Köln – Es war die wohl größte Razzia in Sachen Fußballkriminalität in Deutschland: Mit 400 Beamten ist die Polizei am Mittwoch gegen mehrere Tatverdächtige vorgegangen, die an den schweren Fußballkrawallen von Nizza beteiligt gewesen sein sollen. Dazu wurden Wohnungen und Häuser von 16 mutmaßlichen Tatbeteiligten in Köln und weiteren nordrhein-westfälischen Städten durchsucht, wie die Ermittler am Mittwoch vor Journalisten in der Domstadt mitteilten.
Haftbefehl gegen fünf Beschuldigte
Die Maßnahmen standen im Zusammenhang mit den Krawallen beim Fußballspiel zwischen OGC Nizza und dem Bundesligisten 1. FC Köln. Gegen fünf Tatverdächtige seien Haftbefehle erwirkt worden, sagte Kriminaldirektor Michael Esser. Bei den restlichen Verdächtigen bestehe der Anfangsverdacht einer Straftat. Die Polizei beschlagnahmte bei den Durchsuchungen etliche Beweismittel - darunter auch Schlagstöcke und Handys der Verdächtigen. Davon erwartet sich die Polizei nun Hinweise auf weitere Täter. „Es soll nicht bei diesen 16 bleiben“, sagte Esser weiter.

Fußball-Chaoten bewarfen sich mit diversen Gegenständen.
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Drei der mutmaßlichen Täter sind den Angaben zufolge als Intensivtäter bekannt. Zudem sind alle Verdächtigen in der Datei „Gewalttäter Sport“ eingetragen. Dabei handelt es sich um eine Verbunddatei der Polizeien der Länder sowie der Bundespolizei. Die Verdächtigen traten demnach bereits mehrfach bei Gewaltstraftaten im Sport in Erscheinung.
Auch Wohnungen in Hürth, Pulheim und Bergisch Gladbach durchsucht
15 Verdächtige sind nach Behördenangaben Ultragruppierungen oder der Hooliganszene zuzuordnen. Von den Verdächtigen wohnen 13 im Kölner Stadtgebiet. Daneben durchsuchte die Polizei Wohnungen in Hürth, Pulheim und Bergisch Gladbach.
Am 8. September gab es in Nizza Auseinandersetzungen im Stadion und im Umfeld, mehrere Menschen wurden verletzt. Auf einem nach den Krawallen vom Landeskriminalamt eingerichteten Hinweisportal gingen mehrere hundert Hinweise ein, welche die Ermittlungen unterstützten. Unter den knapp 800 hochgeladenen Dateien hätten sich rund 600 Videos befunden, sagte Esser.
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Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn sprach von „Schwerkriminellen“, die in Nizza bei den Ausschreitungen beteiligt waren. „Es sind keine Fans. Es sind Menschen, die die Tötung billigend in Kauf nehmen“. Es sei „sinnentleerte Brutalität“, sagte Willuhn weiter. Der Ankläger in Sachen Fußballkriminalität betonte, dass es so nicht weiter gehe könne. Es komme in Köln immer wieder zu schweren Vorfällen mit Kölner Gewalttätern. (mit AFP)



