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Dezimierte Viktoria verliertMarian Wilhelm trotz Niederlage ein „stolzer Trainer“

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Verls Torjäger Jonas Arweiler bejubelt seinen Doppelpack, der Kölner Simon Handle schaut staunend zu.

Eine gute Halbzeit reichte dem FC Viktoria Köln nicht aus, um beim SC Verl etwas Zählbares zu ergattern. Nach der 0:2-Niederlage war von Enttäuschung im Kölner Lager aber keine Spur.

Bevor Marian Wilhelm auf der Pressekonferenz zur üblichen Spielanalyse ansetzte, übermittelte er zunächst ein paar persönliche Worte. Der Trainer des FC Viktoria sendete „beste Genesungswünsche aus Köln“ an Timur Gayret. „Unsere Gedanken sind bei ihm“, sagte Wilhelm in Richtung des Mittelfeldspielers, dessen schwere Knieverletzung wie ein Schatten auf dem 2:0 (0:0)-Heimsieg des SC Verl gegen den Höhenberger Drittligisten lag.

Gayret war kurz vor der Pause in einem Zweikampf mit Taylan Duman unglücklich im Rasen hängen geblieben. Dabei verdrehte er sich offenbar so stark das rechte Knie, dass der Verdacht auf einen Kreuzbandriss besteht. Ein herber Schlag für den 27-Jährigen, der zur kommenden Saison mit seinem bereits feststehenden Wechsel zum Zweitligisten SC Paderborn eigentlich den nächsten Karriereschritt wagen wollte. Das Drama um Gayret war auch an Franz Wunderlich nicht spurlos vorbeigegangen. „Das war das Schlimmste an diesem Tag. So eine Verletzung wünscht man niemandem“, sagte Viktorias Sportvorstand.

Viktoria-Sportvorstand Franz Wunderlich legt Niederlage schnell zu den Akten

Das Spiel selbst legte Wunderlich recht zügig zu den Akten. „Man kann in Verl verlieren. Wenn wir ein bisschen konzentrierter geblieben wären, wäre vielleicht ein Unentschieden möglich gewesen“, meinte der 62-Jährige. Allerdings war es der Viktoria nach dem Seitenwechsel nicht gelungen, an die gute erste Halbzeit anzuknüpfen. Wunderlich zeigte Verständnis für den Spannungsabfall bei den zuvor dreimal in Serie siegreichen Kölnern.

„Das erste Spiel nach Erreichen des Klassenerhalts ist nie ganz einfach. Zudem waren wir personell gebeutelt“, gab der Sportvorstand nach der Niederlage beim Tabellensechsten zu bedenken. Neben den bereits bekannten Ausfällen hatten die Kölner kurzfristig auch auf Leonhard Münst verzichten müssen. Viktorias Mittelfeldchef fehlte angeschlagen. Tobias Eisenhuth konnte das Fehlen von Münst nicht kompensieren und war an beiden Gegentoren beteiligt.

Ich bin ein sehr stolzer Trainer, weil wir allen Widrigkeiten zum Trotz ein richtig gutes Spiel gemacht haben. Davor kann ich nur den Hut ziehen. Ergebnis und Leistung müssen wir voneinander trennen.
Marian Wilhelm, Trainer Viktoria Köln

Dabei waren die Gäste vielversprechend gestartet. Die Viktoria verteidigte gut organisiert und ließ kaum etwas zu. Ein Fernschuss von Oualid Mhamdi (24.) war die einzige echte Verler Möglichkeit im ersten Durchgang. Umgekehrt konnten sich die Ostwestfalen glücklich schätzen, dass Köln aus seinen beiden hochkarätigen Chancen kein Kapital schlug. Jakob Sachse war in der 19. Minute wohl etwas überrascht, als er nach einer Balleroberung von Eisenhuth aus 16 Metern zum Abschluss kam.

Verls Schlussmann Philipp Schulze parierte den zu unplatzierten Versuch des Kölner Angreifers. „Da darf es gerne klingeln“, haderte Wilhelm. In der 38. Minute war Schulze erneut auf dem Posten, als Duman eine Hereingabe von David Otto wohl noch leicht berührte. „Wenn du gegen Verl etwas mitnehmen willst, musst du diese Situationen nutzen. Das haben wir leider nicht getan“, sagte Wilhelm.

Und das sollte sich rächen. Verl kam mit deutlich mehr Schwung aus der Kabine und entschied die Partie mit einem Doppelschlag für sich. In der 57. Minute brachte Berkan Taz die Kugel nach einem zunächst abgewehrten Eckball erneut in den Kölner Strafraum. Niko Kjewksi verlängerte per Kopf an den zweiten Pfosten, wo Jonas Arweiler den Ball nur noch über die Linie drücken brauchte. Eisenhuth hatte den zur Pause eingewechselten Verler Torjäger aus den Augen verloren. Zwei Minuten später unterlief Eisenhuth auf Höhe der Mittellinie einen weiten Schlag. Den daraus resultierenden Konter verwertete erneut Arweiler auf Zuspiel von Taz zum 2:0 (59.).

„Beim ersten Gegentor haben wir gepennt, beim zweiten waren wir einen Tick zu gierig“, kritisierte Wilhelm das Abwehrverhalten seines Teams. Franz Wunderlich sprach von einer „Tiefschlafphase mit zwei vermeidbaren Gegentoren“ und musste anerkennen: „Danach war die Messe gelesen. Es fehlte an Durchschlagskraft, um nochmal ranzukommen.“ Julian Stark (60.) und Mhamdi (66.) hätten das Ergebnis sogar noch deutlich gestalten können. Insgesamt aber hatten sich die dezimierten Kölner recht wenig vorzuwerfen. Das sah auch Wilhelm so: „Ich bin ein sehr stolzer Trainer, weil wir allen Widrigkeiten zum Trotz ein richtig gutes Spiel gemacht haben. Davor kann ich nur den Hut ziehen. Ergebnis und Leistung müssen wir voneinander trennen.“

Viktoria Köln: Schulz – Boboy, Dietz, Kloss – Velasco, Eisenhuth, Wolf, Handle – Otto (78. Popp), Duman (78. Vega Zambrano) – Sachse (58. Zank). – Tore: 1:0, 2:0 Arweiler (57., 59.).