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Bisse, Schläge, TritteImmer mehr kleine Kinder werden gewalttätig gegenüber Kita-Personal

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Immer mehr kleine Kinder zeigen sich aggressiv in der Kita.

Immer mehr kleine Kinder zeigen sich aggressiv in der Kita.

In weniger als fünf Jahren ist die Zahl der Angriffe von Kindern auf Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas förmlich explodiert, ergeben Recherchen.

Bisse, Schläge, Tritte: In nordrhein-westfälischen Kitas gehen Kinder immer häufiger auf Erzieherinnen und Erzieher los – allein im Jahr 2025 wurden mehr als 2.500 Fälle von Gewalt gemeldet. Dabei wurden die Betroffenen zum Teil schwer verletzt, wie aus Recherchen des Westdeutschen Rundfunks hervorgeht.

Eine Auswertung von Zahlen der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe belegt laut WDR einen drastischen Anstieg von 150 gemeldeten Fällen im Jahr 2021 auf 2537 Fälle im Jahr 2025.

Tritte in den Genitalbereich

Eine Kindergarten-Erzieherin aus Westfalen berichtete dem Sender von einem Streit um Spielzeug, der plötzlich eskalierte. Ein Kind habe massiv auf ein anderes eingeschlagen und getreten und ihm Schmerzen zugefügt. „Das war kein Spiel mehr, das war, ich muss das so sagen, das war Gewalt.“

Sie habe die streitenden Kinder getrennt und das aggressive Kind beiseite genommen. Doch da habe das Kind sie angegriffen. „Es hat mich feste gekniffen in meine Arme, es hat dann getreten. Ich habe versucht auszuweichen, aber die Waden waren dann auch betroffen.“ Kniffe und Tritte hätten schmerzhafte blaue Flecke hinterlassen.

„Wir hatten schon zerkratzte Gesichter, wo eine Narbe bleibt. Wir hatten Tritte in den Genitalbereich. Bisse in die Brust, so dass Fachkräfte zum Gynäkologen mussten“, sagte Ute Grebe vom Kindergartenverbund des Evangelischen Kirchenkreises Soest-Arnsberg, dem WDR. „Wir wissen, das Kind macht das nicht extra, das Kind will das nicht“, so Grebe. „Und es ist unsere Aufgabe, das Kind zu schützen, die anderen Kinder zu schützen. Aber eben auch zu gucken, wie kann die Fachkraft geschützt werden, damit sowas nicht passiert.“

Kinder brauchen Grenzen

Nach Erfahrung der Kinderpsychotherapeutin Inés Brock-Harder müssen kleine Kinder erst nach und nach lernen, ihre eigenen Gefühle zu regulieren, und könnten sich oft auch noch nicht gut genug sprachlich ausdrücken. „Deshalb greifen sie natürlicherweise eher zu körperlichen Reaktionen, gerade wenn sie emotional überfordert sind.“

Dass aber kleine Kinder in Kitas immer häufiger übergriffig werden, hängt nach ihrer Einschätzung auch mit den Eltern zusammen. „Meine Hypothese in dem Bereich ist, dass es Eltern zunehmend weniger gelingt, das Bedürfnis nach Orientierung, nach Grenzen, nach Strukturen bei ihren kleinen Kindern durchzusetzen“, so Brock-Harder im WDR-Interview.

Eltern müssten Kindern deutlicher machen: Ich will nicht gebissen werden, das tut weh. „Das heißt, dem Kind deutliche Signale geben und es auch liebevoll in den Arm zu nehmen, wenn es außer sich ist, aber eben auch diese Grenzen deutlich zu zeigen.“ (kna)