Der Klub nimmt nach dem Weg durch mehrere Instanzen den Abstieg in die Kreisliga B keineswegs klaglos hin und positioniert sich in zwei Statements.
Kölner Kreisliga-SkandalSC West fordert Funktionäre des Fußballkreises Köln zum Rücktritt auf

Der SC West Köln tritt in der Saison 2026/2027 in der Kreisliga B an.
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Am Ende war dem SC West Köln der Kampf gegen die Fußballverbände und deren eiserne Paragraphen doch zu mühsam und aussichtslos. Der Ehrenfelder Klub hat seine juristischen Versuche, den kampflosen Abstieg in die Fußball-Kreisliga B doch noch abzuwenden, eingestellt und wird in der neuen Saison in der drittniedrigsten Klasse des Amateurfußballs antreten. Allerdings unter großem Protest – und verbunden mit einer Rücktritts-Aufforderung an mehrere Funktionäre des Kölner Fußballkreises und des Fußball-Verbands Mittelrhein (FVM).
„Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben bei uns tiefe Enttäuschung, Fassungslosigkeit und Unverständnis hinterlassen. Der SC West möchte unmissverständlich klarstellen, dass wir uns vom Verhalten des FC Pesch ebenso im Stich gelassen fühlen wie von den Entscheidungen der zuständigen Sportgerichte, des Kreisvorstands, des Spielausschusses und des Fußball-Verbands Mittelrhein“, erklärte der Klub gegenüber dieser Zeitung.
Antrag des SC West auf Erweiterung der Liga wird abgelehnt
Ursache der Verbitterung ist die Neuansetzung des Spiels zwischen dem FC Pesch II und dem ESV Olympia. Der Schiedsrichter hatte die Partie der Kreisliga A am 13. Juni beim Stand von 4:3 für Olympia kurz vor Schluss abgebrochen, weil er sich von einem Spieler des FC Pesch bedrängt und bedroht fühlte. In erster Instanz wertete das Kreissportgericht die Begegnung mit 2:0 für Olympia und verhängte eine Sperre von sechs Spielen gegen den Pescher Spieler, der dem Schiedsrichter aggressiv gegenübergetreten sein soll. Wäre es bei dieser Entscheidung geblieben, wäre der FC Pesch II in die Kreisliga B abgestiegen, der SC West hätte den Klassenerhalt sicher gehabt.
Das Bezirkssportgericht unter Vorsitz von Norbert Schneider kassierte das Urteil allerdings und setzte das Match neu an, weil der Schiedsrichter nicht alle Möglichkeiten zur Fortsetzung des Spiels ausgeschöpft habe. Die Wiederholungspartie fand Mitte Juli und damit nicht mehr in der Saison 2025/26, sondern in der Spielzeit 2026/27 statt. Das ermöglichte es dem FC Pesch mit seinem Landesliga-Team anzutreten, weil kein Spieler festgespielt war. Von dieser Möglichkeit machte der Klub vollumfänglich Gebrauch und setzte sich im Wiederholungsspiel mit 4:2 durch. Pesch war gerettet, der SC West rutschte auf einen Abstiegsplatz. Die Ehrenfelder bemühten sich mehrfach vergeblich um eine Aufstockung der Kreisliga A von 16 auf 17 Mannschaften.
„Dass dieses Spiel überhaupt wiederholt wurde, ist für uns bis heute nicht nachvollziehbar. Noch weniger nachvollziehbar ist, dass dem FC Pesch im Wiederholungsspiel der Einsatz seines Landesliga-Kaders ermöglicht wurde“, heißt es vom SC West. „Und selbst am Ende gab es noch die Möglichkeit, im Sinne der Fairness und Gerechtigkeit die Kreisliga A für eine Saison temporär aufzustocken, um den offensichtlichen Härtefall für den SC West zu vermeiden. Auch dieser Weg wurde nicht gegangen."
Der SC West legte Protest gegen Wertung des Wiederholungsspiels ein. In erster Instanz lehnte das Kreissportgericht den Einspruch als unbegründet ab. Die Ehrenfelder wollten Berufung einlegen – und sahen sich einmal mehr mit den Tücken der Paragraphen konfrontiert. Zwar hatte der Klub form- und fristgerecht die Berufung bis zum Freitag vergangener Woche eingelegt. Doch die erforderliche Rechtsmittelgebühr in Höhe von 50 Euro wurde vom Vereinsvorsitzenden Kurt Nürnberg erst am Samstag überwiesen. Obwohl auch eine Überweisung vom Freitagnachmittag wohl erst am Montag beim Kreissportgericht eingegangen wäre, kannten die Juristen keine Gnade und wiesen die Berufung aufgrund der zu späten Zahlung ab. Axel Zimmermann, der Vorsitzende des Gerichts, ließ Nürnberg in einer Mail wissen: „Abschließend regt das Gericht für die Zukunft an, dass Sie die Schriftstücke sorgfältig und vollständig lesen.“
Im Zuge des Kölner Kreisliga-Skandals, der durch Medienberichte und Social-Media-Postings des ESV Olympia bundeweit für Aufsehen sorgte, fordert der SC West personelle Konsequenzen. „Der SC West fordert Werner Jung-Stadié, Markus Vogelsberg, Eugen Müller und Kai Köhler aus dem Kreisvorstand, Martina Lambertz aus dem Spielausschuss sowie Norbert Schneider vom Bezirkssportgericht auf, ihre Ämter mit sofortiger Wirkung niederzulegen“, erklärte der Klub gegenüber dieser Zeitung. „Die Entscheidungen der vergangenen Wochen haben aus unserer Sicht eindrucksvoll gezeigt, dass diese Verantwortlichen das Vertrauen eines großen Teils der Fußballgemeinschaft verloren haben. Wer den Amateurfußball repräsentiert, muss Fairness, Glaubwürdigkeit und den Schutz des Sports über alles andere stellen. Genau das ist nach unserer Überzeugung nicht geschehen.“
Amateurfußball lebt nicht von Paragraphen allein. Er lebt von Leidenschaft, Fairness, gesundem Menschenverstand und dem Willen, gerechte Lösungen zu finden. Wer diese Werte aus den Augen verliert, sollte nicht länger über die Zukunft von Vereinen und Spielern entscheiden dürfen
Und weiter: „Amateurfußball lebt nicht von Paragraphen allein. Er lebt von Leidenschaft, Fairness, gesundem Menschenverstand und dem Willen, gerechte Lösungen zu finden. Wer diese Werte aus den Augen verliert, sollte nicht länger über die Zukunft von Vereinen und Spielern entscheiden dürfen.“ Der Fußball im Kreis Köln brauche einen Neuanfang.
Jung-Stadié, der Vorsitzende des Fußballkreises, erklärte auf Anfrage, die Forderungen des SC West zur Kenntnis genommen zu haben – allerdings hätten sie ihn noch nicht auf offiziellem Weg erreicht. Weshalb Jung-Stadié noch keine Reaktion abgeben wollte. Zuletzt war der Fußballkreis mit seinem Vorgehen in der Kreisliga-Posse zufrieden. „Ich kann keine eklatanten Versäumnisse erkennen. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt“, sagte Jung-Stadié in der vergangenen Woche.
