Köln – Der Begriff „Achterbahn“ mag bei einem Radrennen deplatziert wirken. Gerade wenn es um das älteste, noch existierende Profiradrennen Deutschlands geht. Doch vor der 104. Auflage von „Rund um Köln“ am 22. Mai sind tatsächlich viele Aufs und Abs zu bemerken.
Nach Corona geht es mit neuem Schwung weiter
Sei es beim Wechsel des Veranstalters, der Pandemie-bedingten Pause von zwei Jahren oder der neuen, ökonomischeren Streckenführung. „Nach der schwierigen Zeit der letzten Jahre soll es jetzt ganz einfach werden“, sagt Frank Stein als Bürgermeister in Bergisch Gladbach. Vor dem Neustart wolle man „nur mit Begeisterung nach vorne schauen“. Auch wenn der Gemeindevorsteher selbst eher Freizeitradler ist, hat er von Bergisch Gladbach aus eine besondere Verbindung zu den wichtigsten Personen des Rennens und hilft wo er kann.
Köln-Marathon GmbH will Rennen professionalisieren
Besonders freut er sich über Artur Tabats fortwährendes Engagement. Dieser hatte den Radklassiker seit 1971 als Veranstalter hochleben lassen und erst 2018 erkannt, dass seine Kräfte mit fast 80 Jahren nachlassen. „Zu meinem runden Geburtstag war der größte Wunsch dann, dass es weitergeht“, berichtet Tabat von den schweren Zeiten, als die Veranstaltung 2020 und 2021 Corona-bedingt absagt werden musste. Nach 45 Jahren harter Arbeit hatte Tabat die Bürde des Veranstaltens für 2019 erst an seinen ehemaligen Assistenten vom Verein Cölner Straßenfahrer, Alexander Donike und jüngst an Markus Frisch und dessen Köln Marathon-GmbH abgegeben.

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Wie deren Name schon sagt, richtet sie seit Jahren den Marathon in der Domstadt aus und betonte nun, dass der Rad-Klassiker fortgeführt und mittelfristig auch professionalisiert werden soll. „Artur Tabat wird immer Teil des Rennens bleiben“, erklärt Frisch zunächst, „seine Expertise ist unbezahlbar und es wäre unklug, das Rad neu erfinden zu wollen.“ Gerade in Pandemie-Zeiten, in denen ehrenamtliche Helfer genauso rar sind, wie treue Sponsoren, möchte der Veranstalter die „gute Organisation von 2019“ nutzen und „selbst auch erstmal dazu lernen“. „Wenn statt 42 Kilometer Laufstrecke jetzt 220 Kilometer fürs Radfahren gesperrt werden müssen, ist das vom Prinzip her gleich, aber schon eine andere Herausforderung“, weiß Frisch.
Beim Jedermann sollen perspektivisch 6000 Menschen teilnehmen
Erst mittelfristig sollen dann Bereiche wie „Kommunikation“ oder „Teilnehmer-Service“ qualitativ angehoben werden. Auch das Jedermann-Rennen möchte er noch niederschwelliger aufstellen, sodass statt etwa 4000 irgendwann 6000 Teilnehmer möglich sind. Aktuell sind finanziell aber keine großen Sprünge möglich. Frisch berichtet von vielen Gesprächen und großer Dankbarkeit gegenüber den Sponsoren. „Wir können aber sowohl bei den lokalen Unternehmen als auch bei den Helfern gut einen Aufruf starten.“
Auch hier tut Tabats Netzwerk und das große Telefonbuch gut. Darin stand nämlich auch die Nummer von André Greipel. Auch wenn der Ex-Profi und elffache Tour de France-Starter „eigentlich etwas anderes als diesen Posten“ auf der Agenda hatte, erklärte er sich bereit, die Sportliche Leitung der 104. Auflage zu übernehmen. „Ich verbinde eine Hass-Liebe mit ‚Rund um Köln‘“, berichtet der 39-Jährige, der 2010 und 2016 jeweils „nur“ Zweiter im Elite-Rennen geworden war, vor 19 Jahren aber immerhin als U23-Fahrer gesiegt hatte. Für die neue Streckenplanung hat der ehemalige Sprinter einiges übrig. „An vielen Stellen ist es viel, viel schwerer. Aber eben auch sehr attraktiv“, meint er und denkt nicht nur an den neuen Start vom Rheinau-Hafen über die Severinsbrücke, Richtung Kalk und auf die Bergisch Gladbacher Straße.
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Vor allem wenn es über Altenberg, den „Brennpunkt“ Spitze und Wipperfeld dann auf die erste von zwei Schleifen am Agathaberg geht, sind alle Profis gefordert. „Da oben war oft Volksfest-Stimmung“, erinnert sich der Wahl-Hürther, „das hat dann schon Flandern-Rundfahrt- oder sogar Tour de France-Charakter.“ Abgesehen von den Neuerungen wurden auf der 192,1 Kilometer langen Elite- aber auch auf den 125 bzw. 70 Km-Strecken für die Jedermänner einige „Klassiker“, wie der Kopfsteinpflaster-Anstieg zum Schloß Bensberg und auch die Zieleinfahrt am Rheinau-Hafen beibehalten. „Es geht viel rauf und runter, wie bei einer Achterbahn“, schließt Markus Frisch die Ausführungen. Und auch wenn der neue Veranstalter explizit die Topografie der neuen Strecke meint, könnten auch andere Themen bei „Rund um Köln“ gemeint sein.
Kölner Nils Politt könnte starten
Nicht nur für den Veranstalter und die Radsport-Fans sind die Coronaschutzverordnungen vor der 104. Auflage von „Rund um Köln“ maßgebend. Bis zum neuen Starttermin am 22. Mai müssen wohl auch die Teilnehmer – egal ob Profis oder Jedermann- bzw. Frau – noch mehrfach in die Glaskugel schauen. Der neue Veranstalter des Radklassikers, Markus Frisch spricht beim Starterfeld aber von „großem Zulauf“. Schließlich kollidiert der Klassiker 2022 „nur“ mit dem Giro d’Italia und könnte für alle anderen Profis der Startschuss für die finale Tour de France-Vorbereitung sein. „Das Team ‚Bora – hansgrohe‘ hat sich schon angekündigt“, verrät Frisch. Zu den prominentesten Startern könnte also Nils Politt gehören. Der 27-jährige Kölner gewann 2021 nicht nur die zwölfte Etappe der Tour de France, sondern auch die Gesamtwertung der Deutschland Tour. alw


