Köln – Beim 1. FC Köln wird dieser Tage viel über die Finanzen gesprochen. Darüber, dass der Club ein Sanierungsfall ist und der neue Sportchef Christian Keller als quasi erste Amtshandlung ankündigte, dass er den Profi-Etat für die Bundesliga-Saison 2022/23 um 20 Prozent kürzen muss.
Aktuell ist es nicht einmal möglich, interessante Zweitliga-Spieler wie Ransford-Yeboah Königsdörffer (20), Christoph Daferner (24/beide Dresden) oder das Darmstädter Sturmduo Philipp Tietz (24) und Luca Pfeiffer (25) zu verpflichten, weil die Angreifer Ablöse kosten.
Der FC braucht weitere Transfereinnahmen
Es ist längst bekannt, dass die Kölner nach Salih Özcan (für fünf Millionen Euro Ablöse zu Borussia Dortmund) weitere Leistungsträger wie Ellyes Skhiri, Anthony Modeste oder Timo Hübers werden transferieren oder teure Bankspieler wie Sebastian Andersson, Timo Horn oder Ondrej Duda von der Gehaltsliste bekommen müssen, um nicht nur ablösefreie Spieler verpflichten zu können.
Auf Christian Keller wartet bei der Zusammenstellung des Kaders für die Saison 2022/23 also viel Arbeit, in deren Verlauf der Geschäftsführer Sport Geduld aufbringen und kreative Lösungen finden muss.
Auch sportlicher Erfolgt sorgt für bessere finanzielle Lage
Zur Wahrheit der finanziellen Lage des FC gehört auch, dass neben der ersten Erhöhung der Ticketpreise seit 2016 (Tagestickets um fünf, Dauerkarten um bis zu 20 Prozent) der sportliche Erfolg unter Trainer Steffen Baumgart Potenzial bei den Einnahmen möglich gemacht hat.
Die Qualifikation für die Playoffs der Europa Conference League beinhaltet zunächst nur ein zusätzliches Heimspiel, könnte sich aber zu mindestens drei weiteren Heimspielen und einem Startgeld für die Gruppenphase in Höhe von 2,8 Millionen Euro auswachsen. Fakt ist zudem, dass der FC in der kommenden Saison mindestens sieben Millionen Euro mehr an TV-Geldern bekommt.
Zwölfter Platz in Tabelle mit meisten TV-Einnahmen
In der entsprechenden Tabelle haben die Geißböcke durch ihren siebten Platz Hertha BSC Berlin, den VfB Stuttgart und den FC Augsburg überholt und sind Zwölfter. Insgesamt steigt die Ausschüttung der TV-Gelder von 1,073 in der Saison 2021/22 auf 1,121 Milliarden Euro in 2022/23.
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Potenzial liegt natürlich auch wieder im DFB-Pokal. Im Wettbewerb 2021/22 erreichte der FC das Achtelfinale und schied dort im Elfmeterschießen mit Florian Kainz’ dramatischem Fehlschuss unglücklich aus. So kassierten die Kölner nur rund eine Million Euro.
Stadtduell mit Viktoria Köln in erster Pokal-Runde möglich
Im Viertelfinale hätte es zwei, im Halbfinale sogar vier Millionen Euro gegeben. Pokalsieger RB Leipzig erhielt knapp 9,7 Millionen Euro. Eine Summe, die der FC gut gebrauchen könnte.
Am Sonntag (19.15 Uhr/ARD) wird die erste Runde des DFB-Pokalwettbewerbs 2022/23 ausgelost. Auf das Baumgart-Team warten so illustre mögliche Gegner wie die Traditionsclubs Kickers Offenbach, 1. FC Kaiserslautern, Waldhof Mannheim, 1860 München, Dynamo Dresden oder 1. FC Magdeburg. Attraktiv wäre auch ein Stadtduell mit Drittligist Viktoria Köln, der mit acht Erfolgen mittlerweile zum Mittelrhein-Rekord-Pokalsieger aufgestiegen ist.
Baumgart will ins Finale nach Berlin
Möglich ist zudem ein Duell mit Zweitligist Jahn Regensburg, dem Ex-Club von Christian Keller. Für die Teilnahme an der ersten Runde gab es vergangene Saison übrigens 130 000 Euro, in der zweiten Runde waren es dann 260 000 Euro.
Nicht genug Geld für die Situation der Kölner, denen es am meisten helfen würde, wenn der Traum von Steffen Baumgart wahr werden würden. „Ich will ins Finale nach Berlin“, hatte der Trainer vergangene Saison gesagt. Und daran wird sich nichts geändert haben. (ms)



