Berlin – Die Zahl der Straftaten hat im vergangenen Jahr mit knapp über fünf Millionen Delikten einen neuen Tiefstand erreicht. Das entspreche einem Rückgang um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2021 am Dienstag Berlin. Gestiegen seien aber die Fallzahlen bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder.
Die Aufklärungsquote von 58,7 Prozent liege insgesamt auf einem neuen Höchstwert, sagte Faeser. Die Zahl der Diebstähle sei um rund zwölf Prozent und die der Wohnungseinbrüche um fast 28 Prozent gesunken. Auch Raubstraftaten gingen demnach um rund elf Prozent zurück, Straftaten gegen das Waffengesetz um zwölfeinhalb Prozent.
Rückgang registrierter Clan-Kriminalität
Die statistisch erfasste Clan-Kriminalität ist in Nordrhein-Westfalen dem neuen Lagebild der Landesregierung zufolge rückläufig. Die Zahl der Straftaten durch kriminelle Clanangehörige sei im vergangenen Jahr um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken – von 5780 Straftaten auf 5460. Die Zahl der Tatverdächtigen sei um 5,1 Prozent von 3830 auf 3630 im Jahr 2021 gesunken. Gleichzeitig sei das Volumen beschlagnahmten Vermögens von knapp vier auf über zehn Millionen Euro mehr als verdoppelt worden. „Das geht denen an die Substanz. NRW ist kein Honigtopf für kriminelle Clans mehr“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Wurden 2017 noch 24 Haftbefehle gegen kriminelle Clanangehörige erlassen, habe sich die Zahl 2021 auf 49 mehr als verdoppelt. (dpa)
Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Joachim Herrmann (CSU), sieht eine Ursache der gesunkenen Zahl von Straftaten auch in den Auswirkungen der Corona-Pandemie. So seien zeitweilig Geschäfte geschlossen gewesen, was Ladendiebstähle unmöglich gemacht habe. Zudem hätten sich viele Menschen im Homeoffice befunden, was Einbrecher abgehalten habe.
Verbreitung von Kinderpornografie: Fallzahlen 2021 verdoppelt
Faeser verwies aber auch auf die Schattenseiten. Dazu zähle das „entsetzliche Ausmaß“ von sexuellem Missbrauch an Kindern. Laut Statistik haben sich die Fallzahlen bei der Verbreitung von Kinderpornografie mehr als verdoppelt.
„Diese Entwicklung müssen wir stoppen“, sagte die Bundesinnenministerin. Sie kündigte die weitere Verstärkung der in dem Bereich ermittelnden Teams an. Die Auswertung entsprechender Daten solle auch durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz verbessert werden. Viele Hinweise zu Kinderpornografie kämen aus den USA, erklärte der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch. Schritt für Schritt sei das wahre Ausmaß der Kriminalität zu erkennen.

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Es sei jetzt schon vorherzusehen, dass die erfassten Fälle weiter steigen würden. Auch die Fälle von Cyberkriminalität nahmen um 12,1 Prozent zu. Münch sprach in dem Zusammenhang von einer „strukturellen Veränderung“ der Kriminalität, die sich in der Pandemie noch einmal beschleunigt habe. Im Gegensatz etwa zu Diebstählen oder Einbrüchen werde Cyberkriminalität nur extrem selten angezeigt. Hier müssten Kapazitäten ausgebaut werden, forderte Münch.
Innenministerin Nancy Faeser verurteilt exzessive Gewalt bei Coronaprotesten
In der Pandemie sei es bei Protesten gegen die Schutzmaßnahmen zu Ausschreitungen „bis hin zu exzessiver Gewalt“ gegen Polizisten, Journalisten und Politiker gekommen, sagte Faeser. Diese sowie die Angriffe auf Impfzentren seien „durch nichts zu rechtfertigen“. So habe sich die Zahl der Angriffe auf Vollstreckungsbeamte um sechs Prozent erhöht.
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Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg verzeichnen die Behörden derzeit etwa 200 Straftaten pro Woche, die sich mehrheitlich gegen russischstämmige Bürger richteten, sagte Münch. Neun Sexualdelikte gegen geflüchtete Ukrainerinnen seien erfasst. Die Zahl der verdächtigen Ansprachen dieser Frauen an Bahnhöfen oder im Zug gehe auch dank der Polizeipräsenz zurück. (afp)


