Im Zentrum der polnischen Stadt Krakau schießt ein Mann aus einem Auto heraus und tötet sechs Menschen. Viele der 16 Verletzten schweben in Lebensgefahr.
Sechs Tote bei AngriffJustiz ermittelt wegen Terrorismus nach Schüssen in Krakau
Ein Schütze hat im Zentrum von Krakau (Krakow) in Polen sechs Menschen getötet und mindestens 16 weitere Personen verletzt. Er soll aus einem Auto heraus geschossen haben. Am Samstagnachmittag gab der Chef der Woiwodschaft Kleinpolen, Krzysztof Kleczar, das sechste Todesopfer bekannt, wie die Agentur PAP berichtete. Im Sender Polsat News fügte Kleczar hinzu, dass sich zwölf der Verletzten in einem kritischen oder lebensgefährlichen Zustand befänden. Eine der verletzten Personen hat nach Angaben des polnischen Innenministeriums die deutsche Staatsbürgerschaft.
Bei den Toten handelte es sich nach Polizeiangaben um vier Frauen und zwei Männer. Unter den Verletzten sind zwei Polizisten. Der mutmaßliche Täter sei von der Polizei angeschossen und überwältigt worden, hieß es.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen einer terroristischen Straftat. Das meldete die Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf die Behörde. Es gehe um die Tötung von sechs Personen und den versuchten Mord an zahlreichen weiteren Personen, darunter Polizeibeamte.
Drei Leichen im Wohnhaus des Verdächtigen entdeckt
Im Wohnhaus des mutmaßlichen Schützen sind zudem drei Tote aufgefunden worden. Das gehe aus Aufnahmen einer Drohne hervor, sagte der polnische Regierungschef Donald Tusk am Samstag bei einer Pressekonferenz des Krisenstabs.
Am Sonntag bestätigte sich der Verdacht, dass es sich bei den Toten um die Eltern und die Schwester des Schützen handelt.
Es bestand der Verdacht, dass sich Sprengsätze in dem Haus befinden könnten. Zu den Hintergründen der Tat machte Tusk keine näheren Angaben. Er betonte, dass Polizei, Sicherheitsbehörden und Staatsanwaltschaft alles unternehmen würden, um so schnell wie möglich Informationen zu den Motiven des Schützen bekanntzugeben.
Möglicherweise rechtsradikaler Hintergrund
Der Festgenommene soll nach ersten Erkenntnissen „sehr radikale Ansichten“ vertreten haben. Das sagte der polnische Innenminister Marcin Kierwinski auf einer Pressekonferenz am Abend. Laut Polizei handelt es sich um einen polnischen Staatsbürger, der aus der Woiwodschaft Heiligkreuz im Südosten des Landes stammt.
Kierwinski sagte, unter den Verletzten seien fünf Ausländer. Von den beiden verletzten polnischen Polizisten sei einer in einem sehr kritischen Zustand. Der Beamte weise drei Schusswunden auf. „Wir beten für diesen tapferen Polizisten, für diesen Helden, dass er überleben möge“, fügte der Innenminister hinzu. Auch der Täter befinde sich in einem lebensgefährlichen Zustand und werde in einem Krakauer Krankenhaus behandelt. Er werde zum zweiten Mal operiert. Er soll nicht gezielt, sondern wahllos auf seine Opfer geschossen haben.
Polizei geht von Einzeltäter aus
Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus. Man dementiere Berichte über eine Fahndung nach einem möglichen zweiten Täter, schrieb die Polizei der bei X. Der einzige bekannte Täter sei festgenommen und in den Händen der Polizei. Weshalb der Schütze am frühen Nachmittag das Feuer eröffnete und welche Vorgeschichte seine Tat hatte, ist noch Teil der Ermittlungen. Der Mittzwanziger soll nach ersten Erkenntnissen „sehr radikale Ansichten“ vertreten haben, wie Polens Innenminister Marcin Kierwinski am Abend sagte. Es gebe Anzeichen dafür, dass er von rechtsextremistischen Ideologien fasziniert gewesen sei, auch wenn dies noch näher überprüft werden müsse.
„Der Täter wurde verletzt und festgenommen“, schrieb Justizminister Waldemar Zurek bereits am Nachmittag auf X. Staatsanwaltschaft und Polizei seien vor Ort, um Spuren zu sichern und die Umstände des Angriffs zu klären. „Der Staat handelt“, betonte er. Er appellierte an die Öffentlichkeit, Ruhe zu bewahren. Man werde für eine strenge Bestrafung sorgen.
Die Schüsse auf dem Großen Ring, dem Hauptplatz der Hauptstadt der Woiwodschaft Kleinpolen, seien aus einem fahrenden Auto abgegeben worden, berichtete der Sender Polsat News unter Berufung auf die Einsatzkräfte.
Waffen und Munition im Auto sichergestellt
Nach Polizeiangaben verwendete der mutmaßliche Täter eine halbautomatische Langwaffe ähnlich einem Sturmgewehr vom amerikanischen Typ AR-15. Die Agentur PAP berichtete anhand von Fotos, dass die Waffe mit einer optischen Visierung zur präziseren Schussabgabe ausgestattet gewesen sei. Der Täter habe zudem eine Pistole bei sich geführt. Viele weitere Waffen und Munition aus seinem Auto seien sichergestellt worden, sagte eine Polizeisprecherin.
Auf Videos in den sozialen Medien war zu sehen, dass ein Rettungshubschrauber auf dem Platz landete. „Gegen 15.00 Uhr begann ein Mann, der mit einem Auto auf den Marktplatz gefahren war, aus dem Fahrzeug heraus auf zufällige Personen zu schießen“, teilte die Polizei mit.
Augenzeugen berichteten von chaotischen Szenen. „Erst jetzt lässt das Adrenalin nach“, sagte eine Person dem TV-Nachrichtensender Polsat News. „Im ersten Moment hat großes Chaos geherrscht. Die Menschen haben begonnen, sich hektisch zu bewegen, ich habe umgestürzte Tische gesehen.“ Ein anderer Zeuge sagte: „Wir haben sogar den Schützen gesehen. Wir haben uns in den hinteren Räumlichkeiten versteckt. Das ist alles so plötzlich geschehen.“
Merz: „Die Ereignisse in Krakau machen mich tief betroffen“
Ein weiterer Augenzeuge sagte, dass die Menschen in alle Richtungen davongelaufen seien. „Plötzlich ist ein Auto herangefahren, und ein Mann hat begonnen, aus dem Fenster des Wagens zu schießen“, berichtete er. Der Angreifer habe einen Helm oder eine Maske getragen. Sein Gesicht sei nicht zu sehen gewesen.
Polens Regierungschef Donald Tusk teilte mit, dass er laufend über die Lage in Krakau nach der „tragischen Schießerei“ informiert werde. „Die Polizei untersucht die Hintergründe und alle Umstände des Vorfalls“, schrieb der liberalkonservative Politiker bei X. Tusk und der polnische Innenminister machten sich auf den Weg nach Krakau. Staatspräsident Karol Nawrocki kündigte für Sonntag und Montag eine landesweite Staatstrauer an.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X: „Die Ereignisse in Krakau machen mich tief betroffen. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Deutschland steht als Freund und Partner in diesen schweren Zeiten an der Seite Polens. Allen Verletzten wünsche ich eine rasche Genesung.“
Krakau ist mit mehr als 800.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Polens. Sie gilt als beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt. Wichtige Sehenswürdigkeiten sind neben dem Großen Ring das Schloss auf dem Wawelhügel und die Kathedrale. Die Universitätsstadt zählt zum Unesco-Welterbe. (dpa)
