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Kölner Rhein-PegelWarum die Rhein-Rundfahrten trotz Niedrigwasser stattfinden können

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14.08.2026 Köln. Das Niedrigwasser im Rhein beeinträchtigt die Ausflugsschifffahrt. Die Pegelstände am Rhein bewegen sich weiterhin auf historisch niedrigem Niveau. Aktueller Pegel: 0,51m. Foto: Alexander Schwaiger

Steiler Einstieg: Wegen des Niedrigwassers haben die Brücken zu den Schiffen eine ungewöhnliche starke Neigung.

Mit flacheren Schiffen und teilweise geänderten Routen bieten Kölner Unternehmen die beliebten Schiffsausflüge an. 

Am Rheinufer knallt die Sonne auf den Asphalt. Vor dem Verkaufsstand der Köln-Düsseldorfer (KD) tummeln sich Menschen, um Tickets für Rundfahrten zu kaufen. Wer eines der weißen Schiffe der KD oder die des kleinen Mitbewerbers Kölntourist von der Promenade aus sehen will, muss nah an das Geländer treten. Denn der Wasserstand im Rhein ist ungewöhnlich niedrig. Teilweise ist am Ufer bereits der Flussboden zu erkennen. Andrea und Bernd, ein Ehepaar aus Essen, haben sich spontan Tickets für eine Rundfahrt gekauft. Ein Schiffsausflug bei diesem Wasserstand sei „ein bisschen komisch“, sagen sie. Trotzdem wollen sie das Rheinpanorama vom Wasser aus sehen.

Wegen des niedrigen Wasserstandes ist der Weg zu den Schiffen sehr steil, die Landebrücken haben eine ungewöhnliche große Neigung. Aus versicherungsrechtlichen Gründen darf das Schiffspersonal auch in dieser Ausnahmesituation nicht beim Ein- und Ausstieg helfen. Aber für die meisten Gäste ist das kein Problem. Das Essener Ehepaar und die Mitfahrer kommen heile an Bord.  

Ungewöhnlich frühes Niedrigwasser

Am Dienstag wurde am Rhein in Köln ein Tiefstand von 56 Zentimetern gemessen. Zum Freitag waren es dann schon nur noch 50 Zentimeter Pegel. Für Sonntag wurden nun 46 Zentimeter erwartet. Pegelstände werden jedoch nicht in der Mitte des Flusses oder der Fahrrinne gemessen, sondern ufernah. Die ausgebaggerte Fahrrinne ist deutlich tiefer, in Köln sind das 1,10 Meter. Zusammen mit dem Pegel liegt der Wasserstand in der Mitte also bei rund 1,60 Meter (1,10 Meter Fahrrinne plus 50 Zentimeter Pegel). Das bedeutet, dass viele Schiffe aktuell noch weiterfahren können, allerdings mit deutlich weniger Fracht und einem geringen Tiefgang.

KD-Pressesprecherin Nicole Becker hat ein solch frühes Hochwasser in 30 Jahren nicht erlebt.

KD-Pressesprecherin Nicole Becker hat ein solch frühes Hochwasser in 30 Jahren nicht erlebt.

Für die KD ist die Lage eine Herausforderung. Das Unternehmen feiert dieses Jahr sein 200-jähriges Bestehen und hatte sich den Sommer anders vorgestellt. „Niedrigwasser ist ein Phänomen, das uns seit rund 200 Jahren immer wieder begleitet“, sagt KD-Pressesprecherin Nicole Becker. Ungewöhnlich sei diesmal aber vor allem der frühe Zeitpunkt. „An ein so frühes Niedrigwasser kann ich mich nicht erinnern, und ich bin jetzt fast 30 Jahre dabei. Die Situation ist komplett neu und einzigartig.“

14.08.2026 Köln. Das Niedrigwasser im Rhein beeinträchtigt die Ausflugsschifffahrt. Die Pegelstände am Rhein bewegen sich weiterhin auf historisch niedrigem Niveau. Aktueller Pegel: 0,51m. Foto: Alexander Schwaiger

Die KD holte die Rhein-Galaxy, die nur einen Tiefgang von 1,20 Meter hat, von Düsseldorf nach Köln.

Trotzdem: Auf dem Kölner Abschnitt des Rheins laufen alle Rundfahrten und Eventfahrten der KD und auch von Kölntourist weiter, wenn auch teilweise mit anderen Schiffen und verkürzten Routen. Weil die KD-Schiffe nicht unter der Deutzer Brücke hindurch kommen, fahren sie „nur zu Tal“: Vom Liegeplatz nahe dem Heumarkt geht es nur flussabwärts nach Norden.

