Viel nackte Haut, überzeichnete Gesichtszüge: Mehrere Schausteller haben ihre Figuren nun überarbeitet. Das hat einen Streit in der Politik ausgelöst.
Sexismus-VorwurfOktoberfest-Schausteller änderten Figuren – nun streitet die Politik

Die Bildkombo zeigt eine neu gestaltete Figur (r.) des Fahrgeschäfts „Teufelsrad“, daneben die vorherige Figur aus dem Jahr 2012.
Copyright: Victoria Bonn-Meuser, Sven Hoppe/dpa
Im Vorfeld des Oktoberfestes, das am 19. September startet, ist eine Diskussion über die Deko an einigen der dort vertretenen Fahrgeschäfte entbrannt. Konkret geht es um Figuren, die Vertreter der Stadt München offenbar als unangemessen beurteilten. Die Gleichstellungsstelle störte sich an zu viel nackter Haut, moniert wurden sexistische Darstellungsweisen. Auch Figuren, die rassistische Stereotype bedienten, wurden Medienberichten zufolge moniert und ebenfalls überarbeitet.
Konkret geht es um 80 Jahre alte Darstellungen auf dem „Teufelsrad“: Die Frauen, die in kurzen Kleidchen auf dem stilisierten Rad sitzen, wurden inzwischen mit Farbe verändert. Sie erhielten Blusen und längere Unterhosen. Einer Figur, die zuvor oben nur mit einem Blumenkranz bekleidet war, wurde zusätzlich ein Oberteil verpasst, außerdem erhielt sie Schuhe an die vormals nackten Füße. Die Betreiberin des Fahrgeschäfts hatte befürchtet, nicht mehr auf das Oktoberfest zu dürfen, wenn sie die Pappmaché-Figuren im Vorfeld nicht anpasst.
Einige Tage später wurde bekannt, dass auch andere Schausteller ihre Figuren angepasst hatten. So berichtet das Nachrichtenportal t-online, dass am „Happy Sailor“ eine Kapitänsfigur, die karikaturhafte „asiatische“ Züge aufwies, modernisiert und so „entschärft“ wurde. Bereits 2025 war eine barbusige Meerjungfrau am „Happy Sailor“ aufgefallen, sie trägt mittlerweile einen Bikini.
Oktoberfest-Figuren: Streit in München
Dass Frauen auf Abbildungen an Fahrgeschäften sexualisiert werden, ist alles andere als ein neues Phänomen. Im Gegenteil, wie im Fall des „Teufelsrads“ hat dies eine lange Tradition. In weiten Teilen der Bevölkerung gibt es mittlerweile einen anderen Blick darauf – wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen auch. Genauso verhält es sich mit „exotischen“ Menschendarstellungen, die rassistisch und aus der Zeit gefallen wirken.
Der richtige Umgang mit diesem Phänomen spaltet nun offenbar aber die Münchner Politik und Verwaltung. Die Stadt teilt dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit, dass die Änderungswünsche auf die Gleichstellungsstelle sowie die Fachstelle für Demokratie zurückgingen. Diese berieten das Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW). Gemeinsam wollte man Lösungen finden, um sexistische und rassistische Darstellungen auf dem Oktoberfest zu verhindern.
Wie viele Fahrgeschäfte von den Änderungswünschen betroffen waren oder sind, wollte die Stadt zur „Wahrung des vertrauensvollen Dialogs mit den Betreiberinnen und Betreibern“ nicht mitteilen.
Oktoberfest-Figuren lösen Streit in Münchner Politik aus
Erwartungsgemäß hat die Berichterstattung über die Übermalungen und Veränderungen ein breites Echo hervorgerufen. Viele finden es unnötig, historische Figuren anzupassen und sprechen von „Cancel Culture“. Die Betreiberinnen und Betreiber selbst scheinen es pragmatisch zu sehen. „Wenn gewünscht wird, dass sie weniger freizügig dargestellt wird, bekommt sie eben einen Bikini“, so die Betreiberin des „Happy Sailor“ über die Meerjungfrau zu t-online.
Inzwischen rückten jedoch Münchner Politiker von ihrer Verwaltung ab – selbst aus einer Partei, in der man dies nicht unbedingt vermuten würde. So erklärte die Grünen-Politikerin und „Wiesn-Stadträtin“ Anja Berger in einem Statement: „Ich persönlich hätte eine Umgestaltung nicht angestoßen und finde sie übertrieben. Natürlich dürfen Frauen nicht auf ihre Körper reduziert werden, Sexismus geht gar nicht. Aber wir brauchen keine übertriebene Prüderie.“ Auch die Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs kritisierte ein „Verhüllungsgebot“.
Dass die Grünen-Politikerinnen der Gleichstellungsstelle in den Rücken fallen, wird nun wiederum von der Linksfraktion und der SPD kritisiert. Bei der Gleichstellungsstelle würden „Hass und Drohungen eingehen“, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf die SPD-Stadträtin Paula Gundi. Überhaupt seien Grüne, CSU und SPD in die Entscheidungen über die Änderungswünsche eingebunden gewesen, so der Tenor bei der SPD. Dass sich jetzt ausgerechnet die Grünen distanzierten, stößt dort auf Unverständnis.
