Die 0:3-Finalniederlage gegen Atalanta Bergamo in der Europa League wird Bayer 04 Leverkusen noch lange schmerzen. Ein Kommentar von Martin Sauerborn.
Kommentar zur Europa LeagueLeverkusens Schmerz der ersten Niederlage

Leverkusens Trainer Xabi Alonso geht nach dem Spiel zu den Fans.
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Niederlagen gehören im Fußball zum Alltag. Sie kommen zwar nie passend, aber sie kommen regelmäßig. Und die Geschichte des griechischen Heroen Achilles hat uns gelehrt, dass es selbst die Besten und Stärksten irgendwann treffen kann. 51 ungeschlagene Spiele sind in diesem Kontext für sich schon eine unfassbare Serie, womöglich sogar ein Rekord für die Ewigkeit.
Bayer 04 Leverkusen hat diese Bestmarke auch noch ganz nebenbei aufgestellt. Die Werkself hat ein Jahr lang für beste Unterhaltung der Fans inklusive Dramatik pur gesorgt, fantastischen Fußball gespielt, Standhaftigkeit am Ende eines Spiels in ungeahnte Sphären gehoben und den erstmaligen Gewinn der deutschen Meisterschaft in 120 Jahren Vereinsgeschichte gefeiert. So oft in dieser Saison kam einem der Gedanke, jetzt ist es soweit und dann fiel wieder ein Tor in der Nachspielzeit der Nachspielzeit und die Serie setzte sich fort.
Große Fallhöhe am Ende einer Saison
Aus der Gesetzmäßigkeit des Fußballs heraus war aber eigentlich immer klar, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Das Unangenehme daran: Je länger diese Serie andauerte, desto höher wurden die Wahrscheinlichkeit der Niederlage und vor allem die Fallhöhe für Bayer 04. Die wichtigsten Spiele werden nun mal am Ende einer Saison entschieden — im Fall von Bayer Leverkusen waren es zwei Cup-Finals.
Im 52. Pflichtspiel dieser Saison hat es die Werkself nun erwischt. Ausgerechnet im Finale der Europa League, also zur Unzeit und in einem Spiel, dem eine spezielle Form der Endgültigkeit innewohnt. Wenn es gespielt ist, gibt es einen Pokalgewinner und für diesen einen Eintrag in die Geschichtsbücher der Uefa. Wer sich nach 13 Partien als zweiter Sieger in der Europa League fühlen muss, den wird diese Niederlage aber verfolgen. Zum einen, weil sie nicht wie in einer Meisterschaft oder Gruppenphase wieder ausgebügelt werden kann und zum anderen, weil es ein europäisches Cup-Finale eben nicht jede Saison gibt.
Das 0:3 gegen Bergamo wirkt zwar nur wie ein Kratzer auf dem glänzenden Lack der bis Dublin makellosen Leverkusener Spielzeit, er ist aber tief eingeritzt und wird lange schmerzen. Wie sehr, wird Bayer 04 erst im Rückblick realisieren. Genau wie die erste deutsche Meisterschaft und 51 Spiele ohne Niederlage.

