Der „König von Mallorca“ bekommt weniger als 200 Euro Rente im Monat und lebt dennoch auf größerem Fuß. Woran liegt das? Ein Überblick
Arme Prominente?Warum Leute wie Jürgen Drews die Rente in Deutschland so kompliziert machen

Vorgesorgt: Ramona und Jürgen Drews müssen nicht auf einem Bett im Kornfeld schlafen.
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10.000 Euro und mehr soll er einst für einen einzelnen Auftritt bekommen haben. Doch für Schlagersänger Jürgen Drews bedeuten die fantastischen Verdienste von früher keine üppige Rente. In einem Interview mit der „Bild“ bezifferte der selbst ernannte „König von Mallorca“ seine Bezüge auf weniger als 200 Euro im Monat. Doch statt sich mit so einer Armutsrente bei der Tafel anzustellen, leben Drews und seine Ehefrau auf größerem Fuß: „Davon kann ich mit Ramona einmal schön essen gehen, das war's“, sagte Drews weiter. Doch von Geldproblemen scheint der Sänger weit entfernt. „Ich habe vorgesorgt und mein Geld gut angelegt“, so Drews.
Doppelt so viele Rentner mit Sozialhilfe seit 2006
Jürgen Drews ist nicht der einzige Mensch mit einer kleinen Rente. Laut Zahlen der Rentenversicherung haben 32 Prozent der Männer und 68 Prozent der Frauen einen Rentenanspruch von unter 1000 Euro. Anders als Drews kommen viele mit dieser Rente aber nicht aus. So hat sich etwa die Zahl der Rentner, die zusätzlich Sozialhilfe bekommen, seit 2006 mehr als verdoppelt. Die Armutsquote bei Rentnern ist laut Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes etwa ein Viertel höher als die in der Gesamtbevölkerung. Gleichzeitig haben aber auch viele Menschen mit einer kleinen Rente mehr als genug zum Leben.
Renten wie die von Jürgen Drews sind ein Problem. Zumindest für die Statistik. Viele auffällig wohlhabende Menschen haben nämlich auffällig niedrige Renten. Das gilt nicht nur für Schlagersänger. Dem Alterssicherungsbericht 2024 des Bundesarbeitsministeriums ist zu entnehmen, dass Paare im Rentenalter mit einer gemeinsamen Rente von weniger als 500 Euro ein durchschnittliches Haushaltsbruttoeinkommen von ansehnlichen 5310 Euro im Monat zur Verfügung haben. Paare mit einer gemeinsamen Rente von über 2000 Euro haben mit 4411 Euro Haushaltseinkommen deutlich weniger.
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Das zeigt auch ein Blick auf die geografische Verteilung der Rentenzahlungen, welche die Fraktion Die Linke im September erfragt hatte. Demnach werden durchschnittlich die niedrigsten Renten für Männer in den wohlhabenden Universitätsstädten Freiburg und Trier bezahlt.
Kleine Rente ist nicht gleich Armut
Eine kleine Rente bedeutet also nicht unbedingt, dass man arm ist. Vor diesem Hintergrund sollte man auch skeptisch werden, wenn in der politischen Debatte mit Durchschnittsrenten argumentiert wird. Diese lag laut Rentenversicherung im Jahr 2023 beispielsweise bei 1102 Euro im Monat, also unter der Armutsgrenze.
Der Grund dafür ist, dass die Rentenversicherung vor allem für Angestellte da ist, die das System maßgeblich über ihre verpflichtenden Beiträge finanzieren. Wer fünf Jahre eingezahlt hat, hat Anspruch auf eine Rente. Ganz egal, ob er sich dann verbeamten lässt, dem Partner das Geldverdienen überlässt oder sich als „König von Mallorca“ selbstständig macht. All diese Biografien führen dazu, dass man nicht mehr in die Rentenversicherung einzahlt und keine neuen Ansprüche erwirbt. Die Rente ist dann am Ende entsprechend mager. Fünf Jahre Durchschnittsverdienst resultieren aktuell in etwas mehr als 200 Euro Rente pro Monat, also Drews-Niveau. Den Lebensunterhalt im Alter bestreitet man in solchen Fällen dann mit privater Vorsorge, staatlicher Beamtenpension oder dem eigenen Reichtum.
In der Statistik sehen Jürgen Drews oder ein versorgter Beamter aber so aus, als würden sie eine Armutsrente bekommen. Würde man niedrige Renten einfach so erhöhen, wäre das also auch ein Geschenk für wohlhabende Zeitgenossen. Bei der Rentenversicherung arbeitet man deswegen vor allem mit der sogenannten Standard- oder Eckrente. Diese resultiert aus 45 Beitragsjahren mit durchschnittlichem Verdienst und liegt aktuell bei 1850 Euro. Eine so stabile Erwerbsbiografie dürfte zugegebenermaßen ziemlich selten sein, aber bei der Rentenversicherung ist man zufrieden mit der Kennzahl.
Mini-Rente bedeutet nicht immer gleich Armut
Das hat allerdings auch Konsequenzen für die Rentenpolitik. Deswegen ist es etwa schwierig, die Rente zur Bekämpfung von Altersarmut einzusetzen. Sprich: Ein Modell, bei dem Menschen mit hohen Renten etwas abgeben, um kleinere Renten aufzubessern. Ähnliches steckt etwa hinter dem „Boomer-Soli“ den Ökonomen wie Marcel Fratzscher fordern. Denn die Rentenversicherung hat nur Daten zu den gezahlten Rentenbeiträgen. Ob eine gegebene Person 40 Jahre arbeitslos war oder ein milliardenschweres Unternehmen aufgebaut hat, geht daraus nicht hervor.
„Finanziert würde diese Aufstockung dagegen von allen Beitragszahlern der gesetzlichen Rentenversicherung, auch von denen mit geringen Einkommen“, gibt auch Gundula Roßbach, Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, zu bedenken. Um dies zu verhindern brauche die Rentenversicherung andere Daten, die sie aber nicht habe. „Solange wir in Deutschland ein fragmentiertes Alterssicherungssystem haben, ist Umverteilung im Steuersystem besser aufgehoben“, findet Roßbach. Dort hätte man auch die notwendigen Daten, um zwischen Jürgen Drews und einem Armutsrentner zu unterscheiden.

