Der Kapitän der Kölner Meistermannschaft von 1977 spricht über die Titel-Aussichten der Haie, Halbfinal-Gegner Berlin und die Entwicklung des Eishockeys.
Haie-Legende Langemann„Wenn es diesmal nicht klappt, wann dann?“

Die Kölner Haie hoffen auf die erste Meisterschaft seit 2002.
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Herr Langemann, die Haie starten am Mittwoch in Berlin in die Playoff-Halbfinalserie gegen die Eisbären. Haben Sie die DEL-Saison verfolgt, auch schon die Hauptrunde, die die Haie auf Platz eins abgeschlossen haben?
Ja, klar. Ich bin oft in der Halle, im Oberrang, da treffen sich viele ehemalige Haie-Spieler. Da wird natürlich auch viel diskutiert. Ich bin also schon nah dran.
Wie hat sich das Eishockey seit Ihrer Zeit in den 70er Jahren vor allem verändert?
Das Spiel ist insgesamt viel schneller geworden. Ein Grund ist, dass es die Zwei-Linien-Pässe früher so nicht gab wie heute (früher waren Pässe über zwei Linien verboten, d. Red.). Durch die Änderung ist das Spiel viel dynamischer geworden. Dazu kommt die Ausrüstung: Die Schlittschuhe sind besser geworden, die Schläger auch, das gesamte Material. Heute wird deutlich härter geschossen – früher waren das vielleicht 100, 110 km/h, heute gehen die Schüsse Richtung 140. Außerdem trainieren die Profis heute jeden Tag auf höchstem Niveau, auch die Ausbildung im Nachwuchs ist intensiver geworden. Dazu kommt, dass sie körperlich und mental besser vorbereitet sind. Das gesamte Umfeld ist professioneller – und das merkt man dem Spiel auch an.

Detlef Langemann
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Zur Person: Detlef Langemann wurde am 3. April 1947 in Köln geboren und ist eine der Legenden des Kölner Eishockeys. Der Stürmer durchlief die Jugend des Kölner EK, ehe er 1972 zu den Mitgründern des neu gegründeten Kölner EC gehörte. Mit den Haien stieg er sofort in die Bundesliga auf. In rund 200 Spielen gelangen ihm 71 Tore und 86 Vorlagen, hinzu kommen rund 400 Einsätze mit ca. 200 Toren für den KEK. Als Kapitän führte er die Haie 1977 und 1979 zur Deutschen Meisterschaft. Seit 2011 hängt sein Trikot mit der gesperrten Nummer 14 unter dem Dach der Lanxess-Arena. (red)
Die Haie haben sich im Playoff-Viertelfinale in vier Spielen gegen Schwenningen durchgesetzt. Gibt es aus Ihrer Sicht bisher überhaupt etwas zu kritisieren an der Mannschaft?
Nein, eigentlich nicht. Grundsätzlich muss man aber sagen: Die Hauptrunde ist das eine, die Playoffs sind etwas anderes. Man kann aus Statistiken einiges ableiten, aber entscheidend ist, was in den Playoffs passiert.
Was zeichnet die Mannschaft der Haie aus Ihrer Sicht aus?
Ihre Geschlossenheit. Sie spielen als Mannschaft. Das ist kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander. Da ist ein System drin, die unterstützen sich, das Tempo stimmt, die Wechsel sind ordentlich. Ich wüsste im Moment nicht, was man da viel besser machen sollte.
Wie bewerten Sie den Einfluss von Trainer Kari Jalonen auf die Kölner Mannschaft?
Das ist von außen schwer zu beurteilen, aber die Ergebnisse sprechen natürlich für ihn. Ich habe den Eindruck, dass er klare Vorgaben macht und die Mannschaft das umsetzt. Sonst kannst du nicht so erfolgreich sein. Die Spieler ziehen das durch, was vorgegeben wird. Wenn das nicht so wäre, würden sie nicht da stehen, wo sie jetzt stehen.
Wie gefällt Ihnen die Spielweise der Haie?
Sehr gut. Das ist modernes Eishockey: schnell, technisch anspruchsvoll. Es geht viel über Geschwindigkeit. Überhaupt wird das Spiel immer schneller. Früher wurde mehr hin und her gespielt, heute geht alles viel direkter. Wer schneller ist, hat Vorteile. Da ist das gute, schnelle Passspiel der Haie ein großer Vorteil.
