Köln – Schon mal etwas von einen Promenadologen gehört? Nein? Das macht nichts. Es handelt sich dabei um einen bisher noch selten anzutreffenden Experten, der sich mit dem Thema Spazierengehen intensiv beschäftigt. Ich treffe an diesem Morgen einen von ihnen – den Kölner Spaziergang-Profi Jens Eike Krüger. Wir haben uns über seine Internetseite zu einem „Walk“ verabredet. Die Auswahl bestimmt dabei nicht der Profi, sondern sein Begleiter. Ich habe mich für den Weg von der Haustür in der Trierer Straße zum Arbeitsplatz im Rundschau-Gebäude an der Stolkgasse entschieden.
Die Begrüßung um 10 Uhr morgens ist locker und unkompliziert, abgesehen von dem Corona-bedingten soften Ellenbogencheck. Jens Eike Krüger ist ein junger eloquenter Mann. Schnell ist klar, wir duzen uns. Eine Einführung im eigentlichen Sinne für den kostenlosen „Walk“ gibt es nicht. Wir starten einfach. Und ich sage, wo es lang geht – was auch logisch erscheint, da von uns beiden ja nur ich den Weg kenne. Wir machen einen kleinen Umweg über den Barbarossaplatz. Denn den wollte ich nicht weglassen auf der Tour, zumal es einiges zu bereden gibt: möglicherweise der hässlichste Platz Kölns, Verkehr ohne Ende, Ort für Szeneleute wie Trinker.
Stadtführung der anderen Art
Wir halten kurz an der drei Meter hohen Eisenskulptur „Attila“ vom Schweizer Bildhauer Paul Suter, nahe der Galerie, Ecke Pantaleonswall, die gefühlt alle halbe Jahre neu renoviert und eingerichtet wird. Der Profi lässt mich reden. Ich gebe zu, etwas zu meinem Erstaunen. Die Gesprächsrunde ist keine Einbahnstraße, soll es auf keinen Fall sein.
Autor, Musiker, Künstler
2017 ist Jens Eike Krüger zum selbst ernannten Spaziergang-Profi geworden. Er ist zudem Autor, Musiker und Performancekünstler. Über seine Internetseite kann man ihn buchen.
Die Auswahl an Spaziergängen in der Stadt oder der näheren Umgebung übernimmt in der Regel der Buchende und hat dabei weitgehend freie Hand. Es ist egal, ob es sich um den Weg zur Arbeit, einen persönlichen Lieblingsweg, der Weg zu einem gewünschten Ziel oder der Wald ist. Alles wird gemeinsam erkundet, besprochen und erlebt, so das Konzept.
Ein weiteres Angebot ist der „Audio Walk“. Wer aufgrund der Corona-Krise das gemeinsame Spaziergehen scheut, kann sich ein inspirierendes, knapp einstündiges Audio-Stück für seinen privaten „Walk“ auf Krügers Seite anhören oder als Podcast herunterladen. (dhi)
www.jens-eike-krueger.de
Die gemeinsame Tour ist keine Stadtführung der anderen Art. Für den professionellen Spaziergänger ist es eher eine spezielle Form der Kommunikation. „Jeder kann seine Themen einstreuen – manchmal inspiriert von den Orten, an denen man vorbeischlendert, manches Mal aber auch völlig losgelöst davon“, so der 31-Jährige. Er hätte sich in seinen bisherigen 68 „Walks“ fast noch nie gelangweilt. Die Menschen, die ihn kontaktieren, haben ja ein Bedürfnis über ihren Weg und die Stadt zu plaudern.
Nun heißt es „Masken auf und Regenschirme aufgespannt“. Wir sind über das Griechenviertel zum Neumarkt gelangt. Ein Ort, der aktuell viele Probleme mit Drogenabhängigen und Wohnungslosen hat. Immer wieder sind die Zeitungsthemen auch unsere Themen. Aber das liegt wohl an mir. Gibt es eigentlich auch „Walks“, bei denen keiner spricht, frage ich den Profi. „Grundsätzlich eine gute Idee. Das stehe tatsächlich noch auf der Agenda – genauso wie ein Spaziergang mit einem Kind.
Der Profi empfiehlt den Blick von oben
Sonst war eigentlich alles schon mit ihm unterwegs gewesen: Akademiker, Architekten, Künstler, Lehrer oder sonst an einem Stadtspaziergang interessierte Menschen“, so Krüger. Auch die Themen des „Walks“ seien höchst unterschiedlich: Waldspaziergänge, der Gang durchs Veedel oder auch zu einem bestimmten Kiosk, bei dem es ein bestimmtes Astrologiemagazin gibt, was der Kunde dann gekauft hatte.
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Über den Appellhofplatz gelangen wir zur Burgmauer und verweilen ein wenig. Der Profi empfiehlt, in der Stadt auch mal nach oben zu schauen. Dort entdecke man oft interessante „Neuigkeiten“, die einem im meist hektischen Gang durch die Stadt entgehen würden. Spontan schaue ich nach oben. Eine ganz ansehnliche Fassade eines Hauses aus der Gründerzeit erhebt sich direkt vor mir. Wir überqueren die letzten Straßen bis wir schließlich nach rund 45 Minuten vor dem Rundschau-Gebäude stehen. Schlusspunkt, Ende des Weges. Die Arbeit kann kommen, die Gedanken haben schon einige Runden gedreht.


