Streit ums BudgetSchwere Turbulenzen bei den Cologne Crocodiles – Trainer treten zurück

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Mehrere Footballspieler liegen im Kampf um den Ball übereinander.

Die Cologne Crocodiles scheiterten 2022 im Halbfinale an Potsdam.

Headcoach David Odenthal sowie sein Trainerstab erklären ihren Rücktritt bei den Footballern. 

Das sportlich erfolgreiche Jahr 2022 endete für die Cologne Crocodiles mit äußerst turbulenten Tagen. Beim traditionsreichen Football-Verein hängt der Haussegen nach schwerem Ärger über die Aufteilung und Verwendung des Vereinsbudgets schief. Headcoach David Odenthal und sein kompletter Trainerstab erklärten nach wochenlangen Differenzen mit der Vereinsführung über die Ausrichtung des Teams der GFL (German Football League) ihren Rücktritt zum 31. Dezember.

In der Folge verkündete ein Teil der ersten Mannschaft, im Falle des Abgangs der Trainer in der kommenden Saison nicht mehr für die Kölner spielen zu wollen und richtete einen Appell zur Problemlösung an Vorstand und Hauptsponsor.

Große Hoffnungen setzt man im Klub nun auf die Vermittlung von Wolfgang von Moers. Der in den achtziger Jahren für die Crocodiles in der Bundesliga selbst als Spieler aktive Geschäftsführer der WvM Immobilien und Projektentwicklung ist dem Verein seit Jahren als Mäzen eng verbunden, sein Unternehmen steuert als Trikotsponsor den Löwenanteil zum Betrieb bei.

Ein Football-Trainer steht mit Kappe, Kopfhörern und Sonnenbrille am Spielfeldrand.

David Odenthal, zurückgetretener Headcoach der Cologne Crocodiles

Jetzt soll der Ex-Spieler den Verein vor der womöglich größten Krise seit 2001 und dem damaligen Zwangsabstieg in die fünfte Liga bewahren. Am kommenden Sonntag nimmt sich der Kölner Geschäftsmann Zeit, um die zerstrittenen Parteien an einen Tisch zu holen und bei dem Treffen auszuloten, ob die verfahrene Situation noch zu retten ist.

Für Zwist im Verein sorgt hauptsächlich die Verteilung des Sponsorengeldes. Am 23. Dezember hätten die Trainer die Planungen des Vereins erhalten und eine Woche Zeit gehabt, den schlechten Bedingungen zuzustimmen, erklärt Odenthal.

Man kann mit dem Etat, der uns zur Verfügung gestellt wird, keine wettbewerbsfähige Mannschaft für die Erste Liga stellen.
David Odenthal, zurückgetretener Headcoach der Cologne Crocodiles

Nicht zuletzt der sportliche Erfolg in der zurückliegenden Saison mit dem unerwarteten Erreichen des Halbfinales um die Deutsche Meisterschaft entpuppte sich für die Crocodiles als Pyrrhussieg. Zwar hat David Odenthal, der erst zur vergangenen Saison den Cheftrainerposten von Patrick Köpper übernahm, die Mannschaft zum größten Erfolg seit dem Titelgewinn 2000 geführt, doch richtige Feierlaune kam beim Vorstand aufgrund der mit der guten Entwicklung verbundenen Kosten nicht auf. In der Jahresplanung des GFL-Teams war die Saison-Zugabe mit zwei kostspieligen Auswärtsspielen in den Playoffs offenbar nicht, oder zumindest nicht ausreichend vorgesehen.

Zusätzliche Reisekosten (Fahrten, Übernachtung und Verpflegung) für den rund 60 Personen starken Tross nach München und Potsdam sowie eine längere Bezahlung und unvorhergesehene Boniforderungen der nordamerikanischen Importspieler hätten das Budget des Vorjahres gesprengt, erklärt Crocodiles-Sportdirektor Dirk Ghadamgahi. „Wir können nur das Geld ausgeben, über das wir tatsächlich verfügen und wollen uns in der kommenden Saison nicht verschulden.“

Das Budget für die erste Mannschaft ist 2023 identisch zu dem des Jahres 2022. Das GFL Team bekommt 95 Prozent des Gesamtetats, der sich aus Sponsorengeldern und Mitgliederbeiträgen zusammensetzt.
Dirk Ghadamgahi, Sportdirektor der Crocodiles

Drohende Einsparungen im Etat des GFL-Teams für 2023 wollen David Odenthal und sein Trainerstab aber nicht akzeptieren. „Man kann mit dem Etat, der uns zur Verfügung gestellt wird, keine wettbewerbsfähige Mannschaft für die Erste Liga stellen. Wir haben als Trainer auch eine Fürsorgepflicht gegenüber den Spielern und können unter diesen Voraussetzungen keine Verantwortung übernehmen“, sagt David Odenthal.

In einer schriftlichen Erklärung des Trainerstabs, die dieser Zeitung vorliegt, heißt es unter anderem: „Wir, der Coaching Stab des GFL Teams, legen mit Wirkung zum 31.12.2022 unsere Ämter nieder. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig und vielschichtig. Da dies keine einfache und kurzfristige Entscheidung ist, haben wir intern lange und intensiv gekämpft. Uns ist die schwierige Lage eines GFL Teams zum jetzigen Zeitpunkt bewusst, allerdings waren wir sehr überrascht, wie wenig Entgegenkommen und Willen uns im Hinblick auf die Planung 2023 entgegengebracht wurde. Vielmehr wurde uns ein sehr kurzer Entscheidungskorridor gesetzt, entweder drastische Verminderungen zu akzeptieren, oder die Zusammenarbeit aufzuheben...“

Eigentlich müssten die Verantwortlichen die Zeit nutzen, um Nachfolger für die in die ELF abgewanderten Leistungsträger Christian Strong, Aaron Jackson und Jarvis McClam zu suchen. In der vergangenen Woche wurden sogar die ersten Neuverpflichtung aus den USA vermeldet. Wide Receiver Tre Adger (23) vom Benedictine College und der zuletzt in Finnland aktive Linebacker Joseph Kordus (25) sollen nach Köln wechseln.

Es folgte der Budget-Streit. Von drastischen finanziellen Einschnitten gegenüber 2022 könne keine Rede sein, betont Ghadamgahi: „Das Budget für die erste Mannschaft ist 2023 identisch. Das GFL Team bekommt 95 Prozent des Gesamtetats, der sich aus Sponsorengeldern und Mitgliederbeiträgen zusammensetzt.“ (CS)

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