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Erdrückende DominanzVfL Wolfsburg zeigt im Pokalfinale seine Ausnahmestellung

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Die Spielerinnen des VfL Wolfsburg freuen sich nach dem Sieg mit dem Pokal.

Köln – Eigentlich war es nur eine Randnotiz, doch sie symbolisierte die Überlegenheit des VfL Wolfsburg und an diesem sonnigen Nachmittag in Müngersdorf sehr gut: Kurz vor dem Abpfiff war das DFB-Pokal-Finale der Frauen längst entschieden: Der Seriensieger VfL Wolfsburg führte gegen den 1. FFC Turbine Potsdam mit 4:0 (3:0) und hatte den achten Cup-Triumph in Serie sicher.

Bei einer Ecke für die Wölfinnen stürmte VfL-Keeperin Almuth Schult mit nach vorne. Die 31-Jährige wollte sich offenbar in ihrem letzten Einsatz für den VfL – sie wechselt nach neun Jahren in Niedersachsen nach Los Angeles – in einem Anflug von Arroganz und Egozentrik auch noch in die Torschützinnen-Liste eintragen. Schult besann sich jedoch in letzter Sekunde eines Besseren und kehrte an der Mittellinie um.

Schults missglückter Ausflug nach vorne

Potsdams Trainer Sofian Chahed war an der Seite außer sich aufgrund der Überheblichkeit der Nationaltorhüterin und machte hinterher auch keinen Hehl daraus: „Das zollt von Respekt, das gehört im Fußball dazu, dass man dann im Tor bleibt.“ Schults Selbstbewusstsein speiste sich offensichtlich aus der klaren Überlegenheit des Meisters in dieser Partie. Für einen kleinen Moment vergas die erfahrene Nationaltorhüterin, was sich gehört.

17.531 Zuschauer sahen im Rhein-Energie-Stadion eines der einseitigsten Endspiele der vergangenen Jahre. Dabei dominierte auf den Rängen ebenfalls das Hellgrün der VfL-Fans, auch wenn sich der Turbine-Anhang akustisch öfter bemerkbar machte. Ewa Pajor war wie schon im Vorjahr und 2019 Wolfsburgs Matchwinnerin. Die polnische Nationalspielerin brachte ihr Team mit zwei Kopfballtreffern schon vor der Pause auf die Siegerstraße. Die Niedersächsinnen zogen mit ihrem insgesamt neunten Pokal-Erfolg mit dem bisherigen Rekordsieger 1. FFC Frankfurt gleich und sicherten sich das Double aus Meisterschaft und Pokal.

Potsdam fehlte Präzision

Turbine begann als Außenseiter forsch. Vielleicht wäre das am Ende einseitige Duell etwas anders verlaufen, hätte Karen Holmgaard das grandiose Zuspiel von Maria Plattner zur Führung verwerten können (8.). Kurz danach schlug Pajor jedoch zum ersten Mal zu: Nach einer Ecke tauchte die 25-Jährige völlig frei am ersten Pfosten auf und köpfte zum 1:0 ein (11.). Potsdam war danach keineswegs chancenlos, es fehlte in der Offensive jedoch die Präzision. Stattdessen sorgte Pajor abermals per Kopf nach einer Flanke von Lynn Wilms zum 2:0 für eine Vorentscheidung (32.). Die Ex-Kölnerin Anna Gerhardt verursachte mit ihrem Klärungsversuch genau vor die Füße von Jill Roord das 3:0 (42.). Spätestens danach war die Partie gelaufen.

Potsdam drückte nach dem Seitenwechsel in den ersten Minuten, belohnte sich für das Zwischenhoch jedoch nicht. Danach kontrollierten die Wölfinnen das Geschehen. Dominique Janssen erzielte mit einem von der Potsdamer Mauer abgefälschten Freistoß das 4:0 (70.).

Kein neuer Zuschauer-Rekord

„Ich habe von vielen gehört, wie besonders das Finale ist. Jetzt durfte ich das selbst das erste Mal miterleben“, äußerte Tommy Stroot, der in seinem ersten Jahr als VfL-Coach direkt das Double holte. Potsdams Coach Sofian Chahed urteilte: „Wir hatten sicherlich auch Chancen. Wenn wir die machen, sieht es vielleicht anders aus. Wir haben viele junge Spielerinnen, am Ende hat die Erfahrung gesiegt.“ Stadionsprecher Michael Trippel konnte bei der Zuschauerzahl derweil nach zwei Jahren ohne Fans beim Finale keinen neuen Rekord vermelden. Letztlich halfen auch das Rahmenprogramm auf den Vorwiesen und die volkstümlichen Eintrittspreise bei der Rekord-Jagd nicht. Die vom DFB erhoffte Stadion-Kulisse von 20.000 wurde deutlich verpasst.

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Eine Final-Teilnahme des 1. FC Köln hätte das Stadion zweifellos deutlich voller werden lassen. Und mit Blick auf den Weg Potsdams ins Finale dürften sich auch die FC-Verantwortlichen ein wenig ärgern: Turbine schaltete den FC im Achtelfinale mit 2:0 aus. Danach ging es gegen den Zweitligisten SV Henstedt-Ulzburg und im Halbfinale gegen Bayer Leverkusen. Zumindest diese beiden Gegner wären auch für den FC bezwingbar gewesen. Vielleicht gelingt es dem FC im nächsten Jahr und womöglich geht es dann wieder gegen den VfL Wolfsburg.

Der Hunger des Double-Gewinners auf den nächsten Pokalsieg scheint jedenfalls noch nicht gestillt: „Es ist jedes Jahr wieder etwas Besonderes und immer wieder schön“, sagte Almuth Schult zum Abschied. Da war ihr unglücklicher Ausflug zum gegnerischen Strafraum schon längst nur noch eine Randnotiz.

Wolfsburg: Schult; Wilms (59. Wedemeyer), Hendrich, Janssen, Rauch; Oberdorf (83. Knaak); Waßmuth (72. Jonsdottir), Lattwein, Roord (59. Popp), Huth; Pajor (83. Bremer). – Potsdam: Wellmann; Gerhardt, Barth, Sissoko (80. Kusnetsov), Agrez; Orschmann (55. Kerschowski), Mesjasz, Holmgaard (64. Schwalm), Plattner (64. Deutsch); Weidauer, Kössler. – Tore: 1:0 Pajor (11.), 2:0 Pajor (32.), 3:0 Roord (42.), 4:0 Janssen (70.). – Zuschauer: 17 531.