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Weit am Ziel der Bundesregierung vorbeiDeutschland wird das Ziel von 15 Millionen reinen E-Autos deutlich verfehlen

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Ein Elektroauto wird an einer Ladesäule aufgeladen

Ein Elektroauto wird an einer Ladesäule aufgeladen. Zu wenige Ladepunkte sind nur ein Problem, das die Elektromobilität bremst. 

Autoexperten sehen einen langsameren Hochlauf bei der E-Mobilität. Das Ziel der Bundesregierung, nachdem im Jahre 2030 schon 15 Millionen E-Autos über Deutschlands Straßen schnurren halten sie für unerreichbar - zumindest dann, wenn die Förderung nicht verbessert wird. 

Deutschland wird das Ziel von 15 Millionen reinen E-Autos bis 2030 wohl deutlich verfehlen. Der Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) der Fachhochschule Bergisch Gladbach geht davon aus, dass dann lediglich sieben bis acht Millionen E-Autos in Deutschland unterwegs sind – zumindest dann, wenn die Rahmenbedingungen nicht verbessert werden. 

Es ist ein Realitätscheck notwendig.
Stefan Bratzel, Autoexperte

„Es ist ein Realitätscheck notwendig, der vor dem Hintergrund des Status quo die politischen Ziele des Markthochlaufs mit den dafür erforderlichen Maßnahmenprogrammen in Einklang bringt“, so Bratzel. Für die Zielerreichung sei ein Anstieg der Neuzulassungen auf 750.000 batterie-elektrische Fahrzeuge im laufenden Jahr und von 1,3 Millionen E-Autos im Jahre 2025 nötig. Realistisch seien derzeit aber nur Neuzulassungen von 450.000 E-Autos in 2023 und 650.000 E-Autos in 2025. Selbst für das klimapolitisch wichtige Ziel von mehr als zehn Millionen E-Autos 2030 sei eine riesige Anstrengung nötig. Dafür brauche es statt der Kakophonie eine konzertierte Aktion der relevanten Akteure wie Automobilherstellern, Lade-Infrastruktur- und Energiedienstleistern sowie der Politik.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) erwartet gar nur 440.000 Neuzulassungen von E-Autos in Deutschland im laufenden Jahr. Das wären 31.000 weniger als im Vorjahr. Er kritisiert in einer aktuellen Studie „die chaotische Subventionspolitik des Bundeswirtschaftsministeriums“. Der Bund fördert den Kauf eines E-Autos, das weniger als 45.000 Euro kostet, im Moment noch mit bis zu 4500 Euro, 2250 Euro steuern die Hersteller bei. Ab 1. September bekommen nur noch Privatkäufer die Förderung, gewerbliche Käufer gehen leer aus. Und ab dem kommenden Januar senkt der Bund den Zuschuss auf maximal 3000 Euro.

VW ist Marktführer in Deutschland

Am 1. Juli waren laut Bratzel auf Deutschlands Straßen 1,2 Millionen reine E-Autos unterwegs, 54,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei einem Gesamtbestand von 49 Millionen Pkw stieg der Anteil der E-Autos von 1,6 auf 2,4 Prozent. Mit 207.373 Fahrzeugen hat VW die Nase vorn (siehe Grafik). Tesla und chinesische Anbieter weisen aber höhere Wachstumsraten auf. Tesla legte etwa um 90 Prozent zu, die chinesische Marke MG um 404 Prozent auf 17.000 Neuzulassungen, auch Polestar und Volvo, die im Besitz der chinesischen Geely-Gruppe sind, haben dreistellige Zuwächse.

Chinesische Hersteller drängen auf deutschen Markt

Weitere chinesische Marken wie BYD, Nio und Great Wall haben mit 1448 beziehungsweise 844 und 640 Fahrzeugen noch einen relativ geringen Bestand. Sie haben aber hochfliegende Pläne. BYD, so erwartet Dudenhöffer, wird im laufenden Jahr weltweit 2,5 Millionen Autos verkaufen, reine E-Autos und Plug-in-Hybride. Zusammen mit anderen chinesischen Herstellern werde BYD auf den europäischen Markt drängen und einen Preiskampf beim E-Auto entfachen. Die Möglichkeiten hätten diese Anbieter, so Dudenhöffer. In China würden sie Autos zu Listenpreisen verkaufen, die bis zu 60 Prozent unter den Preisen in Deutschland liegen würden, wie ein von ihm angestellter Vergleich ergeben habe.

Das könnte in Deutschland die Listenpreise dämpfen. Andererseits sinkt auch die Förderung nach derzeitigen Plänen. „Es sieht eher so aus, dass trotz Preiskrieg, die Nachfrage nach Elektroautos keine großen Luftsprünge machen werden“, so Dudenhöffer. Für die deutschen Autobauer werde die Lage aber unangenehmer.