Berlin – Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma beklagt im Zusammenhang mit dem Fall des blonden Roma-Mädchens Maria Diskriminierung und rassistische Vorurteile. Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats, sagte am Dienstag, es gebe „rassistische Grundmuster, unter denen jetzt die gesamte Minderheit in Deutschland und Europa zu leiden hat“. Medien hätten in ihrer Berichterstattung in Deutschland und weltweit Sinti und Roma mit allen Formen von Kriminalität in Zusammenhang gebracht - „von Kindesentführungen und -missbrauch über Zwangsheirat bis zu unterstelltem Organhandel“.
Rose kritisierte auch die deutsche Politik: „Niemand hat dieser Hetze Einhalt geboten“, sagte er. Stattdessen nutzten Politiker die in der Bevölkerung verbreiteten Vorurteile gegen Sinti und Roma für ihren Populismus. Rose forderte den neu gewählten Bundestag auf, eine Expertenkommission einzusetzen, um die Feindlichkeit gegenüber Sinti und Roma in Deutschland zu dokumentieren.
In Deutschland leben nach Schätzungen etwa 100 000 Sinti und Roma, in der EU rund sechs Millionen. Die fünfjährige Maria war in einem griechischen Roma-Lager entdeckt worden. Wegen ihres Aussehens war zunächst vermutet worden, das Kind sei seinen leiblichen Eltern weggenommen worden. Es stellte sich dann heraus, dass die Mutter eine bulgarische Roma ist. Wenige Tage nach dem Bekanntwerden des Falles nahmen irische Behörden einer Roma-Familie ein blondes Mädchen weg.
Der Rassismus-Forscher Prof. Wolfgang Benz kritisierte auf der Pressekonferenz des Zentralrats „uralte Vorurteile und Feindbilder“. Nach dem Holocaust seien antisemitische Vorurteile in der Öffentlichkeit nicht mehr verbreitet. „Aber die historische Lehre aus dem Völkermord an Sinti und Roma ist nicht überall durchgedrungen“, sagte er. Nach Schätzungen wurden im nationalsozialistisch besetzten Europa etwa 500 000 Sinti und Roma getötet. (dap)
