Köln – Mit dem aufgeschlagenen Geißbockecho in der Hand ließ sich am Samstag das kleine Kölner Fußballwunder aufzeigen. Die Doppelnummer des Club-Magazins war für das Derby und die jetzt ausgetragene Begegnung gegen Werder Bremen erschienen. Die Tabelle auf Seite 50 zeigte den 1. FC Köln als Tabellenletzten. Drei Spiele später nach dem Schlusspfiff der Partie gegen Werder Bremen wies die auf der Anzeigetafel im Stadion zu sehende Tabelle den FC als 15. aus.
Neun Punkte waren innerhalb von sieben Tagen hinzugekommen, nachdem in knapp vier Monaten zuvor gerade einmal acht Punkte gewonnen worden waren. „Das wir das schaffen, hätte keiner für möglich gehalten. Jeder hätte uns für verrückt erklärt. Aber wir haben uns gesagt, dass wir an uns glauben müssen, auch wenn niemand sonst es tut“, meinte ein erleichterter Timo Horn.
Selbstbewusstsein wichtig für Erfolg
Den Faktor Selbstbewusstsein brachte auch Horst Heldt als wichtiges Beiwerk für die jüngsten Erfolge ins Spiel. „Fußballspielen können viele. Am Ende aber ist es eine Sache des Kopfes“, erklärte der Fußballchef und bezeichnete den 2:0-Derby-Sieg gegen Leverkusen als Frustlöser. Dann folgte der 4:2-Erfolg nach 0:2-Rückstand in Frankfurt und nun das 1:0 gegen den Mitkonkurrenten aus Bremen.
Es war ein unschönes, in der Endphase mit sechsminütiger Nachspielzeit immerhin dramatisches Spiel. Die Führung durch seinen vierten Treffer im vierten Heimspiel in Folge hatte Jhon Cordoba in der 39. Minute erzielt. Kurz vor der Pause forderten die Kölner nach einem Rempler von Philipp Bargfrede gegen Birger Verstraete im Werder-Strafraum einen Elfmeter. Schiedsrichter Daniel Schlager sagte nein, und Videoassistent Tobias Stieler soll dies nach nur achtsekündiger Kontrolle bestätigt haben. Damit warten die Kölner seit 29 Bundesligaspielen weiter auf einen Strafstoß – so lange wie keine andere Mannschaft.
Saisonminusrekord innerhalb der Liga
Die vier Torschüsse des FC bei keinem einzigen der Bremer bis zur Pause stellten übrigens einen Saisonminusrekord innerhalb der Liga dar! In der turbulenten Schlussphase half den Hausherren einmal die Latte, in drei weiteren Szenen war Timo Horn der Garant dafür, zum dritten Mal ohne Gegentor geblieben zu sein. Er und einige Kollegen hätten in den Wochen zuvor sehr viel Kritik einstecken müssen. Die sei teils auch angebracht gewesen und er akzeptiere sie, so lang sie sachlich vorgetragen werde. Er habe aber immer an sich geglaubt, und mit dem Mannschaftserfolg habe auch er sich aus der Talsohle herausarbeiten können, beschrieb der Torwart.
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„Es war ein absolutes Kampfspiel. Unsere Mannschaft hat sich gewehrt und besaß endlich einmal das notwendige Glück. Am Ende ist es mir vollkommen egal, ob wir verdient oder unverdient gewonnen haben. Wir haben neun Punkte in dieser Woche geholt. Das war dringend notwendig. Jetzt können die Spieler abschalten, zur Ruhe kommen und dann Kräfte bündeln, um zum Rückrundenstart gegen Wolfsburg am liebsten da weiterzumachen, wo wir jetzt aufgehört haben“, resümierte Horst Heldt.Der schickte ebenso wie Markus Gisdol einen besonderen Dank an die Fans. Die hatten ein schlechtes Bundesligaspiel gesehen, unterstützten ihre Mannschaft aber ohne Unterlass. Während der zweiten Spielhälfte habe man gesehen, dass „bei uns die Körner weg waren. Aber die Jungs haben nochmals alles mobilisiert. Die Fans spürten, wie sie sich reingehauen haben. Sie haben sie wie auf einer Welle bis zum Abpfiff getragen“.
Anschließende Weihnachtsfeier
In gelöster Stimmung trafen sich Spieler, Trainer und alle Mitarbeiter nach dem Sieg gegen Werder Bremen zur Weihnachtsfeier. Bis zum 3. Januar hat die Mannschaft frei. Einen Tag später reist man für eine Woche ins Trainingslager nach Benidorm. Dort gibt es ein Testspiel gegen den belgischen Meister KRC Genk, der derzeit allerdings nur Tabellenachter ist.
„Durch das schwierige Auftaktprogramm verloren wir zunächst den Glauben an uns. Dann aber haben wir den Abstiegskampf angenommen und gezeigt, dass wir es können. Ich denke, wir gehen gestärkt in die Rückrunde, auch wenn die gleichen schweren Gegner auf uns warten“, blickte Abwehrchef Rafael Czichos zuversichtlich ins neue Jahr.



