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Ehrung trotz JobabbauKölner DeepL-Chef ist „Gründer des Jahres“

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DeepL-Gründer Jarek Kutylowski war bei der Preisverleihung nicht zugegen.

DeepL-Gründer Jarek Kutylowski war bei der Preisverleihung nicht zugegen.

Kölner Gewerkschaftsvertreter beklagen Behinderung bei Betriebsratswahl. Dennoch wurde der DeepL-Chef nun prominent ausgezeichnet.

Womöglich hat Jarek Kutylowski selbst nicht damit gerechnet, dass er den Preis als „Gründer des Jahres“ bei den „German Startup Awards“ in Berlin tatsächlich bekommen würde. Hatte der Gründer und Chef der Kölner Software-Firma DeepL doch zuletzt rund einem Viertel der Belegschaft kündigen müssen und eine grundsätzliche Neuausrichtung des Geschäftsmodells angekündigt.Jedenfalls war der DeepL-Chef bei der Preisverleihung am Donnerstagabend in Berlin nicht zugegen.

Die knappe Begründung der Jury für ihren Entscheid lässt sich nachlesen. Kutylowski habe mit DeepL eine intelligente KI-basierte Übersetzungslösung geschaffen, die Menschen weltweit eine einfache und präzise Verständigung über Sprachgrenzen hinweg ermögliche, heißt es dort. Über viele Jahre galt DeepL als leistungsfähigere Alternative beispielsweise zu Googles Übersetzer. Zuletzt war das Unternehmen aber durch den Aufstieg generativer Sprachmodelle wie Chat GPT oder Gemini unter Druck gekommen.

Betriebsratswahlen behindert

Einen Schatten auf die Ehrung durch den Startup Verband wirft tags darauf auch eine Pressemitteilung der Gewerkschaften Verdi und IG Metall, die beklagen, DeepL habe die Belegschaft dabei behindert, Betriebsratswahlen durchzuführen. Inzwischen seien die Listen zwar eingereicht worden, eine Wahl könnte Ende des Monats stattfinden.

Zuvor habe das Unternehmen mehrfach die Herausgabe notwendiger Beschäftigtendaten verzögert und Fristen nicht eingehalten. „Dass ausgerechnet unmittelbar vor der erstmaligen Wahl eines Betriebsrats ein erheblicher Teil der deutschen Belegschaft entlassen werden soll, ist ein Schlag ins Gesicht für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die das Unternehmen erst zu dem gemacht haben, das es ist“, erklärte hierzu Jan Brauburger von der IG Metall Berlin. Er warf DeepL außerdem vor, die Mitbestimmung „mit Füßen“ zu treten.

Markus Frings von Verdi Köln-Bonn-Leverkusen erklärte dieser Redaktion zudem, unter den Beschäftigten herrsche trotz Schutzvorschriften „ein Stück weit Angst“, sich im Betriebsrat zu engagieren. Wer gleichzeitig Hunderte Kündigungen ausspreche und die Betriebsratswahl verzögere, „sendet ein eindeutiges Signal“, fügte er hinzu.

Kleinere Teams und mehr KI – Betroffen sind 250 Stellen

DeepL hatte die umfangreichen Kündigungen Anfang Mai damit begründet, dass das Unternehmen verstärkt auf Künstliche Intelligenz setzen wolle. Kleinere Teams seien mit Hilfe der Technologie viel leistungsfähiger. Eine große Zahl der Belegschaft werde demnach nicht mehr gebraucht. Ein Vorwand, wirft Frings dem Unternehmen vor. Betroffen sind den Gewerkschaften zufolge 250 Stellen. Dies sei ein „erheblicher Teil“ der rund 620 DeepL-Beschäftigten in Deutschland.

Das Unternehmen will sich nach eigenen Angaben künftig verstärkt der Sprachübersetzung in Echtzeit widmen. Dafür eröffne die Firma unter anderem ein Büro in der US-Westküstenstadt San Francisco. Den Gewerkschaften zufolge sollen zudem zugleich an anderen europäischen Standorten neue Stellen entstehen. DeepL ging 2017 in Köln an den Start und beschäftigte zwischenzeitlich etwa 1000 Mitarbeiter weltweit.

Den Preis für den besten Umgang mit den Mitarbeitenden erhält er allerdings nicht
Markus Frings, Verdi Köln-Bonn-Leverkusen

„Die Leute, die noch da sind, machen an sich gerne ihren Job, sie verdienen ja auch nicht schlecht“, sagte der Verdi-Vertreter und sprach von einer ambivalenten Stimmung. Die Auszeichnung für seine Geschäftsidee habe Jarek Kutylowski demnach sicherlich verdient, ergänzte er und sprach von einem Vorzeige-Start-up im Kölner Raum. „Den Preis für den besten Umgang mit den Mitarbeitenden erhält er allerdings nicht. Ich hoffe, er hat den Award mit dem Gedanken entgegengenommen, dass Eigentum verpflichtet.“ Nun, entgegengenommen hat Kutylowski den Preis genau genommen ja nicht.

Dafür schaffte es Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zur Feier. Er unterstrich die große Bedeutung von Start-ups für den Standort Deutschland: „Ohne Innovationsfähigkeit und ohne Wettbewerbsfähigkeit geht es in unserem Land nicht. Das sind Werte, für die sie mit ihrer ganzen Leidenschaft stehen“, sagte der Kanzler vor den rund 600 Vertretern der Start-up-Szene. Der Staat sollte Start-ups den roten Teppich ausrollen. „Wir haben damit in der Bundesregierung begonnen, das zu tun“, so Merz.

Der Kanzler setze sich dafür ein, die Arbeitnehmer über die Finanzmärkte an der Wertschöpfung der Volkswirtschaft stärker zu beteiligen. „Auf den Sparbüchern und Sichteinlagen liegen rund drei Billionen Euro. Da gehören sie nicht hin. Sie gehören in den Kreislauf unserer Volkswirtschaft.“

Audio-Erotik-Plattform: Femtasy-Chefin ist Gründerin des Jahres

Als Gründerin des Jahres wurde Julie Lepique (Berlin) ausgezeichnet. Die Gründerin und Chefin der Plattform Femtasy habe „mit ihrem Unternehmen als internationale First Moverin eine neue Content-Kategorie im Bereich Audio-Erotik geschaffen“. (mit afp)