Aus zwei rivalisierenden Reedereien wurde die heutige KD. Am Donnerstag feiert sie 200. Geburtstag und blickt zurück auf Millionen Ausflügler.
200 Jahre Köln-DüsseldorferVom Dampfschiff über kaputte Sowjetboote zu Partyevents

Die „Schiller“, erbaut 1905, vor dem Kölner Rheinufer
Copyright: Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv
Für Touristen im Rheinland ist es schon etwas erklärungsbedürftig. Fast jeder Besucher kennt die Geschichte von der Rivalität der gar nicht so unähnlichen Städte Köln und Düsseldorf, von Witzen über die jeweils anderen, das untrinkbare Bier und den besseren Karneval. Und dann fährt der Reisende mit dem weißen Ausflugsdampfer, und was steht da drauf? Köln-Düsseldorfer. Die beiden rivalisierenden Ortsnamen in ungewohnter Eintracht auf einem Schiffsrumpf. Doch das war nicht immer so.
Am Donnerstag, den 11. Juni 2026, feiert jene „KD“ ihren 200. Geburtstag, denn vor 200 Jahren war die Genehmigung des Königs erteilt worden. Doch um diese komplexe Geschichte zu verstehen, lohnt ein Blick weiter zurück. „Lange Zeit war das Treideln, das Ziehen von Lastkähnen durch Pferde, die gängigste Methode, Güter oder Menschen auf dem Rhein zu befördern. Doch dann kamen Dampfschiffe auf und revolutionierten die Binnenschifffahrt“, sagt Ulrich Soénius, Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs. In New York wurden 1807 die ersten Dampfschiffe eingesetzt. Das erste Dampfschiff in Köln war dagegen eher unfreiwillig hier. „Das Schiff ,The Defiance‘ sollte von England über Rotterdam nach Frankfurt fahren. In Köln aber konnte es am 12. Juni 1816 wegen starker Strömung nicht weiterfahren und musste umkehren“, weiß der Historiker.

Ein Fahrplan von 1889
Copyright: Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv
Den Siegeszug der Dampfschiffe auf dem Rhein konnte diese Anekdote aber nicht aufhalten. Die Zahl der Boote auf dem Rhein stieg und stieg, und immer mal wieder kamen ein paar Menschen aus dem deutschen Hochadel und statteten Köln einen Besuch ab, so etwa der spätere Kaiser Wilhelm I. als junger Prinz.
Die neue Antriebskraft verlockte Kölner Kaufleute unter Leitung von Peter Heinrich Merkens in das wachsende Geschäft mit den Dampfschiffen einzusteigen, beziehungsweise die eigenen Unternehmen durch die Wasserstraße Rhein besser mit dem Rest der Welt zu verbinden. Zusammen fanden sie sich in der Handelskammer. Schließlich einigten sie sich 1825 auf die Gründung einer damals in Deutschland noch ungewöhnlichen Rechtsform der Aktiengesellschaft, der Name des ersten Vorläufers der KD: „Preußisch-Rheinische Dampfschiffahrts-Gesellschaft zu Köln“. Befahren werden sollte die Strecke bis Mainz, flussabwärts sollte eine niederländische Gesellschaft aktiv werden. „Die Aktionäre kamen zum Großteil aus Köln, 350 von 1200 Aktien wurden für Auswärtige vorbehalten“, sagt Historiker Soénius. Eines dieser schmuckvoll bedruckten Papiere liegt noch im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv (RWWA).