Anders sieht das am Mittelrhein aus. Zwischen Koblenz und Rüdesheim ruht der Linienverkehr der KD bereits seit über zwei Wochen. Fahrten Richtung Bonn, Königswinter und Linz sowie mehrere Rüdesheim- und St.-Goar-Touren müssen ausfallen. Auch einzelne Stationen sind gesperrt, etwa Bad Honnef, Unkel und Wesseling im Siebengebirge sowie mehrere Halte am Mittelrhein.

Schiffe aus Bonn und Düsseldorf geholt

Die KD versucht ihre Flotte mit insgesamt 15 Schiffen möglichst flexibel einzusetzen. Für dieses Wochenende wurde daher die Rhein-Galaxy beispielsweise von Düsseldorf nach Köln geholt. Sie ist das jüngste Flottenmitglied und wurde erst im Jahr 2022 gebaut. Sie hat einen besonders geringen Tiefgang von 1,20 Meter und Platz für bis zu 1000 Gäste. Dafür wechselt die Rhein-Fantasie nach Düsseldorf, wo der Pegel noch etwas höher ist. Ergänzt wird dann das Kölner Angebot durch die MS Willi Ostermann, sodass es aktuell sogar mehr Rundfahrten gibt als sonst.  

14.08.2026 Köln. Das Niedrigwasser im Rhein beeinträchtigt die Ausflugsschifffahrt. Die Pegelstände am Rhein bewegen sich weiterhin auf historisch niedrigem Niveau. Aktueller Pegel: 0,51m. Foto: Alexander Schwaiger

Die MS Moby Dick hat nur einen Tiefgang von 1,10 Meter. Sie wurde aus Bonn geholt.

Auch der Wettbewerber Kölntourist gibt Entwarnung. Die geplanten Fahrten finden weiter statt. Ermöglicht werde das durch den Einsatz besonders flacher Schiffe. Als besonderer Gast fährt vorübergehend die MS Moby Dick mit einem Tiefgang von 1,10 Meter für Kölntourist, die normalerweise in Bonn eingesetzt wird. Auch die MS Rhein-Cargo mit einem Tiefgang von 1,40 Meter und die besonders flache MS Rhein-Treue mit einem Tiefgang von nur einem Meter sind im Einsatz. „Wir können unsere Gäste beruhigen: Unsere Schiffe fahren und die geplanten Fahrten finden weiterhin statt“, sagt Geschäftsführerin Angelika Schmitz. Kölntourist kommt sogar unter der Deutzer Brücke hindurch bis zum Schokoladenmuseum, nur Rodenkirchen kann nicht mehr angefahren werden.

Geschäftsführer Michael Schmitz sieht in der Situation sogar einen besonderen Reiz: Alte Uferstrukturen, Steindeiche und historische Befestigungen würden sichtbar und machten die Fahrt „zu einer kleinen Entdeckungsreise“. Nur die Station Rodenkirchen kann von Kölntourist derzeit nicht angefahren werden.

14.08.2026 Köln. Das Niedrigwasser im Rhein beeinträchtigt die Ausflugsschifffahrt. Die Pegelstände am Rhein bewegen sich weiterhin auf historisch niedrigem Niveau. Aktueller Pegel: 0,51m. Foto: Alexander Schwaiger

Die MS Rheinland liegt zur Zeit als „Schwimmender Biergarten“ am Ufer vor dem Musical Dome.

Shiffe mit einem großen Tiefgang, wie die MS Rhein-Vision der KD und die MS Rheinland von Kölntourist können aktuell nicht fahren und wurden umfunktioniert. Seit dem Wochenende liegt die MS Rhein-Vision täglich als Café-Schiff „Dein Lieblingsplatz“ von 14 bis 22 Uhr an der Landebrücke 3. Der Eintritt ist frei und es gibt Führungen ins Steuerhaus und in den Maschinenraum. Seit Ende Juli liegt auch die MS Rheinland als schwimmender Biergarten mit Platz für bis zu 170 Gästen unterhalb des Musical Domes. Hier können Besucher dienstags bis sonntags von 14 bis 21 Uhr an Bord gehen.

Wann die Schiffe wieder normal eingesetzt werden können, hängt vom Wetter ab. Entscheidend dafür sei nicht der Regen in Köln, sondern Niederschlag am Oberrhein und in den Zuflüssen, erklärt Nicole Becker. Am Nachmittag an der Promenade hat sich die Hitze kaum gelegt. Die Sonne steht über dem Dom, unten am Ufer legt gerade das KD-Schiff ab. Andrea und Bernd genießen das Panorama. Auch bei Niedrigwasser. Viel mehr darf der Pegel allerdings nicht mehr sinken.