Sie haben sich auch die Statistiken angeschaut. Was fällt Ihnen auf?
Wenn man sich die Gegentore anschaut, hatte Köln am Anfang der Saison mehr als andere Spitzenmannschaften. Aber dann kam der neue Torwart dazu, Janne Juvonen – und plötzlich läuft es in eine andere Richtung. Wenn er schon früher da gewesen wäre, wäre das vielleicht noch besser geworden. Für mich ist er der entscheidende Faktor.
Erklären Sie das bitte.
Der Torwart macht im Eishockey fast 50 Prozent aus. Das war früher schon so und ist heute noch so. Deshalb sehe ich es so: Wenn Juvonen gesund bleibt und konstant spielt, hast du eine ganz andere Stabilität. Er ist die Ruhe selbst. Ich habe ihn genau beobachtet: Wenn das Spiel unterbrochen wird, fährt er ein Stück raus, hockt sich hin und bleibt konzentriert. Dann steht er wieder in seiner Position – und ist sofort da. Das ist für mich entscheidend. Mit einem Torwart wie Juvonen hat man eine sehr gute Chance, den Titel zu gewinnen. Hätten wir schon früher einen wie ihn gehabt, wären wir vielleicht auch früher so weit gewesen.
Juvonen ist einer von sechs finnischen Profis im Haie-Team.
Das finde ich sehr gut. Ich bin ein Freund des skandinavischen Eishockeys. Das passt gut zu unserer Eishockey-Mentalität. Diese Spielweise ist strukturiert, technisch sauber und taktisch stark. Insgesamt muss die Mischung stimmen – und das tut sie bei den Haien. Die Mannschaft ist stabil, wirkt gut vorbereitet und vor allem geschlossen. Das war in den letzten Jahren nicht immer so. Jetzt passt vieles zusammen: Organisation, Umfeld, Fans – das ist alles auf einem sehr guten Niveau. Auch der Sportdirektor, der Matthias Baldys, macht das sehr gut.
Die Kaderbreite ist größer als 2025.
Das ist sehr wichtig. Wir haben vier Reihen, die alle spielen können. Wenn sich einer verletzt, kommt der nächste rein. Da musst du dir nicht sofort Sorgen machen. Auch die jungen Spieler können das auffangen. Letztes Jahr, als wir im Finale gegen Berlin verloren haben, hatten wir vorher diese langen Serien und viele Verletzte. Das war am Ende sehr belastend. Jetzt ist die Mannschaft gesund und breiter aufgestellt. Deshalb denke ich: Wenn es diesmal nicht klappt mit der Meisterschaft, wann dann? Wenn die Mannschaft gesund bleibt, haben sie eine große Chance, endlich wieder einen Titel nach Köln zu holen – nach 24 Jahren. Ich kann kaum glauben, dass das schon so lange her ist.
Wie sehen Sie den Halbfinal-Gegner, Titelverteidiger Berlin?
Berlin ist immer eine besondere Mannschaft. Die musst du ernst nehmen. Sie hatten in der Saison viele Verletzte, aber jetzt sind viele wieder zurück. Ich habe mir die Viertelfinalspiele gegen Straubing angesehen, das war hochklassiges Eishockey. Die Berliner spielen wieder auf einem hohen Niveau. Und sie sind sehr erfahren und wissen, wie man Titel gewinnt und solche Serien spielt. Sie haben schon oft bewiesen, dass sie in den entscheidenden Momenten da sind. Diese Erfahrung darf man nicht unterschätzen.
Trotzdem sehen Sie die Haie vorne?
Ja, ich bin Optimist. Wir sind aus meiner Sicht Favorit, ich sehe es ungefähr bei 70:30 für Köln. Die Voraussetzungen sind einfach gut. Aber klar ist auch: Es wird eng und hart.
Was wird in der Serie aus Ihrer Sicht entscheidend sein?
Disziplin, wenige Strafzeiten – und wie man mit der Härte umgeht. Man darf sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Gerade in den Playoffs kann so etwas entscheidend sein. Das Spiel ist insgesamt härter geworden, da kann viel passieren. Ich hoffe, es bleibt fair. Gefährliche Fouls gehören nicht zu unserem Sport, so etwas will niemand sehen.

