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InterviewSo aktiv ist die Mafia in Nordrhein-Westfalen

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Razzia Italien Mafia

Razzia gegen den 'Ndrangheta-Clan (Archivbild)

Düsseldorf – Thomas Jungbluth ist leitender Kriminaldirektor für Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt in Düsseldorf. Landesweit verfolgen 500 Ermittler solche Delikte. Mit Jungbluth sprach Daniela Greulich.

Wie präsent ist die Mafia in NRW?

Wir haben aufgrund von Ermittlungsverfahren und Analysen in den vergangenen Jahren Anhaltspunkte dafür, dass wir Angehörige der vier großen Mafiagruppierungen auch in Nordrhein-Westfalen haben. Wir finden hier insbesondere Mitglieder der 'Ndrangheta, außerdem der Cosa Nostra, der Camorra und wohl auch der Apulischen OK (Organisierten Kriminalität, d. Red.).

Wo sind Schwerpunkte?

Von regionalen Schwerpunkten kann man nicht sprechen. Aber die 'Ndrangheta ist viel im westlichen Ruhrgebiet tätig, sie ist hierzulande vor allem durch die Duisburger Morde 2007 bekannt geworden. Die Cosa Nostra ist vor allem im Kölner Bereich aktiv, dort gibt es große Ermittlungsverfahren im Bereich Baustellenmafia. Von der Camorra kennen wir einige Ableger im östlichen Ruhrgebiet.

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In welchen Kriminalitätsfeldern ist die Mafia denn aktiv?

Neben der Baustellenmafia gibt es als klassische Delikte den Kokainhandel und Kfz-Verschiebungen. Daneben verübt die Mafia aber auch einige Gewalttaten, das zeigt insbesondere das Beispiel Duisburg, wo sechs Menschen starben. Es gab vor ein paar Jahren auch den spektakulären Fall eines Deutschen, der im Verdacht stand, Auftragsmorde für die Mafia verübt zu haben. Er hat in der Zelle Suizid begangen.

Im aktuellen Fall soll die 'Ndrangheta-Gruppierung Farao-Marincola ihre Finger im Geschäft mit Brot und Wein gehabt haben. Was heißt das?

Generell versucht die Organisierte Kriminalität, ihre Taten so zu verüben, dass die Strafverfolgungsbehörden ihr nicht auf die Spur kommen können. Dafür sind Gewalttaten wie die in Duisburg eigentlich kontraproduktiv. Das hat auch die 'Ndrangheta erkannt, für die die Morde schlecht fürs Geschäft gewesen sind. Die Kriminellen setzen auf Taten, die große Gewinne versprechen und bei denen das Entdeckungsrisiko gering ist. Da ist die Baustellenmafia ein gutes Beispiel. Ein anderes ist die Gastronomie im Verfahren der italienischen Kollegen: Dort werden Gastwirte zum Beispiel gezwungen, Produkte bei einem bestimmten Unternehmen abzunehmen.

Und wie funktioniert die Baustellenmafia?

Im Mittelpunkt steht die Nutzung von Subunternehmen, die dann über Schwarzarbeit unterhalb des normalen Preisniveaus tätig sind. Die Auftraggeber sind zufrieden, weil sie wenig bezahlen, die Arbeiter verdienen auch. Der Betrogene ist der Staat, weil die Sozialabgaben hinterzogen werden.

Wie viele Mitglieder hat die Mafia in NRW?

Wir kennen ungefähr 100 Personen, von denen wir vermuten, dass sie Angehörige der italienischen Organisierten Kriminalität sind. Allerdings können wir nicht zwingend nachweisen, dass sie schon Straftaten begangen haben.

Und die Delikte?

Die sind schwer zu quantifizieren. Wir haben zwischen 2009 und 2016 insgesamt 43 Ermittlungsverfahren bearbeitet, die sich mit der italienischen Organisierten Kriminalität beschäftigt haben.