Malik Tillmann war „Man-of-the-Match“ beim 3:0 gegen Villarreal, doch der 35-Millionen-Transfer äußert deutliche Kritik. Er fühlt sich zu selten angespielt und hofft auf mehr Vertrauen seiner Mitspieler.
Bayer 04 LeverkusenMalik Tillmann glänzt in der Champions League

everkusens Malik Tillman überragte gegen Villareal.
Copyright: IMAGO/Chai v.d. Laage
Malik Tillmann hatte auf dem Rasen der BayArena noch alle Blicke auf sich gezogen. In den Katakomben wollte er sich dem Rampenlicht dann eher entziehen. Der Deutsch-Amerikaner war nach dem souveränen Einzug von Bayer 04 Leverkusen in die Champions League-Playoffs zwar zum „Man-of-the-Match“ gewählt worden. Die Sternenkugel hielt der offensive Mittelfeldspieler aber schüchtern hinter seinem dicken Regenmantel versteckt. Wichtiger als die individuelle Auszeichnung war dem Doppeltorschützen sein Beitrag zum 3:0 (2:0)-Sieg gegen Villarreal.
Trotz Rekord-Transfer: Tillmann zeigt Selbstkritik
„Ich bin sehr, sehr erleichtert“, verschwieg der 23-Jährige seine Gefühle nicht. Wohlwissend, dass er als Top-Transfer im Sommer für 35 Millionen Euro von PSV Eindhoven, bisher zu selten überzeugt hatte. „Da hätte mehr von mir kommen können“, stellte er nach seinen ersten beiden Treffern im siebten Königsklassen-Duell klar und ergänzte: „Ich erwarte selbst auch mehr von mir, deswegen bin ich umso glücklicher, dass ich wieder getroffen habe.“ In den ersten beiden Bundesliga-Spielen des Jahres gegen Stuttgart (1:4) und Hoffenheim (0:1) hatte er noch durchgespielt. Beim Champions-League-Spiel gegen Olympiakos Piräus (0:2) und gegen Werder Bremen (1:0) war er dann nur noch Ersatz.
Sein Trainer hatte ihm dennoch den Rücken gestärkt und war nach Tillmans dominantem Auftritt gegen den bereits ausgeschiedenen FC Villarreal umso überzeugter: „Er ist ein Topspieler, ich habe es früher schon gesagt. Er hat eine super Technik, einen guten Kopf und ist ein intelligenter Fußballspieler“, lobte Kasper Hjulmand seine Nummer Zehn.
Effektives Pressing und starke Technik als Erfolgsfaktor
Tillman trat bei der Analyse im Bauch der BayArena zurückhaltend, aber zugleich auch meinungsstark auf. Nachdem er das erste Tor mit aggressivem Pressing gegen den spanischen Ersatz-Keeper Arnau Tenas erzwungen hatte (12.), war ihm das 2:0 mit einer Direktabnahme außerhalb des Strafraums gelungen (35.). Für Eindhoven hatte er solche Tore beinahe am Fließband geschossen. Unter dem Bayer Kreuz gehören sie (noch) zur Ausnahme: „Ich habe das Gefühl, dass ich oft in diesem Raum bin, aber nicht so oft die Bälle bekomme“, versuchte der wettbewerbsübergreifend bei fünf Saisontreffern stehende US-Nationalspieler zu erklären. Ohne „mit dem Finger auf irgendjemanden zu zeigen“, äußerte er die Hoffnung „noch öfter angespielt zu werden“.
Bayer 04 Leverkusen: Flexibilität im Spielsystem
„Diese Tore können vielleicht helfen und ich gebe alles dafür, dass sowas noch mal passiert.“ Als Team habe man aber nicht nur diese Lösung auf dem Platz, schränkte er noch ein. Mit 12,1 gelaufenen Kilometern, 70 Prozent gewonnenen Zweikämpfen und einer Passquote von 87 Prozent hatte der zentrale Offensivmann alles gegeben, um das veränderte System ins Laufen zu bringen. Auch Alejandro Grimaldo, der weniger im Zentrum und mehr als Linksaußen agierte, veredelte Tillmans Doppelpack mit dem 3:0 (57.). Ein Zeichen, dass die Spielstruktur mit Tillman als hängende Spitze funktionieren kann.
„Wir haben darüber gesprochen, dass er ein zweiter Stürmer ist“, verriet Coach Hjulmand und ergänzte: „Da kann Malik ein bisschen direkter denken und muss in die gefährlichen Positionen laufen.“ Villareal verteidigte allerdings auch wenig konsequent, ließ dazu viele Räume auf der Außenbahn und vor dem eigenen 16er. Das ist in den nächsten Spielen so nicht zu erwarten. Egal, ob es in der Playoff-Zwischenrunde nun gegen Borussia Dortmund oder wieder gegen Olympiakos Piräus (siehe Text unten) kommt. Schon am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in Frankfurt sieht Tillman einer anderen Herausforderung entgegen. „Ich gehe davon aus, dass mehr Gegenwehr kommt“, blickte er auf das Verfolgerduell in der Bundesliga.
Selbst wenn die strauchelnde Eintracht aus der Champions League ausgeschieden ist und noch keinen Nachfolger für Chefcoach Dino Toppmöller präsentiert hat, rechnet der Villareal-Schreck mit einem schwierigen Spiel. „Ich denke aber, dass wir selbstbewusst reingehen können, egal ob wir wieder so spielen oder mit anderen Flügelspielern.“ Sprach der „Man-of-the-Match“ und ging nach Hause, um die dritte Sternenkugel-Trophäe seiner Karriere in die dafür vorgesehene Kommode zu stellen.

