2.v.r.) erzielt das 2:0 im Viertelfinale gegen den FC St. Pauli.

Bayer-Torjäger Patrik Schick /(2.v.r.) erzielt das 2:0 im Viertelfinale gegen den FC St. Pauli. 

Bayer 04 Leverkusen hakt das schmucklose 3:0 im Viertelfinale des DFB-Pokals sachlich ab und will mehr. 

Glanz und Glorie gab es am Dienstagabend in der ausverkauften BayArena nicht zu bewundern. Obwohl ein Viertelfinale im DFB-Pokal mit seinem K.o.-Spiel-Charakter alle Voraussetzungen für beste Unterhaltung mitbringt, zumal ein Duell zweier Fußball-Bundesligisten auf dem Programmzettel stand und Bayer 04 Leverkusen bekannt dafür ist, seinem Publikum etwas zu bieten. Die Gefühlswelt bei den Akteuren auf dem Rasen und den 30 210 Zuschauern auf den Rängen bewegte sich nach dem letztlich souveränen 3:0 (1:0)-Arbeitssieg der Leverkusener gegen den FC St. Pauli aber eher zwischen nüchtern und kalt an. Was einerseits an der unangenehmen Witterung lag und anderseits an den wenig berauschenden 90 Minuten.

Für Bayer 04 und seinen Trainer Kasper Hjulmand standen natürlich das Ergebnis und der Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale, das am 22. Februar in Dortmund ausgelost wird, im Vordergrund. Es redet sich nach einem wichtigen Sieg eben leichter über eine schwache Leistung als nach einer Niederlage. „Machen wir es kurz. Die Leistung war nicht top, top, aber wir sind nur noch einen Schritt von Berlin entfernt“, sagte Robert Andrich. Die Sehnsucht des Kapitäns und seiner Teamkameraden nach dem Finale am 23. Mai im Berliner Olympiastadion ist groß. Ein Sieg fehlt noch, um zwei Jahre nach dem 1:0-Triumph gegen den 1. FC Kaiserslautern die Chance auf den nächsten Pokalsieg zu bekommen. „Wenn du schon mal da warst, willst du wieder hin, da gibst du vielleicht noch mal ein Quäntchen mehr“, erklärte Andrich.

Trauben in Meisterschaft und Champions League hängen hoch

Wobei dieses Quäntchen mehr am Dienstag nur schwer auszumachen war. Die Leverkusener hatten vor allem in den ersten 45 Minuten mehr mit sich, als mit dem viel zu harmlosen Gegner aus Hamburg zu kämpfen. Die 1:0-Führung durch einen herrlichen Treffer von Martin Terrier (32.) schmeichelte dem Favoriten. „Die erste Halbzeit und vor allem die letzten 25 Minuten vor der Pause waren nicht gut. Zu viele Fehler und zu wenig Tiefe“, bemängelte Kasper Hjulmand.

Der Trainer sprach die Themen in der Pause an und sah eine bessere zweite Halbzeit mit etwas „mehr Struktur und Effizienz“, die sich bei den Treffern von Patrik Schick (63.) und Jonas Hofmann (90.+2) zeigte. Die eher maue Leistung spielte am Ende keine große Rolle mehr, außer dass darüber geredet werden musste. „Wenn wir in Berlin sind und das Ding hochhalten, fragt keiner mehr danach“, brachte Kapitän Andrich die Dinge auf den Punkt.

Der Titeltraum lebt und es verwundert nicht, dass die Leverkusener sich auf den Pokalwettbewerb fokussieren, denn sowohl in der Meisterschaft als auch in der Champions League hängen die Trauben hoch. Bis Berlin ist es noch ein Sieg, bis zum Gewinn des Pokals nur noch ein weiterer. Dass Bayer 04 gleich im ersten Jahr nach der Ära Xabi Alonso, dem großen personellen Umbruch im Sommer und einem weiteren Trainerwechsel zu Beginn der Saison, schon wieder um einen Titel mitspielen kann, mutet ohnehin sensationell an.

Berlin ist ein großes Ziel für die Mannschaft.
Kasper Hjulmand, Trainer Bayer Leverkusen

„Wir sind eine neue Truppe und viele hätten es vielleicht gar nicht für möglich gehalten, dass wir überhaupt so weit kommen“, sagte der eingewechselte Hofmann. Der 33-Jährige, der  neben seinem Tor zum 3:0 auch noch den Pfosten traf (75.), geriet bei dem Gedanken an eine Rückkehr ins Olympiastadion regelrecht ins Schwärmen. Die Spieler mit Final-Erfahrung in Berlin würden den anderen noch einmal „erklären und erzählen, wie schön das doch ist, etwas Blecherndes in die Höhe zu stemmen“.

„Berlin ist ein großes Ziel für die Mannschaft“, unterstrich auch Coach Kasper Hjulmand die Bedeutung des von ihm so geliebten Pokalwettbewerbs. Der Däne konnte dabei auch übergehen, dass sein Team trotz des vierten Pflichtspielsieges hintereinander aktuell ein wenig in seiner Entwicklung stecken geblieben ist und die jüngsten Gegner Bremen, Villarreal, Frankfurt und St. Pauli selbst mit großen Problemen zu kämpfen haben.

Bei Bayer 04 hofft man nun auf eine baldige Rückkehr von Kreativspieler Ibrahim Maza und ein gutes Los für das Halbfinale, das am 21. und 22. April ausgetragen wird. Am liebsten wäre den Leverkusenern sicher ein erneutes Heimspiel und ein Gegner, der nicht FC Bayern München heißt. „Wenn du einen Titel holen willst, musst du die Besten schlagen. Wir nehmen es, wie es kommt. Wir haben im vergangenen Jahr auch in München gewonnen“, sagte Jonas Hofmann und erinnerte an das überraschende 1:0 im Achtelfinale 2024/25 in der Allianz-Arena.