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Gebrauchte auf der ÜberholspurLieferprobleme bei Neuwagen im Rheinland

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Gebrauchwagen sind verfügar.

Köln – Die Verantwortlichen der Autohäuser reden nicht gerne über Verkaufszahlen, noch nicht einmal über die allgemeine Entwicklung – manche Unternehmen, und nicht nur die kleinen, bügeln entsprechende Anfragen regelrecht ab. Die Verknappung ist in der Region aber durchaus spürbar.

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Zum einen, erklärt der Fachberater eines großen Autohauses, gibt es zu wenige Neuwagen. Und zwar durch die Bank bei fast allen Herstellern. Die leidige Elektronik ist es in der Regel, die die Auslieferung verzögert. Chips, Halbleiter, der Markt ist leergefegt und gibt nichts mehr her. Lange Lieferzeiten aber sind Gift fürs Geschäft. Die Kunden haben sich daran gewöhnt, jetzt und sofort bedient zu werden. Und weichen eben vermehrt auf den Gebrauchtmarkt aus, wo ebenfalls jede Menge attraktive Untersätze ihr Blechkleid zu Markte tragen. Die Folge: Auch dort wird der Markt langsam knapp. „Das merken wir schon sehr genau“, sagt der Fachberater. Wer ein Auto hat, mit dem er einigermaßen zufrieden ist, gibt es momentan einfach nicht zurück: „Diese Wagen fehlen dem Markt, der Kreislauf ist unterbrochen.“

Zum anderen trägt aber auch die Flutkatastrophe ihren Teil bei. Tief im Westen und damit auch in der Region rund um Köln ist der Bedarf enorm. Besonders betroffen von der Flut waren in erster Linie Regionen, in denen ohne Auto nicht viel geht. Schlicht, weil kein oder zu wenig öffentlicher Nahverkehr vorhanden war. Diese Menschen sind nun dringend auf fahrbare Untersätze angewiesen, wie der Kollege eines kleineren Händlers bestätigt: „Wir können die Nachfrage gar nicht bedienen“, sagt er. Die Auswahl ist momentan eben begrenzt. „Wenn es früher gerne mal Benz oder BMW gewesen ist, muss es jetzt eben auch mal VW oder Renault tun.“ Viele stiegen spätestens jetzt auf pseudo-offroad um: Wo immer ein gebrauchter SUV steht, er bleibt nicht lange da. Auch wenn es mit der Geländegängigkeit in der Regel nicht weit her ist. Genannt werden wollen beide Insider nicht.

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Zum Dritten macht auch der Online-Handel stationären Händlern zu schaffen. Insbesondere im hochpreisigen Segment. Da wird wild im Internet bestellt und quer durch Deutschland, auch ins Ausland, geliefert. Die niedriger angesetzten „Alltagskutschen“ werden von der Kundschaft genauer beäugt und begutachtet. Je günstiger der Preis, desto älter oder weniger hochwertig: Da lohnt sich der eigene Blick eher als in der so genannten Premium-Klasse. Die sollte ohnehin spuren.

Allerdings sei die Preisspirale durch die allgemeine Entwicklung entgegen vieler Aussagen nicht durch die Decke gegangen, bekräftigen beide. „Dass die Preise etwas angezogen haben, darüber muss man nicht reden. Auch bei uns. Aber das macht ein paar Prozent aus. Insgesamt sind die Preise immer noch sehr stabil“, sind beide überzeugt.

Entwicklung bei den E-Autos nicht absehbar

Möglicherweise spielt in den Engpass bei gebrauchten Wagen noch ein weiterer Umstand ein, der aber momentan nur schwer fassbar ist. Inwieweit nämlich eine gewisse Verunsicherung über die künftige politische Entwicklung eine Rolle spielt – beispielsweise, ob Autobesitzer mit dem Kauf eines Neuwagens warten, bis klar ist, wohin die Reise künftig gehen wird und sich so lange eben mit einem Gebrauchtwagen behelfen – darüber lassen sich wenig valide Aussagen treffen.

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Ohnehin dürfte sich der Gebrauchtmarkt spätestens dann noch einmal ändern, wenn die E-Autos auf den Markt drängen.

5 Fragen an Thomas Müther

Wie hat sich der Gebrauchtwagenmarkt entwickelt aus Sicht des ADAC?

Müther: Seit Mitte 2020 steigen die Gebrauchtwagenpreise kontinuierlich wieder an. Die Nachfrage hat deutlich zugenommen, auch, weil mehr Menschen in Pandemiezeiten lieber individuell unterwegs sein wollen und nach wie vor das Infektionsrisiko in Bus und Bahn subjektiv als hoch einschätzen.

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Thomas Müther

Gibt es auch Gründe für die Preissteigerungen, die auf Seiten der Hersteller und Anbieter zu finden sind?

Aufgrund von Produktionsschwierigkeiten im ersten Corona-Jahr und aktuellem Chipmangel haben Neuwagen derzeit lange Lieferzeiten von bis zu anderthalb Jahren. Wer eigentlich einen Neuwagen kaufen, aber nicht so lange warten will, schaut sich deshalb ebenfalls auf dem Gebrauchtwagenmarkt um. Auf der anderen Seite nutzen Gebrauchtwagenbesitzer, die nun länger auf ihren bestellten Neuwagen warten müssen, ihr Fahrzeug aufgrund der Lieferverzögerungen länger als sonst. Immer weniger Gebrauchtwagen sind auf dem Markt. Das extrem knappe Angebot und die hohe Nachfrage katapultieren die Preise nach oben.

Hat die Flutkatastrophe auch Auswirkungen? Auf den Bildern aus den betroffenen Gebieten war zu sehen, dass viele Autos zerstört wurden.

In den Hochwassergebieten sind laut der Deutschen Versicherungswirtschaft etwa 40 000 Fahrzeuge zerstört oder beschädigt worden. Für viele Menschen ist das eigene Auto unverzichtbar, um mobil zu sein. Die Suche nach einer schnellen Lösung führt zu einer steigenden Nachfrage auf den regionalen Gebrauchtwagenmärkten.“

Gibt es eine durchschnittliche Teuerungsrate, auf die sich Käufer bei der Suche nach einem Gebrauchtwagen einstellen müssen?

Normalerweise steigen die Gebrauchtwagenpreise im Winter an und gehen in den Sommermonaten leicht zurück. Das ist in diesem Jahr nicht so. Das Fahrzeugangebot bricht ein und die Preiskurve zeigt kontinuierlich nach oben. Ein gebrauchtes Fahrzeug kostete im Juli 2021 durchschnittlich 3000 Euro mehr als vor einem Jahr.

Betreffen höhere Preise und weniger Angebot bei den Gebrauchten denn alle Fahrzeugklassen, oder gibt es die Möglichkeit auszuweichen?

Nahezu alle Klassen sind betroffen. Vor allem Autos der Mittel- und Oberklasse sind zuletzt wieder teurer geworden. Nur bei Sportwagen, Oldtimern, Vans und Kleinbussen sind die Preise im Juli etwas gefallen. Auf der Angebotsseite sieht es gerade bei den Jahreswagen mau aus. Aber auch in den anderen Fahrzeugsegmenten ist das Angebot deutlich zurückgegangen.