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Viktoria Kölns PokalsiegSchmerz, Jubel und der Traum vom 1. FC Köln

4 min
Pokalsieger 2026: der FC Viktoria Köln um Tobias Eisenhuth (vorn)

Pokalsieger 2026: der FC Viktoria Köln um Tobias Eisenhuth (vorn)

Simon Handle beendet seine Karriere mit einem Derby-Final-Triumph. Trainer Marian Wilhelm hat einen großen Pokal-Wunsch.

In den Momenten des großen Triumphs spielt der Schmerz schlichtweg keine Rolle bei Simon Handle. Mit einem Megafon in der Hand erklimmt der 33-Jährige den Zaun von Viktoria Kölns kleinem Fanblock und leitet von hoch oben die Pokalsieger-Feierlichkeiten an. Der Routinier bejubelt nicht nur den elften Höhenberger Triumph im elften Pokalfinale, nicht nur seinen persönlich sechsten Cup – sondern auch noch den perfekten Abschluss seiner Profi-Laufbahn. Handle hat seine Karriere aus familiären Gründen beendet. Auf dem Höhepunkt seines sportlichen Schaffens, die vergangene Saison war seine stärkste von insgesamt neun in Köln. Nun ist Schluss, er widmet seiner Familie mehr Zeit. „So aufzuhören, ist eine coole Geschichte“, sagt Handle mit der „Pokalsieger“-Sonnenbrille auf der Nase, einem Hut auf dem Kopf und einem breiten Grinsen im Gesicht. Der schmerzende Fuß ist da eher eine Bagatelle, „aber natürlich muss das abgeklärt werden“, so der Dauerbrenner auf dem linken Flügel. Noch vor der Saisonabschlussfeier verabschiedet sich Handle ins Krankenhaus. Diagnose: gebrochener Zeh. „Ich werde einbeinig tanzen. Ich habe eine gute Beinachsen-Stabilität. Das wird schon funktionieren.“

Simon Handle bricht sich in der ersten Halbzeit den Zeh

Die Viktoria setzte sich am Samstagnachmittag im Elfmeterschießen 6:5 gegen den Erz- und künftigen Drittliga-Rivalen Fortuna Köln durch – vor über 8200 Zuschauern im Sportpark Höhenberg. Schon in der zähen ersten Halbzeit bricht sich Handle in einem Zweikampf den Zeh, beißt aber auf die Zähne. Nach dem Seitenwechsel gibt es die ersten Chancen der Partie, Viktoria ist gefährlicher, trifft aber das Tor nicht: Pfosten, Latte, auf der Linie geklärt, Handelfmeter verweigert. „Ich dachte schon, das wäre ein böses Zeichen“, sagt Viktorias Sportvorstand Franz Wunderlich. Fortuna hat einige Konterchancen, ist jedoch im Abschluss zu harmlos.

Ab der 72. Minute verfolgt Handle die Partie von draußen, Trainer Marian Wilhelm hat seinen humpelnden Kapitän unter großem Applaus der Höhenberger Fans ausgewechselt. „Er hat es durchgezogen, solange er laufen konnte“, berichtet der Coach. Von dort sieht Handle den abschließenden Elfmeter-Krimi: Nach elf mehr oder weniger sicheren Versuchen hält Arne Schulz den Schuss von Fortunas Dejan Galjen – und verschwindet wenig später in einer Jubeltraube. „Unglaublich, es war ein verdienter Sieg. Ein Kompliment an Fortuna. Sie haben uns einen großen Fight geboten und sind zurecht aufgestiegen. Für die Viktoria freue ich mich auf die Derbys in der nächsten Saison“, sagt Handle. Er werde seine Mannschaft aus der Ferne verfolgen und, wenn es die Zeit erlaubt, im Stadion vorbeischauen. Er habe ein lachendes und ein weinendes Auge, wenn er an Handles Abschied denke, erklärt Trainer Wilhelm: „Ein unfassbarer Spieler. Wenn so ein toller Mensch den Klub verlässt, tut das weh. Er hat mit seiner Art und Weise für den Klub gestanden, wie kaum ein anderer.“

Perfekter Saisonabschluss für Marian Wilhelm

Für Wilhelm ist es ein perfekter Abschluss seiner ersten Saison als Cheftrainer im Profibereich. Obwohl er als Nachfolger von Olaf Janßen die Mannschaft komplett neu aufbauen musste, wurden alle Saisonziele erreicht. „Wir hatten auch nach noch 120 Minuten Power. Die Jungs haben mich vor Spannung fast bersten lassen, ich hätte mir gewünscht, dass wir es früher entscheiden. Das Elfmeterschießen hätte ich nicht gebraucht – aber für das Derby und für die ausverkaufte Hütte gibt es vermutlich nichts Schöneres“, sagt Wilhelm. Das Finale war ein vielversprechender Vorgeschmack auf die beiden Drittliga-Derbys der kommenden Saison. „Es war ein würdiges Endspiel“, sagt Wunderlich. „Und von diesen Duellen lebt die Stadt, lebt der Fan, lebt der Fußball. Das will man sehen.“ Fortuna habe gesehen, was in der Dritten Liga auf sie zukommt. „Das werden zwei heiße Spiele nächste Saison. Wir fahren über die Zoobrücke und sind beim Gegner.“

Simon Handle gibt trotz seines gebrochenen Zehs den Einpeitscher auf dem Zaun.

Simon Handle gibt trotz seines gebrochenen Zehs den Einpeitscher auf dem Zaun.

Doch vor den weiteren Planungen, bei Viktorias Kader sind noch einige Baustellen offen, steht zunächst eine Party auf dem Programm. „Wir werden richtig feiern, ich mache das Handy aus und trinke mir einen“, verkündet Wunderlich. Mannschaft, Trainerteam, Klubführung und Mitarbeiter feiern den Pokalsieg bis in die Nacht in einem Poller Beachclub. Es gibt emotionale Abschiedsworte von Wunderlich und Kapitän Christoph Greger für Handle, Florian Engelhardt und den ebenfalls scheidenden Athletiktrainer Florian Braband. Teile der Mannschaft ziehen anschließend weiter durchs Kölner Nachtleben.

Marian Wilhelm wünscht sich den 1. FC Köln

Party-Thema war mit Sicherheit die Auslosung der ersten Runde des DFB-Pokals 2026/27. Einige Hochkaräter hatte die Viktoria in den vergangenen Jahren gezogen: Bayer 04 (2015), RB Leipzig (2018) und das „Jahrhunderspiel“ gegen den FC Bayern (2022). Das Highlight war aber noch nicht dabei, Trainer Wilhelm hat für die kommende Saison einen klaren Wunsch: „Man geht da eigentlich immer etwas defensiv ran. Aber ich wünsche mir schon seit Jahren den 1. FC Köln. Was Schöneres kann es in Köln nicht geben, als den FC als Pokalgegner zu ziehen. Ich bin ja jetzt schon seit 17 Jahren dabei – bislang haben wir den FC noch nicht gezogen. Ich würde mich sehr freuen.“