Kölner Sportrichter spricht von „Wettbewerbsverzerrung“, Politiker solidarisiert sich mit Ehrenfelder Klub.
Kölner Kreisliga-SkandalFür den SC West ist Aufgabe keine Option

Die Apenrader Straße, Heimat des SC West Köln in Ehrenfeld
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Aktuell gehen fast täglich neue Anträge, Beschwerden und Briefe des SC West beim Fußballkreis Köln und beim Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) ein. Der Ehrenfelder Verein wehrt sich weiter mit Händen und Füßen gegen den kampflosen Abstieg in die Kreisliga B. Der SC West ist der Leidtragende des umstrittenen Wiederholungsspiels zwischen dem FC Pesch II und Olympia Köln (4:2), das den Peschern mehrere Wochen nach Saisonende mit den Spielern seiner Landesliga-Mannschaft den Klassenerhalt sicherte. „Ich setze mich mit allen Mitteln dafür ein, dass wir auch in der neuen Saison in der Kreisliga A antreten“, sagt Kurt Nürnberg, Vorsitzender des SC West.
Der Klubchef wandelt irgendwo zwischen Verzweiflung und Galgenhumor, wenn er von seinem Kampf gegen die Rechtsprechung der Sportgerichte erzählt. „Das geht auch an die Gesundheit“, sagt Nürnberg. Doch Aufgabe ist keine Option: „Es ist eine Wettbewerbsverzerrung, das kann man nicht akzeptieren. Wir werden nicht kleinbeigeben.“ Der Klub will bei seinem Kampf um seine sportliche Zukunft einen Anwalt einschalten. Ziel ist es, dass der Kölner Fußballkreis am Ende doch einer Aufstockung der Kreisliga A auf 17 Mannschaften zustimmt. Auch Pesch befürwortet diese Variante. Allerdings wurde dieser Antrag bereits zweimal vom Fußballkreis mit Verweis auf Konflikte mit dem Regelwerk des Westdeutschen Fußballverbands (WDFV) abgelehnt.
Oliver Seeck sieht ein „falsches Signal“
Der SC West und Olympia hatten zudem Einsprüche gegen die Wertung des Wiederholungsspiels eingelegt, das Kreissportgericht lehnte beide als unbegründet ab. West hat dagegen Berufung eingelegt. Parallel wollten die Ehrenfelder aufgrund von vermeintlicher Befangenheit einen Verfahrensausschluss gegen den Kreissportgerichts-Vorsitzenden Axel Zimmermann erwirken – der hatte in der Jugend für den FC Pesch gespielt und lebt noch heute in dem linksrheinischen Stadtteil. Auch dieser Antrag wurde zurückgewiesen, zumal Zimmermann das ursprünglich abgebrochene Kreisliga-Spiel zwischen Pesch II und Olympia Köln noch gegen Pesch gewertet hatte. Erst in höherer Instanz wurde der Spielabbruch durch den nach eigenen Angaben von einem Pescher Akteur bedrohten Schiedsrichter als unzulässig beurteilt – weshalb es überhaupt zum Wiederholungsspiel kam.
Unterstützung erhält der SC West aus der Lokalpolitik. „Dass am Ende der unbeteiligte SC West Köln die sportlichen Konsequenzen tragen soll, empfinde ich als ein aus meiner Sicht falsches Signal. Es wirft die grundsätzliche Frage auf, wie wir als Fußballfamilie mit dem Schutz unserer Unparteiischen umgehen wollen“, sagt Oliver Seeck (SPD), Vorsitzender des Kölner Sportausschusses. „Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen hier noch einmal genau hinschauen und eine gute, ausgewogene Lösung finden, damit der SC West nicht unverschuldet den Kürzeren zieht.“
Axel Zimmermann sieht kaum Aussicht auf Erfolg
Klubchef Nürnberg weiß, dass seine vielen Anträge nur wenig Aussicht auf Erfolg haben, zumal ihm sein bisweilen penetrantes Nachhaken beim Kreis und Verband nicht viele Freunde gemacht hat. „Ob manchmal weniger womöglich mehr ist, muss jeder selbst für sich entscheiden“, sagt Werner Jung-Stadié, Chef des Fußballkreises Köln. Sportrichter Zimmermann kann die Wut des SC West verstehen. Obwohl sein Gericht den Einspruch des Klubs gegen die Wertung des Wiederholungsspiels zurückgewiesen hatte, stellt er im Verhalten des FC Pesch einen Verstoß gegen den Fairplay-Gedanken fest: „Wir haben es als Wettbewerbsverzerrung gesehen, dass der FC Pesch im Wiederholungsspiel quasi mit seiner ersten Mannschaft angetreten ist.“ Doch hätten die Bestimmungen den Einsatz der Spieler gedeckt. Weshalb sich der SC West auch auf eine Saison in der Kreisliga B einstellen sollte. „Ich sehe bei den Anträgen des SC West keine Aussicht auf Erfolg“, sagt Zimmermann.
Der Sportrichter steht zu seinem Urteil aus erster Instanz gegen den FC Pesch II, in dem er den Schilderungen des Schiedsrichters gefolgt war. „Unserer Auffassung nach war es gerechtfertigt, dass der Schiedsrichter das Spiel abgebrochen hat. Bedrohung ist ein subjektives Empfinden, das kann ihm niemand nehmen. Und ein Schiedsrichter muss sich nicht erst schlagen lassen, damit es zu einem Abbruch kommt“, sagt Zimmermann. Doch könne er nachvollziehen, dass das Bezirkssportgericht festgestellt habe, dass der Schiedsrichter nicht alle Mittel zur Fortsetzung des Spiels ausgeschöpft habe. „Es ist so, dass Gerichte unterschiedliche Auffassungen haben können. Wir haben die Entscheidung des Bezirkssportgerichts sportlich genommen. Sie ist juristisch nachvollziehbar. Leider ist es so, dass rechtliche Entscheidungen nicht immer die sportliche Fairness reparieren.“
Fußballkreis Köln ist mit seinem Vorgehen auch rückblickend zufrieden
Für SPD-Politiker Seeck wirft das Urteil des Bezirkssportgerichts Fragen auf: „Was sich hier abgespielt hat, stimmt mich mehr als nachdenklich. Ein Schiedsrichter sah sich in einer Drucksituation gezwungen, ein Spiel abzubrechen, und hat seine Laufbahn im FVM danach beendet. Das bedauere ich sehr. Unsere Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter tragen im Amateurfußball eine enorme Verantwortung, oft ganz auf sich allein gestellt, und verdienen unseren vollen Rückhalt und Schutz.“
Ungeachtet der laufenden Verfahren hat der Fußballkreis Köln inzwischen die Einteilung der Kreisliga A veröffentlicht – der SC West ist nicht mit dabei. Das könne sich, betont der Vorsitzende Jung-Stadié, nach einem entsprechenden Urteil noch ändern. Bis dahin ist der Fußballkreis mit seinem Vorgehen in der Kreisliga-Posse zufrieden. „Ich kann keine eklatanten Versäumnisse erkennen. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt“, so Jung-Stadié.
