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Einkaufen ohne Kas­sen­schlan­genDer Trend geht zum selbst scannen und bezahlen

4 min
selber scannen dpa

Die Kundin scannt die Ware selbst an der Kasse ein und zahlt mit dem Smartphone.

Köln – Einkaufen ohne Kas­sen­schlan­genHändler lassen die Kunden den Einkauf selbst scannen und bezahlen - Personal bleibt aber in den LädenVON RALF ARENZKöln. So ein Wochenendeinkauf kann Nerven kosten. Es dauert halt, bis zahlreiche Artikel im Supermarkt im Einkaufswagen verstaut sind, Tisch oder Regal sowie Kerzen und weiterer Kleinkram, die so auf dem Weg durch Ikea angeboten werden, auf dem Transporter verstaut oder neue Computerspiele im Elektronikmarkt ausgesucht sind. Und dann sind da die Kassen, vor denen sich gerade am Wochenende gerne lange Schlange bilden.

Eine Alternative: Kassen, an denen die Kunden die Artikel selbst scannen und bezahlen. "Ikea und Real sind Vorreiter bei Selbstbedienungskassen in Deutschland", sagt Simone Sauerwein, Projektleiterin der Self-Checkout-Initiative beim Handelsforschungsinstitut EHI. Immer öfter finde man sie im Lebensmitteleinzelhandel oder in Baumärkten, und Tests gebe es auch bei Discountern und in Drogeriemärkten. "Heute bieten rund 530 Geschäfte eine Self-Checkout-Lösung, darunter etwa 40 mobile Self-Scanning-Lösungen", sagt Sauerwein. Sie erwartet, dass sich diese Zahl bis 2020 verdoppelt.

Schlangen kosten Zeit und Geld

"Kassenschlangen kosten den Kunden Zeit und den Handel bares Geld", heißt es in einer Mitteilung von Saturn. Umsatzeinbußen von 6,7 Milliarden Euro innerhalb eines Jahres habe es allein in Deutschland gegeben, weil Kunden den Kauf wegen zu langer Schlangen abgebrochen hätten. Die Antwort des Elektronikmarktes: Zahlen per Smartphone, das in Hamburg getestet wird. App öffnen, Produkt aussuchen und scannen, mit dem Smartphone bezahlen. Einfach den Markt verlassen kann der Kunde aber nicht. Der Einkauf muss entsichert werden, damit es am Ausgang nicht laut piept. Das gehe in Hamburg schnell und unproblematisch an einem Express- oder Serviceschalter, berichtet Ulrich Binnebößel, Zahlungsexperte des Handelsverbands HDE. Auch im Weihnachtsgeschäft habe das funktioniert. "An stark frequentierten Tagen gibt es aktuell bis zu 100 Bezahlvorgänge täglich mit dem Mobiltelefon", berichtet eine Saturn-Sprecherin. Und das Interesse der Kunden an der Bezahlart wachse.

Mobiles Bezahlen bei Globus

Bezahlen mit dem Smartphone können Kunden in Zukunft möglicherweise auch bei Globus, so Malte Wolters, Leiter Kassen- und Peripheriekonzepte bei Globus. Noch setzt die Supermarktkette auf Selbstbedienungskassen und mobile Scanner, die Globus am Markteingang zur Verfügung stellt. Die gibt es in 30 Märkten. Nutzen können das Verfahren registrierte Kunden mit Kundenkarte, für die man 18 Jahre alt sein muss. Der Kunde scannt dann im Markt den Barcode seine Einkäufe.

An speziellen Kassen werden die Kundenkarte eingelesen sowie der gesamte Einkauf einschließlich Coupons und Pfandbons. Schließlich bezahlt der Kunde bar, mit EC- oder Kreditkarte. Die Technik werde gern genutzt, in Spitzenzeiten von bis zu 30 Prozent der Kunden, so Wolters: "Wir möchten Scan&Go als Möglichkeit eines komfortablen Einkaufens gerne zukünftig in allen Märkten anbieten."

Kassiert wird einfach selbst

Andere Märkte bieten Selbstbedienungskassen, an denen der Kunde seinen Einkauf links neben der Kasse abstellt, über einen Scanner zieht und dann verstauen kann. Beim kleinen Einkauf lässt sich so Zeit sparen, für den Wochenendeinkauf ist die Ablagefläche oft zu klein. Auch kann der Bezahlvorgang jäh unterbrochen werden, wenn Wein oder Zigaretten Teil des Einkaufs waren. Dann eilt Personal herbei und prüft, ob der Kunde alt genug ist.

Bei Amazon Go gibt es dagegen gar keine Kassen mehr. Der Kunde weist sich mit einem QR-Code am Eingang aus, den die Amazon Go-App erzeugt. Zahlreiche Kameras zeichnen auf, was er aus dem Regal nimmt, nach Prüfung wieder zurücklegt, und was er tatsächlich in die Einkaufstasche steckt und nach Hause trägt. Die Rechnung kommt per App, belastet wird das Amazon-Konto des Nutzers. Noch sind die Läden in Seattle eine Touristenattraktion, doch Amazon will expandieren.

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Ohne Personal kommen diese Läden allerdings nicht aus. Bei alkoholischen Getränken wacht ein Mitarbeiter darüber, dass die Kunden das erforderliche Mindestalter für den Kauf haben. In Deutschland werde sich so ein System allenfalls auf sehr lange Sicht durchsetzen, glaubt Sauerwein. Zum einen haben Datenschützer Bedenken gegen Kameras und Sensoren. Zum anderen wollten Händler und Kunden gar nicht auf Personal in den Läden verzichten. Händler können Servicestärke zeigen, und mancher Kunde möchte einfach weiter an der Kasse seine Waren auflegen und anschließend bar bezahlen. So sind Selbstbedienungskassen noch ein Zusatzangebot, und der Kunde hat die Wahl zwischen Sich-bedienen-lassen und Self-Checkout.