Wipperfürth-Kreuzberg – Den ersten Fußball des VfB besorgt Werner Meinerz als 14-Jähriger auf dem Schwarzmarkt am Kölner Hauptbahnhof. Kurz nach dem Krieg ist ein rundes Leder enorm begehrt, doch im Tausch gegen 80 Eier verspricht ein zwielichtiger Typ Abhilfe. „Meine Eltern haben geschimpft wie die Rohrspatzen, als sie von der Fahrt erfuhren. Aber es musste ja sein“, erinnert sich Meinerz, heute 90 Jahre alt, an seinen Trip mit dem Zug im Jahr 1946.
Den ersten Fußball auf dem Schwarzmarkt in Köln besorgt
Zum Einsatz kommt der neue Ball auf dem Vorplatz der Erzgrube in Kupferberg, dort haben die Kreuzberger Kicker einen behelfsmäßigen Platz errichtet. Ein Jahr später gründen 60 Männer aus genau dieser Gruppe den VfB Kreuzberg. Die Jüngeren um Meinerz haben erfahren, dass der Vereinsfußball in Wipperfürth bereits begonnen hat, aber sie wollen einen eigenen Klub. Die Älteren wollen an die 1930 gegründete DJK Kreuzberg anknüpfen, die drei Jahre später von den Nazis verboten wurde.

Urgesteine des VfB: Günther Gröss und Werner Meinerz (r.)
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Im Herbst 1948 geht der VfB erstmals im Fußballkreis Remscheid auf Torejagd. Allerdings müssen die Fußballer mit ihrer Heimspielstätte mehrfach umziehen – mal bemängeln Kontrolleure des Fußballkreises die Platzverhältnisse, mal muss der Rasen einem Baugebiet weichen. Lange schon hat der Vorstand das heutige Gelände an der Westfalenstraße ins Auge gefasst, aber um das damalige Getreidefeld bespielbar zu machen, müssten gewaltige Erdmengen bewegt werden.
Verein hat heute 560 Mitglieder
Wieder ist es Werner Meinerz, der 1966 eine Gelegenheit beim Schopfe packt. In Halver hält eine Pioniergruppe der Bundeswehr ein Manöver ab und Meinerz zögert nicht, bei den Offizieren für den Kreuzberger Sportplatz zu werben. Tatsächlich dröhnen kurz darauf im Kirchdorf die Motoren. „Zwei schwere und außerordentlich wendige Feldarbeitsgeräte flitzen über das Gelände und türmen den ausgehobenen Boden auf“, berichtet unsere Zeitung damals.
Sportlich gründet sich in dieser Zeit die Turngruppe des VfB, der später die Abteilungen für Badminton und Tennis folgen werden. 560 Mitglieder zählen die Grün-Weißen in diesem Jahr. „Für Kreuzberger Bürger ist es Tradition, Mitglied im Sportverein zu sein“, verrät Günter Gröss, Vorsitzender des VfB, der den Klub als „echten Mehrsparten-Sportverein“ sieht. Zwar bilde der Fußball zum 75. Vereinsgeburtstag den Schwerpunkt, aber auch andere Disziplinen sorgten immer wieder für Gesprächsstoff.
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Zum Beispiel die Showtanzgruppe „Spark Dancers“, die Geh-Fußballer oder die Tennisgruppe, der die Pandemie regen Zulauf beschert habe. Sie alle haben an der Westfalenstraße ihre sportliche Heimat. Dort ist viel gejubelt, gearbeitet, geflucht und geweint worden. Ab dem heutigen Donnerstag wird genau dort das Jubiläum gefeiert. Kreuzberg erinnert an die Kicker von der Erzgrube, die vor 75 Jahren den VfB gegründet haben.
Vier Tage lang feiert der VfB Kreuzberg sein Jubiläum. Dazu werden die Wipperfürther Stadtmeisterschaften im Jugendfußball in die Müller-Plastik-Arena verlegt. Den Anfang machen die Juniorinnen heute ab 17.30 Uhr. Morgen um 19 Uhr sind die A-Junioren dran. Am Sonntag ab 10 Uhr wird es richtig voll, dann kämpfen die Jüngsten in 20 Mannschaften um die Stadtmeisterschaft.



