Lindlar/Wipperfürth – Vor allem an Fluss- und Bachläufen, auf Brachflächen, aber auch an Straßenrändern und in Gärten breitet sie sich immer weiter aus – die Herkulesstaude, auch unter dem Namen Riesen-Bärenklau bekannt. In den letzten Jahrzehnten hat sie sich zu einer regelrechten Bedrohung für viele heimische Pflanzenarten entwickelt.
Dabei lässt das Erscheinungsbild der imposanten Staude zunächst nichts Schlimmes vermuten, im Gegenteil, ist sie doch mit ihren großen weißen Blüten durchaus hübsch anzusehen. Doch der Schein trügt: Neben der massiven Vermehrung und der damit verbundenen Verdrängung anderer Gewächse und somit der biologischen Vielfalt, stellt sie auch eine Gesundheitsgefahr für Menschen dar.
Vorsicht!
Schutzkleidung ist bei Kontakt mit der Herkulesstaude unverzichtbar, außerdem sollte das Entfernen bei bewölktem Himmel oder Regenwetter erfolgen, auf keinen Fall bei starker Sonneneinstrahlung. Sollte es dennoch zu Hautkontakt mit der Pflanze kommen, empfehlen BSO und Aggerverband, die betroffenen Stellen sofort gründlich auszuwaschen und Sonnencreme aufzutragen. UV-Strahlung muss in den darauffolgenden Tagen unbedingt vermieden werden. Bei stärkeren Reaktionen sollte ein Arzt konsultiert werden.
Weitere Informationen gibt es im Flyer von Aggerverband, BSO und Wupperverband, der unter www.aggerverband.de. Außerdem bei der Biologischen Station Oberberg, unter 0 22 93/901 50.
Bei Berührung können die in allen Pflanzenteilen enthaltenen fototoxischen Substanzen, vor allem in Kombination mit Sonnenlicht, zu heftigen, verbrennungsähnlichen und langanhaltenden Hautreaktionen führen. Besonders gefährdet sind dabei Kinder, die sich beim Spielen aus den Stängeln Blas- oder Fernrohre basteln.
Wiesen-Bärenklau harmlos
Die Unterscheidung des Riesen-Bärenklaus gegenüber des heimischen und harmlosen Wiesen-Bärenklaus ist nicht nur aufgrund der fast identischen Schreibweise schwierig: „Man sollte sich die Blätter der Pflanze genau ansehen, diese sind bei der Herkulesstaude deutlich größer und vor allem viel schärfer gezackt“, erklärt Christoph Weitkemper von der Biologischen Station Oberberg (BSO).
Außerdem könne der Riesen-Bärenklau durchaus eine Größe von drei bis vier Metern erreichen, der Wiesen-Bärenklau sei mit maximal zwei Metern in der Regel kleiner. Ursprünglich sei die Staude im 19. Jahrhundert aus dem Kaukasus nach Mitteleuropa gelangt, und aufgrund ihrer äußeren Erscheinung und ihrer Beliebtheit bei Bienenvölkern sei ihre Verbreitung zunächst durch Gärtner und Imker weiter gefördert worden.
Rasante Verbreitung
Eine große Widerstandsfähigkeit und die enorme Samenproduktion führten unter anderem zur rasanten Verbreitung der dominanten Pflanze. In letzter Zeit gibt es jedoch immer mehr Bestrebungen, die Vermehrung zu stoppen. Dies jedoch erweist sich als schwierig, wie Weitkemper aus Erfahrung weiß.
Mechanische Methode
Mit Helfern aus der Umweltgruppe der BSO versucht er, zumindest in den Naturschutzgebieten der Region die weitere Ausbreitung zu verhindern: „Am wirksamsten ist die mechanische Methode, dabei durchsticht man die Wurzelknolle mit einem Spaten und verhindert dadurch den Neuaustrieb“, so der Experte.
Dies sollte so früh wie möglich geschehen, optimal sei die Zeit der frühen Blüte ab Mitte April, wenn noch keine Samen vorhanden seien. „Bevor man in Kontakt mit der Pflanze kommt, sollte man unbedingt daran denken, geeignete Schutzkleidung zu tragen, damit alle Körperteile und vor allem Augen und Gesicht geschützt sind“, empfiehlt der Fachmann.
Staude ist Restmüll
Die Entsorgung der Staude sollte im Restmüll erfolgen. Die weitere Ausbreitung des Riesen-Bärenklaus auf öffentlichen Flächen zu verhindern, ist nach Meinung Weitkempers nur mit Hilfe von persönlichem und gemeinschaftlichem Engagement möglich, wie beispielsweise durch die Gründung von Privat- oder Bürgerinitiativen.
„Die effektive Bekämpfung ist ein langwieriges Projekt, das viele Jahre in Anspruch nehmen wird, man muss dabei immer am Ball bleiben“, erklärt er. Darüber hinaus hofft er auf ein wachsendes Verantwortungsbewusstsein bei Eigentümern, sich des Problems anzunehmen und sich um die Entfernung des Riesen-Bärenklaus auf ihren Grundstücken zu kümmern.
