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DFB-PokalBayer 04 Leverkusen steht wieder im Halbfinale

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Martin Terrier Leverkusen 11 jubelt nach dem Tor zum 1:0 mit der Mannschaft.

Martin Terrier Leverkusen (r.) jubelt nach dem Tor zum 1:0 mit seinen Teamkollegen. 

Bayer 04 Leverkusen hat durch einen 3:0-Heimsieg gegen den FC St. Pauli zum dritten Mal hintereinander das Halbfinale im DFB-Pokal erreicht.

Bayer 04 Leverkusen steht zum dritten Mal hintereinander im Halbfinale des DFB-Pokals, hat sich dabei aber nicht mit Ruhm bekleckert. Der Sieger von 2024 profitierte beim 3:0 (1:0) gegen den FC St. Pauli eher von seinem Losglück, im Viertelfinale in der heimischen BayArena auf einen Gegner zu treffen, der die Schwächen der Werkself nicht auszunutzen wusste. „Wir haben uns vor allem in der ersten Halbzeit schwergetan. Die zweite Hälfte war dann souveräner und der Sieg verdient“, analysierte Sportchef Simon Rolfes den Erfolg sachlich.

Bayer-Coach Kasper Hjulmand hatte vor dem Spiel erklärt, dass er den Pokalwettbewerb „liebe“. Der Däne dokumentierte seine Zuneigung, indem er seine aktuell wohl stärkste Elf zum Anpfiff auf das Feld beorderte. Im Vergleich zum jüngsten 3:1 in der Bundesliga bei Eintracht Frankfurt spielten Lucas Vazquez, Patrik Schick und Exequiel Palacios für Arthur, Ezequiel Fernandez und Christian Kofane. Für den argentinischen Weltmeister Palacios war es der erste Startelfeinsatz nach langer Verletzungspause.

Martin Terrier sorgt für die Führung

Die Werkself ging als klarer Favorit in das erste Viertelfinale des Wettbewerbs 2025/26. Wie das so ist, wenn der Vizemeister und Bundesliga-Sechste mit Champions League-Ambitionen zu Hause auf den abstiegsgefährdeten Tabellenvorletzten trifft. Aber im Pokal mit seinen eigenen Gesetzen weiß man ja nie.

Die erste Chance ging tatsächlich an die Gäste, weil ausgerechnet Palacios ein schlimmer Fehlpass unterlief, der zu einer Ecke führte. Bayer konnte den Standard im Anschluss nicht sauber klären und benötigte Glück, als Martijn Kaars aus fünf Metern nur Robert Andrich und nicht ins Tor traf (4.).

St. Pauli gefiel in der Anfangsphase mit guter Staffelung und aggressivem Spiel gegen den Ball. Die Hausherren versuchten mit Ballstafetten Ruhe in ihre Aktionen und den Gegner zum Laufen zu bringen. Es dauerte 15 Minuten, ehe Martin Terrier nach Vazquez-Flanke die erste Möglichkeit für Bayer 04   hatte.

Zwei Minuten später musste es 1:0 stehen. Ben Voll, Ex-Torwart von Viktoria Köln, ging bei einem Pass auf James Sands im eigenen Strafraum hohes Risiko und wurde   beinahe bestraft. Malik Tillman eroberte den Ball und bediente Schick. Der Tscheche   dribbelte sich frei, schoss dann aber aus sieben Metern nur Pauli-Kapitän Karol Smets auf der Torlinie ab (17.).

Souveräne zweite Halbzeit des Favoriten

Danach riss der gerade aufgenommene Faden bei der Hjulmand -Elf, die bei einer Chance von Joel Fujita durchaus in Rückstand hätte geraten können (23.).  Wobei für Fujita die Partie nach einem groben Foulspiel an Palacios (20.) zu diesem Zeitpunkt schon zu Ende hätte sein müssen. Die Hamburger blieben zu elft und waren voll im Spiel, was die Fans im Gäste-Block lauter singen ließ. Martin Terrier ließ sie verstummen.   Nachdem Schick an der Strafraumgrenze zu Fall gekommen war und alle über Elfmeter nachdachten, schnappte sich der Franzose den Ball und schloss aus 16 Metern herrlich zum 1:0 ins linke Eck ab   (32.) — ein Tor, das quasi aus dem Nichts kam.

Der Leverkusener Vortrag blieb trotz der Führung wackelig. Die Werkself machte sich das Leben mit vielen leichten Fehlern schwer und lud St. Pauli zu Chancen ein. Vazquez musste nach seinem Stellungsfehler eine Flanke von Louis Oppie in höchster Not weggrätschen (37.) und Kaars ließ auch seine zweite Großchance aus vier Metern liegen. Diesmal schoss er über das Tor (40.).

Die Führung des Favoriten zur Pause war schmeichelhaft und blieb es. Das Leverkusener Offensivspiel blieb Stückwerk, auch weil Alejandro Grimaldo als wichtiger Taktgeber einen Abend mit zu vielen falschen Entscheidungen erwischt hatte. Es war zunächst vor allem der Harmlosigkeit der Hamburger zu verdanken, dass das 1:0 weiter Bestand hatte.

Medizinischer Notfall kurz vor Spielende

Bayer 04 benötigte dann nur eine gute Aktion, um den Halbfinaleinzug klarzumachen. Aleix Garcia schneiderte im Anschluss an die dritte Ecke eine Flanke maßgenau für Schick, der per Direktabnahme mit links aus vier Metern auf 2:0 stellte (63.). Das Spiel war entschieden, weil St. Pauli nun gar nichts mehr entgegenzusetzen hatte.

Der eingewechselte Jonas Hofmann sorgte für die restlichen Highlights an diesem kalten Pokalabend . Erst traf er aus 22 Metern nur den linken Pfosten (75.), dann sorgte er nach einer Grimaldo-Flanke und einem Stellungsfehler von Smets für den Endstand (90.+2).

Zu diesem Zeitpunkt war   es in der ausverkauften BayArena wegen eines medizinischen Notfalls   längst still geworden. Ein Fan soll eine Treppe runtergefallen sein. Der laute Jubel nach dem Schlusspfiff ließ vermuten, dass die Sache einigermaßen gut ausgegangen war. „Wir haben die Identität, durch schwere Momente zu gehen. Da haben wir in den letzten Jahren einen Schritt nach vorn gemacht“, fasste Simon Rolfes den Pokalabend zusammen.


Statistik:

Bayer Leverkusen: Blaswich; Quansah, Andrich, Tapsoba; Palacios (58. Fernandez), Garcia (89. Badé); Vazquez (58. Arthur), Tillman, Grimaldo; Terrier (65. Hofmann), Schick (89. Kofane). — St. Pauli: Voll; Ando, Sands, Mets; Pyrka, Fujita (68. Irvine), Rassmussen (89. Ceesay), Oppie (46. Saliakas); Sinani; Kaars, Pereira Lage (46. Jones/80. Hara). — SR.: Badstübner (Nürnberg). — Zuschauer: 30.210. — Tore: 1:0 Terrier (32.) 2:0 Schick (63.), 3:0 Hofmann (90.+2). — Gelbe Karten: Garcia; Fujita, Ando.