Raddampfer Marianne, erbaut 1842, vor dem Hotel Royal in Köln
Copyright: Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv
Am 1. Mai 1827 hatte das erste Schiff seine Jungfernfahrt, von Mainz, wo es gekauft wurde, flussabwärts zum neuen Heimathafen Köln. „Concordia“ hieß das Schiff, ein damals weitverbreiteter Name für Straßen, Männergesangsvereine, Zechen oder eben Schiffe, der übersetzt Eintracht bedeutet.
Der KD-Vorläufer war ein Start-up, das schon im ersten Jahr einen Gewinn von 10.200 Talern erzielte
Der KD-Vorläufer war ein Start-up, das schon im ersten Jahr einen Gewinn von 10.200 Talern erzielte. Die Zahl der Schiffe wuchs. „Das Unternehmen war so erfolgreich, dass es bereits 1826 das erste Konkurrenzunternehmen übernahm.“

Bundeskanzler Konrad Adenauer und Außenminister Heinrich von Brentano verlassen 1961 die „Deutschland“.
Copyright: Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv
Die Kölner Erfolge blieben auch in Düsseldorf, damals noch viel kleiner als heute, nicht unentdeckt. Am 13. Mai 1836 gründeten Düsseldorfer Unternehmer die „Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein“. Die Schiffe, in Köln wie in Düsseldorf, transportierten nicht nur Reisende, sondern auch Stückgüter. „Wichtig war, dass die Schiffe höchsten Komfort boten, sonst wurde die Eisenbahn vorgezogen“, erklärt Soénius. Das führte zu Kuriositäten. Die Düsseldorfer Gesellschaft richtete etwa zur Versorgung der Flotte als erste einen eigenen Weinkeller ein.
Eigener Weinkeller für die Flotte
Zu jener Zeit waren Köln und Düsseldorf wahre Rivalen. Es gab einen Preiskampf auf den Strecken. „Die Dampfer beider Gesellschaften lieferten sich regelrechte Wettfahrten, die weniger den Reisenden dienten, als vielmehr den Eitelkeiten. Die Fahrgäste wurden durch die vielen Unfälle, die sich durch gewagte Überholmanöver ereigneten, auf die Eisenbahn gedrängt, deren Netz sich immer mehr ausweitete.“

Fahrplan der KD von 1904
Copyright: Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv
Die Akteure am Rhein erkannten zwei Dinge aber schnell: Die Stückgutfracht war wesentlich weniger lukrativ als die Passagiere. Und der Wettbewerb zwischen Köln und Düsseldorf könnte für beide Gesellschaften ruinös enden. 1840 verständigte man sich immerhin schon mal auf Preise und Abfahrtzeiten. 1853 einigte man sich schließlich auf eine Betriebsgemeinschaft, allerdings nach zähem Ringen, die Kölner mussten Schiffe stilllegen, damit beide Partner die gleiche Flotte haben, dafür erhielt Köln mehr vom Gewinn. Der Name der neuen Gemeinschaft: „Rhein-Dampfschiffahrt, Kölnische und Düsseldorfer Gesellschaft“.
Durch parallel zum Rhein gebaute Eisenbahnstrecken nahm das Pendler-Aufkommen ab, stattdessen nutzten Touristen und Auswanderer auf dem Weg zu den Seehäfen die Schiffe.

Wiederbeginn nach dem Krieg: Werbeaushang 1948
Copyright: Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv
In den deutschen Kriegen, dem gegen Frankreich und dem Ersten Weltkrieg, musste die Reederei dem Militär immer wieder Schiffe zur Verfügung stellen. Die Personenschifffahrt erlitt herbe Rückschläge. „War vor dem Krieg vor allem das Bürgertum als Fahrgäste angesprochen worden, so öffnete sich das Unternehmen nunmehr nach dem Krieg breiten sozialen Schichten, auch durch die Preisgestaltung. Dies machte sich wiederum bei den Mahlzeiten an Bord bemerkbar, die nun zu erschwinglichen Preisen angeboten werden mussten“, sagt der Historiker. Ende der 1920er Jahre hatte sich die Passagierzahl gegenüber 1914 fast verdoppelt, auf 2,3 Millionen. 1925 wurde dann erstmals die Bezeichnung „Köln-Düsseldorfer Dampfschiffahrt“ eingetragen, auch wenn die jeweiligen Gesellschaften noch weiter existierten.
In der NS-Zeit erlebte die KD laut Soénius wieder einen Aufschwung der Fahrgastzahlen, da die Organisation „Kraft durch Freude“ der Deutschen Arbeitsfront (DAF) die Ausflugsschiffe buchte.
Die Kriegsjahre ab 1939 brachten der KD eine harte Zäsur. Die Personenfahrten wurden halbiert, die Schiffe zur Tarnung blau-grau angestrichen. Ein in Fahrt befindliches Schiff wurde von einer Bombe getroffen, 21 Verletzte. Am Ende des Krieges waren die meisten Schiffe versenkt.

