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Bayer AG
Leverkusener Konzern ist auf dem richtigen Weg

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Bayer-Chef Bill Anderson hofft auf eine Ende der Rechtsstreit rund um den Unkrautvernichter

Bayer-Chef Bill Anderson hofft auf eine Ende der Rechtsstreit rund um den Unkrautvernichter Glyphosat.

Bayer hat mit Rechtsanwälten in den USA einen Vergleichsvorschlag für Glyphosat-Klagen ausgearbeitet. 

Seit Jahren belastet das Thema Glyphosat den Bayer-Konzern. Der Unkrautvernichter kostet Milliarden für Rechtsstreitigkeiten, bindet Management-Kapazitäten und belastet das Vertrauen der Anleger. Von rund 100 Euro ist der Bayer-Kurs seit der Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto auf fast ein Viertel des Werts abgesackt. Da ist es höchste Zeit für eine Lösung.

Die erscheint mit dem Vergleichsvorschlag zumindest am Horizont. Ja, das kostet noch einmal Geld und engt den finanziellen Spielraum von Bayer ein. Mit jedem Jahr wird der Spielraum aber größer, weil die Zahlungen aus dem Vergleich abnehmen. Gibt der Richter grünes Licht für den Vergleich und stimmen auch genug Kläger zu, ist Bayer einen Klotz am Bein los. Der Konzern kann nach schweren Jahren nach vorne blicken – und sieht erfreuliches.

Bayer braucht dringend neue Medikamente

Da sind neue Medikamente für die Frauengesundheit, gegen Krebs und zur Prävention bei Schlaganfällen. Sie alle sind mögliche Blockbuster — also Medikamente mit einem Umsatzpotenzial von einer Milliarde Euro pro Jahr und mehr. Die braucht Bayer dringend, um alte Kassenschlager wie den Blutgerinnungshemmer Xarelto vergessen zu machen. Bei dem nämlich laufen Patente aus, so dass günstige Nachahmerpräparate auf den Markt drängen und die Margen bei Bayer unter Druck setzen. Bei anderen etablierten Medikamenten wie dem Augenmittel Eylea gelingt es Bayer, über neue Dosierungen die Verkäufe hochzuhalten. Und in fernerer Zukunft machen Zell- und Gentherapien, die Bayer gerade entwickelt, Hoffnung.

Die Pipeline der Pharmasparte ist so gut gefüllt wie lange nicht mehr. Und auch in der Agrochemie-Sparte gibt es neue Unkrautvernichter oder neues Saatgut, die die Kasse klingeln lassen sollten. Auch der von Bill Anderson angestoßene Konzernumbau scheint zu wirken. Bayer hat sozialverträglich viele Stellen gestrichen und ganze Hierarche-Ebenen abgeschafft und Kompetenzen in die einzelnen Abteilungen verlagert. Das hat den Konzern offenbar agiler gemacht, wie die schnelle Markteinführung des Herzmittels Beyonttra zuletzt gezeigt hat. Auch das Mittel gegen Plaque im Herzen hat ein Milliarden-Umsatzpotenzial. Bayer hat auch klug zugekauft auf dem Weg zu neuen Mitteln und höheren Gewinnmargen ab 2028. Da scheint die Vision des Konzerns, unter die Top 10 der Pharmaunternehmen weltweit aufzusteigen, erreichbar zu sein.