Seit Weiberfastnacht wird bei den WR Chess Masters Schach gespielt. Schachprofi Vincent Keymer ist einer der Stars bei dem Turnier. Doch als Favoriten gelten andere.
Konzentration und KampfgeistIn Düsseldorf läuft eines der stärksten Schachturniere des Jahres

Großmeister Levon Aronian
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„Herr Keymer, können wir bitte ein Foto machen?“ Vincent Keymer nickt freundlich und stellt sich neben einen jungen Schachfan, während seine Mutter ihr Handy zückt und auf den Auslöser drückt. Das wiederholt sich noch häufiger. „Vincent, bitte, ein Foto.“ Schachprofi Vincent Keymer ist an diesem Tag der Star im Düsseldorfer Hyatt Regency, einem Nobelhotel am Medienhafen, in Sichtweite des Landtags. Dort hat an Weiberfastnacht eines der stärksten Schachturniere des Jahres begonnen, das WR Chess Masters. Keymer, die deutsche Nummer Eins, misst sich mit der Weltelite und den besten Junioren. Für den 18-Jährigen, aktuell Nummer 45 der Weltrangliste, wird es ein hartes Turnier.
Zuschauer sind hier nicht erwünscht
Zu den Favoriten zählen andere: Anish Giri aus den Niederlanden, der Fünfte der Weltrangliste, präsentierte sich zuletzt in Topform. Der Weltranglisten-achte, Wesley So aus den USA, gilt als besonders sicherer Spieler, nur schwer zu schlagen. Und dann ist da Ian Nepomnjatschschi. Der 32-jährige Russe nutzt Düsseldorf, um sich für sein Match um die Weltmeisterschaft warm zu spielen, das Anfang April in Kasachstan beginnt.

Großmeister Anish Giri.
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Weiberfastnacht, 14 Uhr: Hauptschiedsrichter Gregor Johann gibt die Partien zur ersten Runde frei. Fünf Tische mit zehn Stühlen sind in einem gut 100 Quadratmeter großen Besprechungszimmer des Hotels aufgebaut. Dicker Teppichboden dämpft die Schritte, die Fenster sind mit Jalousien und zusätzlich schwarzen Vorhängen zugezogen, nichts soll die zehn Profis in ihrer Konzentration stören.
Zuschauer sind vor Ort unerwünscht. „Der Platz reicht nicht aus“, erklärt Turnierdirektor Sebastian Siebrecht, außerdem habe der Weltschachverband Fide die Vorsichtsmaßnahmen gegen möglichen elektronischen Betrug nochmals verstärkt.
Übertragung live im Internet
Dafür wird das Turnier online live übertragen, und es gibt es ein buntes Rahmenprogramm für Kinder, Jugendliche und ukrainische Geflüchtete. Die zehn besten U10-Kids aus Düsseldorf dürfen am Vortag des Turniers gegen ihr Idol Vincent Keymer spielen. Am Ende steht es, wenig überraschend, 10:0 für den Profi. Aber Roman Wartanian, zehn Jahre alt, hat immerhin über 50 Züge gegen den Großmeister durchgehalten.
„Eines unserer größten Talente“, freut sich Jan Werner, 1. Vorsitzender des Düsseldorfer Schachklubs. Roman stammt aus Charkiw in der Ukraine und kam erst vergangenes Jahr nach Düsseldorf. Schach hilft bei der Integration. „Wir rechnen mit zehn Millionen Zuschauern weltweit“, gibt sich Wadim Rosenstein optimistisch, „vielleicht sogar zwanzig oder dreißig Millionen“.
Kontroverse Debatte um Geldgeber
Der 32-jährige Geschäftsmann und Schachfan ist Namens- und Geldgeber des WR Chess Masters. Das Turnier lässt er sich nach eigenen Angaben einen „ordentlichen siebenstelligen Betrag“ kosten. Rosenstein stammt aus der Ukraine, kam im Alter von neun Jahren nach Deutschland und ist deutscher Staatsbürger. Seine Firma, die WR Group, ist ein international operierendes Logistik-Unternehmen. Der Geschäftsmann hat große Pläne, er will weitere Schachevents in Düsseldorf unterstützen. Über Rosenstein und sein finanzielles Engagement – er sponsert auch Ian Nepomnjatschschi – wird im Internet kontrovers diskutiert. Daran ist vor allem ein Foto schuld, das Rosenstein bei einer Partie mit dem russischen Schachgroßmeister Sergej zeigt, aufgenommen im Mai 2022 in Moskau. Denn Karjakin gilt, im Gegensatz zu vielen russischen Top-Spielern, als fanatischer Putin-Anhänger. Ihm gehe es um Schach und nicht um Politik, sagt Rosenstein.
Die Frage, warum er, im Gegensatz zu anderen Turnierorganisatoren, überhaupt russische Spieler eingeladen hat, lässt er unbeantwortet. Turnierdirektor Siebrecht springt ihm zur Seite: „Wir wollen Ian die Möglichkeit einräumen, vor der WM nochmals klassisches Schach zu spielen.“
Für Vicent Keymer ist die erste Turnierhälfte nicht gut gelaufen. Nach vier von neun Runden liegt er am Tabellenende, es führt Levon Aronian (USA).