Nicht nur große Schiffe erfreuen sich der Beliebtheit: Der „Domspatz“ vor dem Kölner Dom, 2001
Copyright: Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv
Im Frühjahr 1946 wurde der Personenverkehr wieder aufgenommen. „Der bisherige Dampfer ,Hindenburg‘ wurde in ,Frieden‘ umgetauft und fuhr am 1. Mai 1946 von Köln nach Honnef. Besondere Beschränkungen galten durch die Durchfahrt der französischen Besatzungszone, so dass anfangs nur Pilgerfahrten zu Zielen in dieser Zone möglich waren“, sagt Soénius. Schon 1949 wurde wieder die Millionengrenze bei den Passagieren geknackt. 1951 standen 16 verschiedene Weine auf der Weinkarte eines KD-Schiffes. Zum Wirtschaftswunder passten die Ausflugsfahrten am Rhein, besonders am romantischen Mittelrhein. In den 1960er gab es Kreuzfahrten von Basel nach Rotterdam. 1967 erfolgte endlich die offizielle Fusion der Kölner und Düsseldorfer Gesellschaft
Zum Wirtschaftswunder passten die Ausflugsfahrten am Rhein, besonders am romantischen Mittelrhein
Mitte der 1970er Jahre hatte die KD 17 Ausflugsschiffe und sechs Kabinenschiffe sowie das Tragflügelboot „Rheinpfeil“, kurioserweise erbaut auf einer Schiffswerft in der Sowjetunion, das als Attraktion galt. Es war mit 65 km/h das schnellste Fahrgastschiff auf dem Rhein. Zur Jungfernfahrt kam der sowjetische Botschafter in Bonn. Die Qualität des sowjetischen Schiffs lässt sich allerdings an einer Zahl ablesen: 13 Mal musste eine neue Austauschmaschine eingebaut werden, weil der Motor jedes Mal nicht mehr reparierbar war – 1998 wurde das pannenanfällige Schiff verkauft.
In den 1980er-Jahren hatte die KD zeitweise 800 Angestellte, die Fahrgastzahlen betrugen mehr als zwei Millionen. Im folgenden Jahrzehnt geriet die KD in wirtschaftliche Schwierigkeiten, wozu vor allem die hohen Finanzierungskosten beitrugen. 1993 wurde die WestLB Hauptaktionärin der KD, und schon fünf Jahre später hatte die Reederei 40 Millionen Euro Jahresverlust und 90 Prozent des Grundkapitals waren aufgezehrt. Nach dem Verkauf 2000 an Viking Cruises und Premicon erholten sich die Geschäfte.

Benedikt XVI am ersten Tag seines Besuchs in Köln 2005: Er nutzte ein Schiff zur Pilgerfahrt.
Copyright: Patric Fouad
Weltweite Beachtung erfuhr die KD, als Papst Benedikt XVI ein Schiff der KD zur Pilgerfahrt auf dem Rhein beim Weltjugendtag nutzte: Die Bilder der damaligen MS Rhein-Energie (heute Rhein-Magie) gingen um die Welt.
„2016 schließlich übernahm die heutige United Waterways die KD und nahm sie nach 185 Jahren von der Börse“, sagt KD-Chefin Nina Luig heute. Inzwischen seien besonders Event- und Partyfahrten begehrt. Zu einer solchen Fahrt startet die KD auch am 11. Juni, genau 200 Jahre nach ihrem Geburtstag. Zudem wird der Geburtstag anlässlich der „Kölner Lichter“ mit einem Jubiläumswochenende am 1. und 2. August begangen.
