Köln/Düsseldorf – Ein bisschen besser hätte der Neustart für die Kölschbrauer wohl ausfallen können. Aber immerhin wird Kölsch wieder in Fässer gefüllt. Das ist wichtig für die Branche, die mit über einem Drittel einen relativ großen Anteil des Bieres in Fässern verkauft. Die gehen in normalen Zeiten an Gaststätten, Hotels, Biergärten in die großen Sportstadien oder die Lanxess-Arena.
Diese Absatzkanäle fielen in Corona-Zeiten weg. Entsprechend sank der Kölsch-Absatz im Abgelaufenen Jahr um etwa 16 Prozent auf 1,5 Millionen Hektoliter, im ersten Quartal 2021 ging der Absatz um circa 33 Prozent zurück.
Hoffnung auf Öffnungen zu Pfingsten
Entsprechend hoffte die Branche auf Öffnungen der Gastronomie zu Pfingsten und stellte sich nach sinkenden Inzidenzwerten auch darauf ein, sagte Christian Kerner, der Geschäftsführer des Kölner Brauerei-Verbandes. Einige Brauereien hätten bereits Mitte Mai wieder in Fässer abgefüllt, andere die Abfüllung in Fässer ab kommenden Freitag geplant. Zwar bleibt in Köln die Außengastronomie nach zuletzt gestiegenen Inzidenzwerten an Pfingsten zu. Im Umland haben Biergärten aber inzwischen geöffnet.
Die für die Fassabfüllung nötige Vorlaufzeit sei gering, so Kerner. So habe die Bierherstellung wegen der Flaschenabfüllung ja nicht geruht. Auch seien in geringem Maße Fässer abgefüllt worden. Innerhalb von Tagen sei eine Fassabfüllung wieder möglich, so Kerner.
Ähnlich sieht es landauf landab aus. Damit ende für die Brauwirtschaft „eine der längsten Durststrecken ihrer Geschichte“, sagte der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, Jörg Lehmann.
Bestellungen laufen noch zögerlich ein
Insgesamt fließt etwa ein Fünftel des in Deutschland gebrauten Bieres in die Gastronomie. Die Fassbierabfüllungen seien vor etwa ein, zwei Wochen angelaufen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Brauer-Bundes, Holger Eichele. Die Gastronomen und der Getränkefachgroßhandel orderten allerdings in den meisten Fällen verständlicherweise noch sehr zögerlich. „Der Fassbiermarkt läuft mit gebremsten Schaum“, beschreibt Eichele die Lage. „ Wir sind nach wie vor in einer Zeit voller Ungewissheit“, sagte Eichele. Die Brauereikunden in Gastronomie und Getränkegroßhandel müssten selbst noch viele Unwägbarkeiten meistern.
„Über allem schwebt das Damoklesschwert der Inzidenzen“, sagte Eichele mit Verweis auf die Öffnungsschritte, die von einem stabilen Rückgang der Corona-Neuinfektionen abhingen. Hinzu komme noch der Wetterfaktor, der für die Außen-Gastronomie besonders wichtig sei. So seien für Pfingsten die Wetteraussichten nicht die besten.
Veltins füllt jede Stunde 500 Fässer
Die Brauerei Veltins sieht trotz des Stillstands bei der Fassbierabfüllung keine Lieferengpässe. Pro Stunde könnten 500 Fässer abgefüllt werden, sagte ein Unternehmenssprecher. Im Bedarfsfall könne die Kapazität „auf eine 24-stündige Abfüllung im 7-Tage-Rhythmus hochgefahren werden“.
„Unsere Gastronomen sehen bei ihren Gästen eine große Bereitschaft, selbst bei nicht so gutem Wetter die Außengastronomie zu besuchen, wie beispielsweise am letzten Wochenende in Koblenz“, sagte Rainer Noll, Leiter Außer-Haus-Markt der Bitburger Braugruppe.
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Auch beim Marktführer, der Oetker-Tochter Radeberger Gruppe, zu dem auch Kölschmarken wie Sion, Gilden, Peters oder Dom-Kölsch gehören, läuft die Abfüllung von Fassbier wieder. Die Kapazitäten seien zunächst auf etwa die Hälfte der Volllast hochgefahren worden, um die eigenen Bestände aufzustocken und lieferfähig zu sein, so eine Sprecherin. (mit dpa)

